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China: Bedürfnis nach Spiritualität steigt

17. Januar 2009 von Long

Eine von der chinesischen Regierung in Auftrag gegebene Studie belegt: Immer mehr Chinesen suchen nach spirituellem Halt. Erste Schätzungen gingen davon aus, dass sich lediglich 100 Millionen Chinesen als religiös gläubig bezeichnen. Die tatsächliche Zahl religiöser Menschen liegt im Reich der Mitte jedoch deutlich höher. Laut Studie gehören mittlerweile 300 Millionen chinesische Erwachsene einer Religionsgemeinschaft an. Das entspricht einem Anteil von 31,4 Prozent an der Gesamtbevölkerung.

Kreuz Kirche ChinaLediglich fünf Religionen sind von der chinesischen Regierung offiziell zugelassen und haben somit die Möglichkeit Kirchen, Tempel oder Moscheen zu errichten sowie eigene Organisationsstrukturen aufzubauen. Etwa zweit Drittel der Chinesen sind Buddhisten oder Taoisten. Die Zahl der christlich Gläubigen (Katholiken und Protestanten) wird inzwischen auf 40 Millionen geschätzt. Außerdem gibt es ca. 20 Millionen Muslime.

Die letzte Schätzung der Anzahl religiöser Anhänger in China stammt aus dem Jahre 2005. Seitdem hat sich allein die Zahl der Christen von damals 12 Millionen bis heute mehr als verdreifacht. Ausländische Schätzungen gehen sogar noch von weitaus mehr Gläubigen aus. Fakt ist, dass das Christentum heute zu den am schnellsten wachsenden Religionen in China gehört. Was sind die Gründe für das rasant wachsende Bedürfnis nach Spiritualität und inwiefern profitiert auch Feng Shui davon?

Ende der Siebzigerjahre begann China damit, sich der Welt zu öffnen. Unter Deng Xiaoping wurden zahlreiche ökonomische Reformen durchgeführt, die mit einem zunehmenden Rückzug des Staates aus vielen Bereichen des sozialen Lebens einhergingen. Seit 1982 gibt es zudem eine staatliche Verordnung, die Religionsfreiheit zugesteht, so lange die Unterstützung von Partei und Staat sowie das Befolgen sozialistischer Gesetze stets Vorrang vor religiösen Bedürfnissen hat.

Statue Mao TsedongDer Rückzugs des Staates aus dem Sozialleben, wachsender Wohlstand in Teilen der Bevölkerung sowie eine zunehmende soziale und geografische Mobilität führten nicht nur zu mehr Freiheit, sondern sorgten ebenso für Verunsicherung und Zukunftsängsten. Im Gegensatz zur Mao Zedong Ära, in der sich die kommunistische Partei um alle Geschicke der Bevölkerung “von der Wiege bis ins Grab” kümmerte, wächst nun das Bewusstsein, dass man selbst für sein Leben verantwortlich ist.

Viele Chinesen beklagen zudem den Verfall moralischer Standards und sinkendes Vertrauen in bisherige soziale Strukturen. Um dem Gefühl der Entwurzelung und Unstabilität zu entfliehen, schaffen sich die Menschen ein eigenes soziales Netz, dem sie vertrauen können. Religiöse Gruppen und kleine Hauskirchen haben auf diese Weise Hochkonjunktur. Darüber hinaus treten spirituelle Bedürfnisse auch deswegen zunehmend in den Vordergrund, weil die Menschen nicht mehr nur damit beschäftigt sind, ihre Grundbedürfnisse nach Nahrung und einem eigenen Dach über dem Kopf zu befriedigen.

Doch warum wächst die Zahl der Anhänger des christlichen Glaubens so viel rascher als die der übrigen Religionen?

Experten führen verschiedene Gründe dafür an. Zum einen ist der Umfang buddhistischer Schriften weitaus größer als “das Buch der Christen” – die Bibel. Viele Menschen haben weder die Zeit noch verfügen sie über ausreichend Bildung, sich mit den komplexen Lehren des Buddhismus oder Taoismus auseinanderzusetzen. Zum anderen verlangt eine Religion wie der Buddhismus Enthaltsamkeit, was für die Anhänger bedeutet, eine Reihe von Entbehrungen im Leben hinzunehmen. Dies fällt vielen Chinesen gerade in Zeiten des ökonomischen Aufschwungs schwer.

junge ChinesinnenSo verwundert es kaum, dass der christliche Glaube insbesondere unter jungen Chinesen sehr populär ist. Sie sind zumeist liberal eingestellt, Amerika-freundlich, Internet-affin, Establishment-kritisch und leben in großen oder mittelgroßen Städten. Ob es sich hier jedoch nur um eine Mode-Erscheinung im Zuge des Wertewandels in der chinesischen Gesellschaft handelt oder sich das Christentum dauerhaft und in größerem Umfang etablieren kann, bleibt abzuwarten.

Bisher haben es ausländische Religionen erst geschafft in China Fuß zu fassen, nachdem das religiöse Vokabular an die heimischen Denksysteme Konfuzianismus bzw. Taoismus angepasst wurden. Auf diese Weise hat auch der chinesische Buddhismus seinen eigenen lokalen Kanon entwickelt. Es ist anzunehmen, dass Christentum und Islam vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Auch wenn der Taoismus aus der chinesischen Öffentlichkeit nahezu verdrängt zu sein scheint, ist er nach wie vor wichtiger Bestandteil chinesischer Lebensweise.

Die Prinzipien der traditionellen chinesischen Medizin, die Ideen von Yin und Yang sowie der Lehre der fünf Elemente und nicht zuletzt Feng Shui haben ihren Ursprung im Taoismus. Der Taoismus ist das Fundament chinesischer Philosophie und asiatischer Denkweise schlechthin, vergleichbar mit der Bedeutung der Werke Platons für die abendländische Philosophie. Durch die aktuelle Entwicklung der chinesischen Gesellschaft wird die Auseinandersetzung mit traditionellen Denk- und Lebensweisen weiter zunehmen.

Im Zuge dessen dürfte auch Feng Shui auf den Prüfstand geraten. Wir gehen jedoch davon aus, dass Feng Shui vom steigenden Bedürfnis nach Spiritualität eher profitieren wird. Immer mehr Chinesen haben Zeit und Geld, um sich aktiv um ihr Wohlergehen zu kümmern – nicht nur in Religionsgemeinschaften. Feng Shui verfügt über Methoden und Werkzeuge, jedem Menschen ganz individuell ein Maximum an Wohlbefinden in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen.

Was denkt ihr dazu?

Viele Grüße
Euer Everyday Feng Shui Team

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