Hamburger Architektursommer 2009: Wo bleibt der Mensch?
9. Juni 2009 von Long
Alpenlandschaft über der Elbe? Spektakuläre Ankündigungen machen in der Presse die Runde. Es ist offensichtlich wieder so weit: Der Hamburger Architektur Sommer naht. Bereits zum sechsten Mal wird die Elbmetropole zum Zentrum für Baukunst, Stadtplanung und Architektur.
Das diesjährige Motto lautet: “Raum in der Zeit – Hamburg im Fluss”. “Etwas sperrig”, mutet der Titel an, mäkelt das Kunstmagazin “Art”. Finden wir nicht.
Doch was uns viel mehr interessiert: Verbirgt sich dahinter tatsächlich Gedankengut einer uns bekannten fernöstlichen Einrichtungslehre namens Feng Shui? Wir werden sehen…
Am 26. Mai eröffnete die Senatorin für Stadtentwicklung und Umwelt Anja Hajduk im Rathaus der Hansestadt offiziell den Hamburger Architektur Sommer 2009. Bis September finden insbesondere am zentralen Informationsort, dem Foyer des Museums für Hamburgische Geschichte, über 230 Veranstaltungen statt, wobei Hamburgs Stadtentwicklung selbst den thematischen Schwerpunkt des Programms bildet.
Kaum eine andere Stadt verändert sich so rasant wie die Elbmetropole. Motor dieser Entwicklung ist die HafenCity, ein 157 Hektar umfassendes Areal, das zu den größten innerstädtischen Entwicklungsgebieten Europas zählt.
Download: Programmheft Hamburger Architektursommers 2009 (12 MB)
Themen wie Stadtplanung und Stadtentwicklung leiden mehr noch als so genannte “appetitliche Wohnraum-Architektur” unter einem Mangel an Interesse in der Öffentlichkeit. Die Frage, ob ein viermonatiger Veranstaltungsmarathon dazu geeignet ist, diesem Defizit entgegenzuwirken, ist an dieser Stelle durchaus berechtigt. Besucher und Journalisten stehen vor dem gleichen Problem: Es gilt, in der Veranstaltungsflut das Besondere herauszufischen. Automatisch stürzt man sich auf das Spektakuläre. So sind wir eben: Das Originelle wird dem Komplizierten vorgezogen.
Dies ist wohl auch der Grund dafür, dass die von der dänischen Bjarke Ingels Group (BIG) entwickelte, in der Elbe schwimmende Alpenwiese ein deutlich größeres Presseecho hervorruft, als etwa eine Ausstellung unter dem Titel “Explorationen: Tendenzen und Potentiale der Architekturforschung”. Und auch die Feng Shui Analyse des Hamburger Rathauses stößt auf ein weitaus größeres öffentliches Interesse als eine Vortragsreihe zu Stadtkonzepten von 1908 bis heute.
Hier ein Auszug aus dem Programmheft:
Wie wirkt das Rathausgebäude auf die Geschicke Hamburgs?
“Eine solche Analyse ist eine spannende Detektiv-Arbeit. Es ist überraschend, wie viel sich an einem Gebäude ablesen lässt, wie weit es also wirklich die Geschicke beeinflusst. In einem so bedeutsamen Objekt wie dem Rathaus wird über das Geschehen ganz Hamburgs bestimmt. Die räumlichen Einflüsse wirken sich somit auf das Wohlergehen der ganzen Stadt aus. Der Vortrag erläutert die landschaftlichen, räumlichen und zeitlichen Einflüsse auf das Rathaus und damit auf den Bürgermeister, den Senat und die Bürgerschaft.”
Termin: 5. Juli, 11 Uhr
Ort: Hamburger Rathaus, vor dem Eingang
Veranstalter: OPTIMUM Feng Shui, Lore Galitz
Info: (01 74) 973 27 41, www.optimum-fengshui.de
Das ist es dann aber auch schon wieder in Sachen Feng Shui gewesen. Diejenigen, die mehr asiatische Lebensphilosophie hinter dem Motto des Architektursommers vermutet haben, werden enttäuscht sein. Sie können ihr Interesse an ganzheitlicher und vor allem umweltbewusster Architektur vielleicht noch in ein paar Veranstaltungen zum Thema “Nachhaltigkeit” befriedigen. Ansonsten liegt der Fokus eher auf ingenieurtechnischen Höchstleistungen und Vorzeigeprojekten größenwahnsinniger Stadtplaner. Uns stellt sich die Frage: Wo bleibt der Mensch?
Architektur ist Umwelt. Wir Menschen und unsere Beziehung zu unserer Umwelt, unser Wohlbefinden, unsere Gesundheit -- das alles sind Aspekte, die zukunftweisende Stadtplanung in den Mittelpunkt stellen sollte. Da kann sich ein Art-Magazin noch so herablassend über Feng Shui Analysen des Hamburger Rathauses äußern, richtig begriffen, für wen Architektur eigentlich da ist, haben die Autoren offensichtlich auch nicht. Wie so oft in unserer technisierten Welt: Wir Menschen und unser Wohlergehen, unsere Emotionen bleiben mal wieder auf der Strecke. Da kann man nur sagen: “Happy engineering!”
Was denkt ihr?
Viele Grüße
Euer Everyday Feng Shui Team
www.everyday-feng-shui.de
Video: Hamburg HafenCity
Quellen:
architektursommer.de -- Hamburger Architektur Sommer 2009
schoener-wohnen.de -- Hamburger Architektursommer 2009
art-magazin.de -- Alpen über der Elbe
feng-shui.net -- Feng Shui Vortrag im Hamburger Rathaus
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