Feng Shui Ratgeber

Zeit zum Zuhören

Von Jasmin Barber

Zeit ist eigentlich immer knapp. Sie vergeht wie im Flug, und sie fehlt oft genau dann, wenn sie am nötigsten gebraucht wird. Wenn es nun aber mehr Zeit gäbe, wofür sollte man sie nutzen? Um Gedanken zum Thema Zeit geht es in unserem Beitrag zur Blogparade „Zeit für …“.

Relaxen in der Hängematte: Einfach mal nichts tun und Entscheidungen reifen lassen

Relaxen in der Hängematte: Einfach mal nichts tun und Entscheidungen reifen lassen
(Foto: Josh Meek)

Manchmal wünsche ich mir mehr Zeit, die ich einfach ins Land gehen lassen kann. Damit habe ich aber nicht das Bild von der Hängematte vor Augen, in der ich genussvoll nichts tue. Ich bräuchte vielmehr Zeit, die ich verstreichen lassen kann, um über wichtige Fragen zu entscheiden.

Es gibt das Sprichwort „Kommt Zeit, kommt Rat“, und das trifft bei mir tatsächlich ganz wörtlich zu. Ich brauche nämlich eine Menge Zeit, um wichtige Entscheidungen zu treffen. Dabei habe ich gar kein Problem damit, das Für und Wider einer Sache abzuwägen. Das ist meistens schnell erledigt. Eine vernünftige Entscheidung könnte ich dann durchaus treffen. Manchmal mache ich das auch, denn gerade im Job fehlt eben oft die Zeit, sich Zeit zu lassen.

Entscheidungen reifen mit der Zeit

Wann immer ich es mir aber „leisten“ kann, lasse ich eine Entscheidung in wichtiger Angelegenheit einfach eine Weile ruhen. Ich stelle mir vor, dass sie dann ohne mein gedankliches Zutun heran reift. Nach einiger Zeit jedenfalls ist die Entscheidung „erntereif“. An ihrer Richtigkeit gibt es keinen Zweifel.

Goethe hat aus dem Spruch „Kommt Zeit, kommt Rat“ 1827 ein kleines Gedicht gemacht, das mir sehr gut gefällt:

Kommt Zeit, kommt Rat
Wer will denn alles gleich ergründen!
Wenn der Schnee schmilzt, wird sich’s finden.

Hier hilft nun weiter kein Bemühn!
Sind’s Rosen, nun, sie werden blühn.

Wenn ich also Extra-Zeit zur Verfügung hätte, würde ich sicherlich einen großen Teil einfach verstreichen lassen. Ich könnte mich dann freuen, nach der zusätzlich vergangenen Zeit reife Entscheidungen zu ernten. Bestimmt gäbe es aber noch andere sinnvolle Arten, eine Extra-Portion Zeit zu nutzen.

Zeit zum Zuhören: "Hags with the bags" Statuen in Dublin, Irland

Mehr Zeit zum Zuhören: „Hags with the bags“ Statuen in Dublin, Irland
(Foto: William Murphy / Flickr)

Ich denke als Erstes daran, besser zuzuhören. Denn wie oft fehlt einfach die Zeit, um für die Sorgen und Gedanken der anderen ein Ohr zu haben! Den ganzen Tag gab es Stress und Hektik, und dann steht abends auch noch der Nachbar vor der Tür. Was will der denn jetzt? Dann ist es ist so, als hätte ich in Gedanken die Tür beim Öffnen schon wieder hinter ihm geschlossen. Natürlich kann ich so nicht wirklich hören, was er zu sagen hat.

Ärzte ohne Zeit

Vor Kurzem war meine Tochter im Krankenhaus. 24 Stunden waren es bloß. 24 Stunden sind aber für ein krankes Kind eine sehr lange Zeit. Viele verschiedene Schwestern und mehrere Ärzte kamen und gingen während dieser Zeit. Alle mussten gehört haben, wie meine Tochter ein ums andere Mal ihr Befinden beschrieb. Sie tat das mit großer Ausdauer immer wieder. Zugehört hatte aber offenbar niemand. Es gab keine Nachfrage, kein erklärendes Wort, stattdessen nur knappe Zeit und eilende Schritte. Ist es verwunderlich, dass es am Schluss keine Diagnose, sondern nur ratloses Schulterzucken gab?

Zum Glück zeigte sich bald darauf in einer anderen Klinik, dass es mit wahrscheinlich genauso knapper Zeit doch ganz anders geht. Dort kamen die Ärzte ins Krankenzimmer, setzten sich zu meiner Tochter ans Bett, stellten Fragen und hörten zu. Wahrscheinlich bedauerte es meine Tochter am Ende sogar, dass sie nach einer Woche schon wieder nach Hause durfte. Sie fühlte sich richtig wohl.

Besonders für Kinder gilt: Heilung durch Zuhören

Besonders für Kinder gilt: Heilung durch Zuhören (Foto: Christiaan Triebert)

Es ist schon traurig, dass es auffällt, wenn mal jemand wirklich zuhört. Es muss eben meistens alles schnell gehen. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, mir mehr Zeit zum Zuhören zu nehmen.

Quelle:

www.zeit.de – Wer etwas zu sagen hat, muss zuhören können

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