Alles ist perfekt, obwohl niemand perfekt ist

Eigentlich ist alles ist perfekt, so wie es ist. Man muss die Perfektion nur erkennen. Je mehr wir jedoch einem falschen Perfektionismus nachjagen, umso seltener erleben wir das Gefühl, dass alles seine Richtigkeit hat.

 Die Natur zeigt uns den Unterschied zwischen natürlicher Harmonie und unnatürlicher Perfektion. Foto: Cleide Isabel / flickr CC BY 2.0
Die Natur zeigt uns den Unterschied zwischen natürlicher Harmonie und unnatürlicher Perfektion. Foto: Cleide Isabel / flickr CC BY 2.0

Perfektionismus mit Krankheitswert

Es gibt viele Gründe für eine Burnout-Erkrankung. Eine davon ist Perfektionismus. Das Feilen am letzten I-Tüpfelchen kostet oft mehr Energie als der ganze Rest. Und nicht nur das: Perfektionisten sind leidige Zeitgenossen, die sich selbst und andere ständig kritisieren. Nichts ist gut genug und überall wird ein Haar in der Suppe gefunden. Da nützt es nichts, zu beteuern, dass man andere Maßstäbe hat und den überzogenen Ansprüchen nicht genügen möchte. Man ist einfach unten durch – und wer ist das schon gerne? Und selbst wenn mal ausnahmsweise alles perfekt ist: Manche Menschen sind einfach nie zufrieden, denn es hätte noch besser oder schneller gehen können.

Woher kommt der Drang, perfekt sein zu wollen?

Zufriedene Menschen sind schlechte Konsumenten, denn sie sind nicht ehrgeizig genug, um täglich neue Rekorde zu erreichen. Um in einem System, das auf Konkurrenz aufgebaut ist, an die Spitze zu kommen, muss man besser sein als die anderen. Der Erfolg hängt davon ab, dass man siegreich aus Wettbewerben hervorgeht. Es gibt Berufe – zu denen auch die Architekten gehören – in denen man sich öffentliche Aufträge durch Teilnahme an unbezahlten Wettbewerben erkämpfen muss. Auch Anwälte stehen ständig unter dem Druck, Prozesse gewinnen zu müssen. Ein starker Leistungsdruck herrscht außerdem im Spitzensport und im Model-Business. Wer keinen Siegeswillen hat und nicht perfekt sein möchte, hat hier keine Chance. Fast alle Selbstständigen haben mit Konkurrenz zu kämpfen und können es sich nicht erlauben, fünf gerade sein zu lassen.

Vollkommenheit ist extrem teuer

Wer immer alles toppen oder perfekt machen möchte, steht ständig unter Stress. Alle Gedanken drehen sich um die Frage, was man noch besser machen oder optimieren könnte. Oft werden auch die Mitarbeiter in Stress versetzt oder häufig ausgetauscht. Sogar der Partner wird infrage gestellt. Denn es könnte ja einen geben, der mehr hermacht oder mehr bringt. Dieses ständige Vergleichen und Aussortieren ist mit hohen Verlusten verbunden. Nicht selten wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet und Gutes verworfen, nur weil irgendwas nicht perfekt ist. Eine gewisse Zufriedenheit hält nur so lange, bis die nächste Idee kommt, was man ändern könnte. Zu viel Ehrgeiz und Selbstkritik können derart erschlagend wirken, dass sich jemand völlig verkrampft vor lauter Angst vor Fehlern. Perfektionisten haben oft ein sehr niedriges Selbstwertgefühl. Obwohl sie zu den Besten gehören, wirken sie angespannt, unsicher oder schüchtern.

Du bist nicht gut genug!

Dieser Glaubenssatz ist sehr weit verbreitet. Viele Menschen glauben bewusst oder unbewusst, dass sie nur geliebt und geschätzt werden, wenn sie andere übertrumpfen. Die Eltern wollen Vorzeigekinder haben und stolz sein auf ihren Nachwuchs. Jede Frau möchte den besten Mann ergattern und jeder Mann die tollste Frau. Wer bloß durchschnittlich ist oder sich dem Vergleich entzieht, der gehört nicht zu den anerkannten Siegern. Wenn du ein Siegertyp bist, dann musst du hervorstechen. Doch keiner, der gut genug sein möchte für andere Menschen oder sie zu Beurteilungen auffordert, darf sich wundern, wenn er abgewertet oder verurteilt wird! Wer nach Anerkennung giert und gelobt werden möchte, ist weder selbstbewusst noch selbstbestimmt. Für unabhängige Menschen gehören Fehler zum Erfolg dazu, denn das, was zählt, sind die Erfahrungen.

Gibt es auch einen gesunden Perfektionismus?

Das Fatale am krankhaften Perfektionismus ist, dass die Ziele nicht in Einklang stehen mit der Natur. Es handelt sich um Ego-Ziele, die selbst gesteckt werden oder vom Wirtschaftssystem vorgegeben sind. Bereits Schulkinder werden daran gewöhnt, dass ihre Leistungen verglichen und benotet werden. Bei guten Noten gibt es Lob und bei schlechten Noten Tadel. Es ist scheinbar nicht in Ordnung, wenn man sich für ein Fach nicht interessiert oder sich mal nicht anstrengt. Doch warum sollte das nicht in Ordnung sein? Jeder Mensch hat das Recht, seinen Neigungen nachzugehen und Tätigkeiten, die ihn nicht interessieren, entweder abzulehnen oder als lästige Pflichten zu betrachten. Je mehr man sich daran gewöhnt, keinen äußeren Vorgaben, sondern den inneren Impulsen zu folgen, umso öfter stellt sich ein ganz anderer Perfektionismus ein. Ja, es gibt einen gesunden Perfektionismus! Denn alles, was auf natürliche Weise geschieht, ist vielleicht nicht perfekt, aber stimmig und harmonisch!

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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