Aufschieben macht Stress

Manche Aufgaben sind so unangenehm, dass man sie am liebsten gar nicht anpacken möchte. Wenn das Vermeiden und das Aufschieben allerdings überhandnehmen, kann das zu ernsten Problemen führen. Fachleute nennen die chronische „Aufschieberitis“ auch Prokrastination.

Chronische Aufschieberitis führt zu Stress
Chronische Aufschieberitis führt zu Stress (Foto: Vic / Flickr)

Wie schön wäre es, gäbe es die Heinzelmännchen aus dem Märchen. Man müsste sich abends nur entspannt zur Ruhe legen, und am nächsten Tag wären alle lästigen Aufgaben erledigt. Einen ähnlichen Gedanken hatte bestimmt jeder schon einmal. Manchmal kommt vieles zusammen. Dann wächst die Liste der zu erledigenden Dinge beständig, obwohl man sich doch nach Kräften bemüht. Die Motivation bei Laune zu halten, ist dann nicht einfach.

Wenn sich die Aufgaben türmen und wenn sie noch dazu besonders unangenehm erscheinen, dann neigen manche Menschen dazu, die Dinge auf die lange Bank zu schieben. Dabei wissen sie wahrscheinlich sehr genau, dass dieses Verhalten keine Lösung bietet, sondern am Ende nur für großen Stress sorgen wird. Wie kommt es also zur „Aufschieberitis“, bei der wichtige Aufgaben ständig umgangen werden?

Junge Menschen schieben häufig auf

Mit den Hintergründen der Prokrastination hat sich eine interdisziplinäre Studie der Universität Mainz beschäftigt, an der Mediziner und Medienwissenschaftler beteiligt waren. Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung betrifft die Gruppe der „Aufschieber“. Demnach sind es hauptsächlich junge Menschen, die von Prokrastination betroffen sind – und von den damit einhergehenden Begleiterscheinungen wie Stress, Depression, Angst, Einsamkeit und Erschöpfung. Das Aufschieben wichtiger Aufgaben ist insgesamt mit einer geringeren Lebenszufriedenheit verbunden, hat die Studie ergeben.

Das permanente Aufschieben der unangenehmen Dinge kann auf Dauer nicht gut gehen. Der Berg an unerledigten Aufgaben wird nur immer größer. Den Betroffenen ist das durchaus bewusst. Gerade deshalb leiden sie irgendwann unter Ängsten und geraten in Stress. Den Weg aus der Prokrastination heraus zu finden, ist dann ohne Hilfe kaum mehr möglich. Eine anonyme und kostenfreie Möglichkeit bietet zum Beispiel dieser Online-Kurs. In ernsteren Fällen kann sogar eine stationäre Behandlung nötig sein.

Hochgesteckte Ziele

Prokrastination ist etwas mehr als eine schlechte Angewohnheit. Es handelt sich um ein erlerntes Verhalten, das sich selbst verstärkt. Das Aufschieben fördert also noch das erneute Vermeiden der unangenehmen Aufgaben. Die Autoren der Studie vermuten, dass Versagensängste, zu hoch gesteckte Ziele, zu große Ansprüche an die eigenen Leistungen und letztlich Überforderung zur Prokrastination führen können. Betroffen sind vor allen Dingen junge Menschen in Schule und Studium. Insgesamt nimmt die Zahl der Betroffenen zu.

Während sich die einen Forscher mit den negativen Auswirkungen der „Aufschieberitis“ befassen, halten andere Experten die Prokrastination für ungefährlich oder sogar empfehlenswert. Wer wichtige Dinge aufschiebe, erledige in der Zeit des Aufschiebens andere Aufgaben, heißt zum Beispiel ein Argument. Aufschieben ermögliche es außerdem, in der „gewonnenen“ Zeit kreativ zu werden.

Loblied aufs Aufschieben

Prokrastination: Erstmal was anderes machen...
Prokrastination: Erstmal was anderes machen… (Foto: Jessica Mullen)

Der Autor Adam Grant geht sogar noch weiter. Er hat für die New York Times ein regelrechtes Loblied auf die Prokrastination verfasst. Allerdings beschreibt Grant seine Ausgangssituation als genaues Gegenteil der „Aufschieberitis“. Er sei schon immer bestrebt gewesen, alle ihm gestellten Aufgaben möglichst sofort zu erledigen. Auch das führt wahrscheinlich zu Stress. So ist es zu verstehen, wenn Grant erklärt, dass er sich fest vorgenommen habe, ab sofort mehr zu prokrastinieren.

Quellen:

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