Bauchentscheidungen gegen den Stress

Schwierige Entscheidungen sind oft mit schlaflosen Nächten verbunden. Wer entscheiden muss, macht sich viele Gedanken und bemüht sich, alle Aspekte sorgfältig abzuwägen. Tatsächlich ist aber die spontane Bauchentscheidung oft die bessere Variante im Vergleich zur rationalen Entscheidung. Wie kann das sein?

Der Denker: Alle Einflussfaktoren abzuwägen, führt nicht unbedingt zu besseren Entscheidungen
Der Denker: Alle Einflussfaktoren abzuwägen, führt nicht unbedingt zu besseren Entscheidungen (Foto: Erik Drost)

Wer im Vorfeld einer Entscheidung alle Argumente prüft und bewertet, müsste doch zum besten Ergebnis kommen. So wird es schon in der Schule vermittelt: Erst denken, dann sprechen, heißt es dort. Auch später im Berufsleben zählt die Vernunft. Nur durch kühles Abwägen aller Zahlen und Fakten kommt man zur richtigen Entscheidung. Theoretisch jedenfalls sollte es so sein. In der Praxis klappt das aber anscheinend längst nicht so, wie es die Lehrbücher bislang vorsahen. Inzwischen hat auch die Wissenschaft festgestellt, dass es sich mit der Entscheidungsfindung komplizierter verhält als gedacht. Kaum ein Mensch ist nämlich tatsächlich in der Lage, völlig rational abzuwägen und zu entscheiden.

Unbewusst richtig entscheiden

Die meisten Entscheidungen, die wir täglich treffen, fallen ohnehin unbewusst. Und die allermeisten davon sind zweifellos die richtigen Entscheidungen. Nämlich die, über die wir gar nicht mehr nachdenken, weil sie im Alltag ganz selbstverständlich geworden sind. Das heißt natürlich nicht im Umkehrschluss, dass das Nachdenken generell nachteilig wäre. Zuviel rationales Abwägen kann aber sehr anstrengend werden – und es führt noch nicht einmal zu besonders guten Entscheidungen.

Manchmal ist es das beste, sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen
Manchmal ist es das beste, sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen
(Foto: José Manuel Ríos Valiente)

Hirnforscher haben festgestellt, dass bei Entscheidungen immer auch das Bauchgefühl eine Rolle spielt. Inzwischen hat sich die Theorie von der Intuition sogar bis in die Lehrbücher durchgesetzt. Bauchentscheidungen werden auch von Wissenschaftlern nicht mehr belächelt, sondern – im Gegenteil – ganz genau untersucht. Denn die „unbewusste Intelligenz“ scheint doch oft für die besseren Entscheidungen zu sorgen als jeder Versuch des kühlen Abwägens aller Vor- und Nachteile.

Meiner Meinung nach ist kaum eine „vernünftige“ Entscheidung gegen das eigene Bauchgefühl möglich. Dabei hielt ich mich früher für einen sehr rationalen Menschen. Meiner Schulfreundin stand ich zwar in allen Fragen zur Seite. Aber ihre spontanen Entscheidungen „aus dem Bauch heraus“ habe ich immer wieder belächelt. Ich war mir sicher, dass mir so etwas nicht passieren könnte. Und wenn sich jemand lange Gedanken um eine wichtige Entscheidung machte, zu einem vernünftigen Ergebnis kam und dann doch völlig anders entschied, konnte ich nur mit dem Kopf schütteln. Heute sehe ich die Sache allerdings anders: Gute Entscheidungen sind nur möglich, wenn sich Intuition und Verstand einig sind.

Eine Chance für die Intuition

Mehr Vertrauen in die Intuition hat außerdem einen großen Vorteil: Es vermeidet Stress. Das ist gerade im Arbeitsalltag nicht zu unterschätzen. Wer vor vielen zeitkritischen Entscheidungen steht und versucht, alle Aspekte gründlich abzuwägen, gerät unweigerlich in Stress. Unser Gehirn ist damit überfordert, sehr viele Informationen schnell und zuverlässig zu verarbeiten. Das Bauchgefühl kann dann eine gute Entscheidungshilfe sein. Dem Intuitions-Forscher Yoel Inbar zufolge ist es ratsam, zunächst die Fakten zu prüfen, dann aber bewusst den Denkprozess zu unterbrechen. So hat das Bauchgefühl eine Chance, zum Zuge zu kommen.

Kann uns unsere Intuition dabei helfen, bessere Entscheidungen für unser Leben zu treffen? Ja, sagt die Wissenschaft.
Kann uns unsere Intuition dabei helfen, bessere Entscheidungen für unser Leben zu treffen? Ja, sagt die Wissenschaft (Foto: Angela Marie Henriette)

Natürlich wussten das im Grunde schon unsere Urgroßeltern, ohne dass sie aufwendige Forschung betrieben hätten. Die landläufige Methode, die seit Generationen angewendet wird, besteht darin, eine Nacht darüber zu schlafen. Auf diese Weise bekommt das Unbewusste seine Chance.

Quelle:

kurier.at – Gehirn aus, Erfolg an?

 

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