Das Yin und Yang Prinzip: Ursprung heutiger Computer?

Ein Computer zerlegt alle Datenströme in Abfolgen von nur zwei Zahlen: Null und Eins. In der Praxis bedeutet dies, entweder es fließt Strom (1) oder es fließt kein Strom (0). Bereits 1672 konstruierte der „letzte Universalgelehrte“ Gottfried Wilhelm Leibniz eine Rechenmaschine, die multiplizieren, dividieren und die Quadratwurzel ziehen konnte.  Eine weitere Rechenmaschine, die er entwarf, aber nie fertig stellte, beruhte auf dem binären Zahlensystem (Dualsystem). Dieses wurde später zur Grundlage heutiger Digitalrechner. Ein Artikel der Nürnberger Zeitung, über den wir gerade gestolpert sind, stellt daraufhin eine interessante Frage: Wurde Leibniz durch das Yin-Yang-Prinzip zum binären Prinzip angeregt?

Yin und Yang tauchen als festes Begriffspaar und Welterklärungsmodell spätestens tausend Jahre vor Christus im Zusammenhang mit dem I Ging auf.  Die beiden Schulen der chinesischen Philosophie, der Taoismus und der Konfuzianismus, unterscheiden sich dadurch, dass Lao-Tse das weibliche Yin höher schätzte, Konfuzius hingegen dem männlichen Yang den Vorzug gab.

Yin Yang Rasen mähenDas Yin und Yang Symbol ist als Momentaufnahme eines dynamischen Prozesses zu sehen. Es ist das Abbild jenes Augenblicks, in dem Yin und Yang im Gleichgewicht sind. Dieser Zustand ist niemals von Dauer, denn Yin und Yang unterliegen einem ständigen Wandlungsprozess.  Ausgedrückt wird diese Dynamik durch das schwarze Auge in der weißen Hälfte und dem weißen Auge in der schwarzen Fläche. Denn: Mitten im Licht entsteht Dunkelheit, und in der Mitte des Dunklen keimt neues Licht. Beiden Kräfte bedingen einander.

Nach Europa kam die Kunde von Yin und Yang etwa um die Zeit des 17. Jahrhunderts durch die Jesuiten, welche in China zu hohen kaiserlichen Beamten aufgestiegen waren, zuständig für Astronomie und eine Kalender-Reform. Die Briefe der Jesuiten las auch Gottfried Wilhelm Leibniz. Es ist durchaus möglich, dass Leibniz auf diesem Wege vom Yin und Yang Prinzip erfuhr und daraufhin das Dualsystem entwarf.

Das binäre Prinzip kannten die Europäer im 17. Jahrhundert bereits. Es scheint sogar so, dass in Gegensatzpaaren zu denken, ein grundsätzliches Vorstellungsmodell von uns Menschen ist. Dies will der Ethnologe Claude Lévi-Strauss herausgefunden haben. Menschen in allen Kulturen, so verschieden sie auch sein mögen, denken stets in Gegensätzen: gut – böse, männlich – weiblich, Tag – Nacht…

DavidsternUns hat die Tatsache erstaunt, dass es für das chinesische Yin Yang Symbol in unserem Kulturkreis sogar eine Entsprechung gibt: Der Davidstern, auch bekannt als Siegel Salomos. Der Davidstern besteht aus zwei gleichseitigen Dreiecken, die ineinander gehakt sind. Laut Hermes Trismegistos, dem Verfasser zahlreicher philosophischer, magischer und alchemistischer Schriften, besagt er: Wie oben, so unten. Das untere Dreieck, welches seine Spitze nach oben richtet, steht für Feuer, das obere hingegen für Wasser.

Mit Schrecken stellen wir fest, dass wir hier dem Wind und Wasser Modell des Feng Shui plötzlich bedrohlich nah gekommen sind. Wenn wir jetzt noch weiter in der Kulturgeschichte der Menschheit herumwühlen, entdecken wir vielleicht noch, dass Feng Shui ursprünglich doch aus Europa stammt. Wir wollen unsere Leser an dieser Stelle nicht weiter verwirren. Der Gedanke, Feng Shui entstammt der Jahrtausende alten Weisheit fernöstlicher Gelehrter, ist doch viel romantischer ;)

Was denkt Ihr?

Viele Grüße
Euer Everyday Feng Shui Team

3 Kommentare

  1. In Sachen „handwerkliches Geschick“ versagt das Yin und Yang Prinzip bei mir regelmäßig. Ich habe quasi zwei identische „linke Hände“.

    Viele Grüße
    Long Wang

  2. Feng Shui ist ganz sicher keine rein chinesische Entwicklung. In Indien gibt es das Vastu, bei uns die Geomantie und sicher noch viele weitere.

    Letztendlich haben alle Kulturen immer versucht die Zusammenhänge des Lebens zu entschlüsseln und diese Erkenntnisse gewinnbringend zu nutzen – unsere Wissenschaft eingeschlossen.

    Übrigens läuft nicht nur ein Computer mit Yin und Yang, man denke an Adam und Eva oder Materie und Antimaterie.

    Letztendlich ist das Konzept von Yin und Yang nur ein Denkmodell um Zusammenhänge erklärbar zu machen – verwendbar für recht viele Zusammenhänge.

    Gerhard Zirkel

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