Die „Food Assembly“: Direkt von regionalen Erzeugern kaufen

Süße Brotaufstriche sind gar nicht meine Sache. Doch den Honig, den mir ein Hobby-Imker brachte, genieße ich jeden Morgen. Ähnlich geht es mir mit dem selbst gezogenen Kürbis vom Nachbarn: ein echter Genuss! Tatsächlich gibt es jede Menge Köstlichkeiten, die fast vor der eigenen Haustür wachsen oder ganz in der Nähe produziert werden. Aber wie kommt man an diese regionalen Produkte? Eine Möglichkeit ist der Besuch einer „Food Assembly“.

The Food Assembly
 
Die Idee für eine neue Form der Vermarktung regionaler Produkte stammt aus Frankreich. Dort entstanden seit 2011 mehr als 400 „Food Assemblies“, bei denen Lebensmittel aus der Region ihre Abnehmer finden. Die ersten hiesigen Zusammenkünfte dieser Art gab es in diesem Sommer in Köln und Berlin. Möglich und sinnvoll sind sie überall dort, wo Verbraucher und kleine landwirtschaftliche Betriebe nur schwer zueinander finden – also so gut wie überall.

Digital und regional

Mit der Food Assembly soll ein digitaler, regionaler, gemeinschaftlicher Vertriebsweg beschritten werden. Konkret bedeutet das: Übers Internet registrieren sich zunächst die Mitglieder der Food Assembly. Anschließend bestellen und bezahlen sie online Obst, Gemüse, Brot oder andere Lebensmittel. Die Bestellungen und Zahlungen gehen an kleine Erzeuger in der Region, die ebenfalls Mitglieder der Food Assembly sind. Die Übergabe findet dann zu einem vorher festgelegten Termin an einem zentral gelegenen Ort statt.

Die Vorteile dieser „Mini-Marktplätze“ liegen auf der Hand: Anders als beim Wochenmarkt bringen die Erzeuger nur die bestellten und bezahlten Produkte mit. So muss am Ende des Markttages nichts Überschüssiges entsorgt werden, das Transport und Lagerung vielleicht nicht gut verträgt. Für viele kleine Betriebe ist eine Food Assembly zudem eine gute Möglichkeit, ihre Produkte ohne großen Marketing- und Vertriebsaufwand und vor allen Dingen ohne weite Transportwege zu verkaufen. Kunden wiederum bestellen bequem übers Internet und bekommen gesunde Frische aus der Umgebung.

Transparent und weiblich

Gut 80 Prozent der Erlöse aus einer Assembly bleiben bei den Erzeugern. Zwischenhändler gibt es bei diesem Marktmodell nicht. Eine Food Assembly braucht lediglich einen Gastgeber, der sich um die organisatorischen Dinge rund um die Verteilung der Lebensmittel kümmert. So muss ein geeigneter Ort gefunden werden, an dem die wöchentlichen Assemblies stattfinden können. Für seinen Einsatz bekommt der Gastgeber einen Teil der Umsätze. An die Betreiber der Internetplattform geht ein Betrag in gleicher Höhe. Für die Erzeuger bedeutet das eine Art Servicegebühr, die exakt 16,7 Prozent ihres Umsatzes vor Steuern beträgt. Transparenz bietet die Food Assembly also außerdem.

Die "Food Assembly" - der kurze Weg vom Erzeuger zum Verbraucher
Die „Food Assembly“ – der kurze Weg vom Erzeuger zum Verbraucher (Bildquelle: thefoodassembly.com)

Tatsächlich sind es übrigens hauptsächlich Gastgeberinnen, die Food Assemblies eröffnen. 80 Prozent der Verantwortlichen in dem Netzwerk sind Frauen, heißt es in einer Eigendarstellung. Die Organisation versteht sich als Online-Handelsplatz für regionale Lebensmittel, als Hilfestellung für kleine landwirtschaftliche Betriebe und als Einladung an Verbraucher, auf einfache und faire Weise an gute Produkte aus der Umgebung zu kommen.

Außerdem fungiert die Food Assembly als soziales Netzwerk der besonderen Art, da es nicht nur einen Austausch auf virtueller Ebene gibt, sondern auch den direkten persönlichen Kontakt. Bei der Verteilung der bestellten Lebensmittel treffen sich nicht nur Käufer und Verkäufer. Es kommen Menschen mit ganz unterschiedlichen Motivationen zusammen, die aber eins gemeinsam haben: ein Interesse an guten Nahrungsmitteln, die keine Umwege durch Lieferketten und Supermärkte gehen müssen. Wer mitmachen möchte, kann sich hier anmelden.

 

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