Die guten Vorsätze trifft keine Schuld

Brauchen wir bessere Vorsätze? – fragt der WWF mit Blick auf Klimawandel und Umweltschutz. Ich denke, wir machen es uns ziemlich einfach, wenn wir den Vorsätzen die Schuld daran geben, dass sie nicht Wirklichkeit werden. Wenn schon, dann müssen wir besser werden – beim Umsetzen unserer Vorsätze.

Joggen im Januar: Wie lange die guten Vorsätze wohl diesmal halten?
Joggen im Januar: Wie lange die guten Vorsätze wohl diesmal halten? (Foto: Hernán Piñera)

Die beste Zeit für gute Vorsätze aller Art ist hierzulande der Jahreswechsel. Da lässt man gern das Alte hinter sich, blickt mutig nach vorn – und nimmt sich allerhand Gutes für das neue Jahr vor. Obwohl oder gerade weil bekannt ist, dass das Haltbarkeitsdatum der allermeisten guten Vorsätze recht schnell überschritten wird, wimmelt es in Magazinen und anderen Medien von Tipps zum Thema. Dabei geht es immer um die Frage, wie das Haltbarkeitsdatum nach hinten verlegt werden kann.

Als ginge es um einen Wettbewerb, wer seinem Vorsatz am längsten treu bleiben kann. Dabei nützt doch der schönste Sieg in diesem Wettbewerb nichts, wenn nach der Treue doch wieder die alten Gewohnheiten das Ruder übernehmen. Es geht eben nicht ums Durchhalten, sondern um grundlegende Veränderungen. Wer das Klima schützen will, sollte das Auto stehen lassen. Nicht mit Müh und Not von Januar bis März, sondern gerne und mit Freude so oft wie möglich. Für das Ändern von Gewohnheiten eignen sich solche guten Vorsätze, die genau zu dem jeweiligen Menschen passen.

Veränderung im Schneckentempo

Ich habe einen Bekannten, der seit einer gefühlten Ewigkeit alljährlich zu Silvester immer wieder den gleichen Vorsatz formuliert: Er möchte weniger rauchen. Und er schafft es sogar. Sein Zigarettenkonsum wird von Jahr zu Jahr geringer. Allerdings passiert das im Schneckentempo. Wir kennen uns schon seit vielen Jahren. Er rauchte damals mehr als 30 Zigaretten am Tag. Heute sind es vielleicht noch drei. Man kann also davon ausgehen, dass er in ein oder zwei Jahren tatsächlich gar nicht mehr rauchen wird.

Schneckentempo: Manche Veränderungen brauchen Zeit
Schneckentempo: Manche Veränderungen brauchen Zeit (Foto: Peter Moons)

Für meinen Bekannten ist das ein Erfolg auf der ganzen Linie. Er hat all seine Vorsätze der zurückliegenden 25 Jahre umgesetzt – und zwar immer gut gelaunt. Ich dagegen muss zugeben, dass ich seine alljährlichen guten Vorsätze lange Zeit als glatte Schwäche verurteilt habe. Warum konnte er sich nicht einfach vornehmen, mit dem Rauchen aufzuhören? Oder noch besser: Warum hörte er nicht einfach auf, wenn ihm doch klar war, wie schädlich der Zigarettenkonsum ist?

Inzwischen beginne ich anzuerkennen, dass sich tatsächlich einiges an den Gewohnheiten meines Bekannten verändert hat. Es ist zwar ein extrem langer Umstellungsprozess, aber wahrscheinlich funktioniert Veränderung für diesen Menschen nur so. Vielleicht nehme ich mir sogar genau diesen Ansatz zum Vorbild.

Eigentlich vertrete ich eine ganz pragmatische Herangehensweise. Wer nicht mehr rauchen möchte, soll es sein lassen. Wer sich mehr bewegen möchte, soll gleich damit anfangen. Manche Dinge sind aber so kompliziert im Alltag verwoben, dass sie sich nicht einfach umwerfen lassen. Und dann erleiden die guten Vorsätze das übliche Schicksal. Sie werden schnell fallen gelassen, weil sie gar nicht umsetzbar scheinen.

Sehr kleine Vorsätze

Die Sache mit den sehr kleinen Vorsätzen könnte da hilfreich sein. Mir hat es unter anderem geholfen, den Verpackungsmüll in meinem Haushalt deutlich zu reduzieren. Vor einiger Zeit brachten mich die Berichte über unsere Verpackungsmüllmengen auf die Palme. Am liebsten wollte ich sofort den Garten komplett umgraben und auf autarken Obst- und Gemüseanbau umstellen, um nie wieder abgepackte Lebensmittel einkaufen zu müssen. Das war natürlich völlig unrealistisch. Weder meine Zeit noch meine Fähigkeiten ließen das zu – ganz zu schweigen von der Gartenanbaufläche.

Bitte nicht: Schwan in einem Nest aus Verpackungsmüll
Bitte nicht: Schwan in einem Nest aus Verpackungsmüll (Foto: Alexandre Dulaunoy)

Stattdessen nahm ich mir vor, beim Einkauf immer zur Alternative ohne Verpackung zu greifen, wenn es diese Alternative gibt. Das klappt sehr gut. Außerdem soll in meinem kleinen Garten jedes Jahr mindestens eine Obst- oder Gemüsesorte hinzukommen. Ich freue mich schon jetzt aufs Anpflanzen im Frühling. Zugegeben, das Weltverändern dauert mit dieser Methode ziemlich lange. Aber auch hier sehe ich die Dinge pragmatisch: Besser langsam als nie.

www.everyday-feng-shui.de

 

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