Essen macht doch glücklich!

Essen und Glück liegen sehr nah beieinander, davon bin ich überzeugt. Manchmal reicht schon ein Gespräch über ein köstliches Gericht – und schon habe ich nicht nur großen Hunger, sondern ein richtig gutes Grundgefühl.

Dass Essen glücklich machen kann, wissen wir nicht erst seit dem Erwachsenenalter
Dass Essen glücklich machen kann, wissen wir nicht erst seit dem Erwachsenenalter
(Foto: Juhan Sonin)

Meine kleine Tochter würde das wahrscheinlich anders formulieren. Für sie ist es beinahe das größte Unglück, wenn sich ihr Wunsch nach einem ihrer Lieblingsgerichte nicht erfüllt. Die Stimmungslage mit übler Laune zu bezeichnen, wäre noch untertrieben. Zu ihrer Ehrenrettung muss ich sagen, dass sie ansonsten sehr ausgeglichen und freundlich ist. Aus der Balance gerät aber alles, wenn ihre Essbedürfnisse ungestillt bleiben.

Liebe geht durch den Magen

Es gibt jede Menge Sprichwörter rund ums Thema. Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen, heißt es. Manches liegt einem aber schwer im Magen, das muss erst einmal verdaut werden. Harte Brocken gilt es zu schlucken. Weitaus angenehmer ist es, wenn einem schon das Wasser im Munde zusammenläuft. Manches lassen wir uns auf der Zunge zergehen, und manchmal ist jemand einfach zum Anbeißen. Spätestens dann erinnern wir uns: Liebe geht durch den Magen.

Gute Gefühle entstehen bei mir oft schon beim Einkaufen. Der wöchentliche Gang über den Markt ist so eine Gelegenheit. Obst und Gemüse in Hülle und Fülle – für mich gibt es kaum einen Ort, an dem ich mich wohler fühlen könnte. Ich schwelge in Farben, Formen und Düften. Und für das Auswählen ist immer genug Zeit. Einkaufsstress gibt es auf dem Wochenmarkt nicht.

Aufmerksamkeit und Hingabe

Beim Kochen kommt dann meine größere Tochter ins Spiel. Für sie ist das Vorbereiten der Speise mindestens so wichtig wie die Mahlzeit selbst. Waschen, Schälen, Schneiden, Raspeln, Reiben – was mir eher lästig erscheint, übernimmt sie mit Hingabe. Jede einzelne Kartoffel bekommt die Aufmerksamkeit, die sie braucht, um sauber geschält oder gründlich gewaschen zu werden.

Hingabe beim Kartoffelschälen
Hingabe beim Kartoffelschälen: „Girl peeling potatoes“, Albert Samuel Anker (1831-1910)

Ich sollte mir ein Beispiel nehmen an meiner Tochter. Denn allzu oft bin ich mit meinen Gedanken während des Kochens schon wieder bei den nächsten anstehenden Aufgaben. Dadurch leidet dann wahrscheinlich das Kochergebnis. Und die anstehenden Aufgaben erledigen sich auch nicht besser, wenn ich versuche, sie zwischen Zwiebel und Bratpfanne zu planen.

Die Ernährungswissenschaftlerin Stephanie Fromme zitiert in einem Artikel über das Essen und das Glück den britischen Koch und Autor Nigel Slater wie folgt: „Niemand muss kochen. Aber Sie verpassen eine der größten Freuden, die man tagsüber haben kann.“

Entspannen beim Kochen

Tatsächlich ist das Kochen eine vielfältige Tätigkeit. Es kann kreativ, herausfordernd oder auch meditativ sein. Für mich ist in letzter Zeit das Kochen von Brombeermarmelade zur abendlichen Entspannungsübung geworden. Im großen Topf wird unter meinem gleichmäßigen Rühren aus schwarzen Beeren und weißem Zucker nach und nach eine dunkelrote Masse. Nur das beständige Rühren verhindert, dass die heiße, rote Beerenzuckersuppe zu stark brodelt. Sie soll kochen, aber nicht brodeln.

Ich hoffe dennoch, dass die Brombeerzeit recht bald zu Ende gehen wird. Denn nicht nur ich genieße das abendliche Brombeermarmeladenkochen. Auch meine Kinder haben ihre Freude daran. Allerdings erst nach dem Kochen und Abfüllen der Marmelade. Dann machen sie sich ans Auskratzen des Brombeermarmeladentopfs. Und das ist bestimmt auf Dauer nicht gut für die Zähne.

Quelle:

www.ugb.de – Essen und Trinken: Glücksmomente nicht verpassen

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