Intelligenzverlust durch Überstunden

Neue Studie zeigt: Zu viel Arbeit ist auf Dauer ungesund. Wer regelmäßig Überstunden macht, läuft allerdings nicht nur Gefahr, unter Schlafmangel oder Kopfschmerzen zu leiden. Vielarbeiter setzen einer Studie zufolge auch ihre Intelligenz aufs Spiel.

Wer häufig Überstunden macht, setzt nicht nur seine Gesundheit, sondern auch seine Intelligenz aufs Spiel
Wer häufig Überstunden macht, setzt nicht nur seine Gesundheit, sondern auch seine Intelligenz aufs Spiel (Foto: Fabio Venni)

 

Mehrarbeit fördert Depressionsrisiko

Menschen, die ständig Überstunden leisten, verfügen über ein geringeres Vokabular, ihre messbare Intelligenz schwindet, die Werte von Herz und Blutdruck verschlechtern sich. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des Finnish Institute of Occupational Health. Der übertriebene Arbeitseinsatz wirkt sich noch nicht einmal positiv auf die Produktivität im Job aus. Im Gegenteil: Stress, Müdigkeit, Muskelverspannung und ungesunde Ernährung verringern die Konzentrationsfähigkeit. Die Folge sind mehr Fehler bei der Arbeit.

Wer zu viel arbeitet und zu wenig auf das eigene Wohlbefinden achtet, tut dem Arbeitgeber also keinen Gefallen. Eine Langzeitstudie unter 2000 Mitarbeitern britischer Behörden ergab zudem, dass tägliche Mehrarbeit das Risiko für Depressionen erhöht. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass regelmäßige Überstunden für mehr Stresshormone im Blut sorgen und damit das Depressionsrisiko steigern.

Viel Stress im Alltag

Zu viel Stress im Alltag und zu wenig Zeit zur Regeneration steigern das Depressionsrisiko
Zu viel Stress im Alltag und zu wenig Zeit zur Regeneration steigern das Depressionsrisiko (Foto: Frank Lindecke)

Ungesunder Dauerstress entsteht nicht nur im Beruf, sondern vor allen Dingen auch im Alltag. Die Techniker Krankenkasse gab eine repräsentative Befragung zum Thema Alltagsstress in Auftrag. Immerhin verursachen Stress und seine Folgen enorme Behandlungskosten für die Kassen.

Wichtigstes Ergebnis der Studie: 57 Prozent aller Befragten bezeichnen ihr Leben als stressig. In der Gruppe der 36- bis 45-Jährigen sind es sogar 80 Prozent, die unter Stress leiden. In dieser Altersgruppe, die als “Sandwichgeneration” bezeichnet wird, kommen zum Stress im Job noch die hohen Anforderungen der eigenen Familie. Denn häufig sind kleine Kinder zu versorgen, während gleichzeitig die eigenen Eltern altersbedingt intensiver betreut werden müssen.

Frauen sind gestresster als Männer

Nicht nur innerhalb dieser Sandwichgeneration, sondern durchweg stehen Frauen stärker unter Stress als Männer. Laut TK-Studie jedenfalls fühlen sich 63 Prozent aller befragten Frauen gestresst, während es 52 Prozent der Männer sind. Frauen benennen deutlich häufiger als Männer die Belastungen durch Haushalt und Kinderbetreuung als Stressfaktoren. Bei den Männern steht dagegen die Arbeit (52 Prozent) ganz oben auf der Liste der Stressverursacher. Viel weniger Einfluss auf den männlichen Stress haben die hohen Ansprüche an die eigene Person (35 Prozent). Dagegen betrachtet jede zweite Frau die hochgesteckten Ansprüche, die sie an sich selbst stellt, als großen Stressfaktor.

Lesetipp: Stress – Wenn der Job nicht mehr stoppt

Augen zu und durch

Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigen sich auch bei der Frage, wie dem Stress begegnet wird. Insgesamt hat die TK-Umfrage ergeben, dass die meisten Menschen die Zähne zusammenbeißen, und versuchen durchzuhalten. Es sind aber deutlich mehr Frauen, die nach der Devise “Augen zu und durch” vorgehen. 64 Prozent der Frauen schätzen ihr Verhalten so ein, während sich 54 Prozent der Männer als Durchhalter bezeichnen. Zudem neigen Frauen offenbar eher dazu, sich bei drohendem Stress zurückzuziehen, um der belastenden Situation aus dem Weg zu gehen. 20 Prozent der befragten Frauen und 14 Prozent der Männer versuchen auf die Weise, Stress zu vermeiden.

Das insgesamt beliebteste Mittel zur Entspannung ist die Bewegung an frischer Luft. Allerdings gibt es auch hier deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen: Einen Spaziergang oder Gartenarbeit geben 76 Prozent der Frauen als beliebteste Entspannungsmethode an. Bei Männern liegt der Anteil bei 64 Prozent. Viel lieber beschäftigen sich Männer zum Stressabbau mit ihrem Hobby (75 Prozent).

Arbeit macht auch Spaß

Macht unter Umständen sogar Spaß: Überstunden schieben in der Schokoladenfabrik
Macht unter Umständen sogar Spaß: Überstunden schieben in der Schokoladenfabrik
(Foto: Kate Ter Haar)

Den Zusammenhang zwischen Stress und Überstunden erkennt auch die TK-Studie. Bei der Befragung kam außerdem heraus, dass der Stress offenbar mit zunehmender Bildung und besser bezahltem Job zunimmt. Gleichzeitig macht den meisten Menschen ihre Arbeit aber auch Spaß. 71 Prozent aller Befragten äußerten sich dementsprechend. Auch hier liegen die Frauen weit vor den Männern. 78 Prozent der Frauen und 66 Prozent der Männer haben Spaß im Beruf.

Eine Erklärung für den scheinbaren Widerspruch könnte darin liegen, dass Stress durchaus seine guten Seiten hat. Sogenannter positiver Stress kann motivierend wirken, zu besserer Leistung anspornen und dadurch sogar glücklich machen. Entscheidend ist allerdings, dass der Druck kein Dauerzustand ist, sondern durch ruhige Phasen ausgeglichen wird. Zu viele Überstunden sollte man demzufolge nicht nur zur Schonung der Intelligenz vermeiden, sondern vor allen Dingen, um im seelischen Gleichgewicht zu bleiben.

Quellenangaben:

1 Kommentar

  1. Interessante Studie, ich denke es ist auf jeden Fall sehr wichtig, dass die Work-Life-Balance ausgeglichen ist und man sich genug Erholung vom Arbeitsalltag gönnt. Glück hat natürlich wer sein Hobby zum Beruf gemacht hat.

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