Druckluft-Autos: Nur Nischenprodukte für den Stadtverkehr?

Sie sind nicht nur energiesparend, sondern auch äußerst platzsparend. Allerdings sind sie nicht die schnellsten – auch wenn sie äußerlich wie flotte Käfer aussehen.

 

Druckluftantriebe sind bereits in der Vergangenheit für diverse Nischenanwendungen realisiert worden, zum Beispiel für Gruben-Lokomotiven und Straßenbahnen. Das allererste Auto wurde schon im Jahr 1838 entwickelt und in Paris vorgestellt. Dass sich diese Betriebsart längerfristig nicht durchsetzen konnte, soll an diversen Effizienz-Nachteilen liegen. Das sie grundsätzlich funktioniert, ist jedoch unumstritten.

Der AirPod 1.0

Das erste Auto mit Luftdruck-Antrieb sollte in Sardinien mit der Bezeichnung „AirPod“ in Serie gehen. Es wurde Anfang der 1990er Jahre von Guy Nègre, einem ehemaligen Formel-1 Konstrukteur, und dem luxemburgischen Unternehmen MDI (Motor Developement International) entwickelt, bietet Platz für drei bis vier Personen und wird mir zirka 7.500 Euro Kaufpreis veranschlagt. Mit maximal achzig Stundenkilometern ist man im Stadtgebiet ausreichend schnell unterwegs. Für Schnellstraßen und Autobahnen ist es jedoch nicht geeignet. Mit seinen drei Rädern, der rundlichen Form und der lustigen Optik erinnert der Prototyp an alte Minicooper und VW-Käfer. Es wirkt fast mehr hoch als breit, ist nur 213 Zentimeter lang und 275 Kilogramm schwer. Die runden Fensterausschnitte wecken Assoziationen mit einem Marienkäfer. Seitlich sind keine Türen zu sehen. Stattdessen gibt es eine Einstiegsklappe vorne und eine Heckklappe hinten. Die Leichtbau-Karosserie besteht aus korrosionsfreiem Polyesterharz mit Glasfasern. Der Zweizylinder-Motor mit sieben Kilowatt ist ein Gas-Expansionsmotor, wobei Speiseöl als Schmierstoff verwendet wird. Die Steuerung erfolgt mit einem Joystick und mit einem Dreigang-Getriebe.

Druckluft ist sauber, aber um sie herzustellen, muss Energie aufgewendet werden. Das Laden mit normalem Haushaltsstrom ist möglich, dauert aber sieben Stunden – während das Tanken an speziellen Druckluft-Ladestationen nur drei Minuten dauert. Die Druckluft wird mit 300 bar in einem Tank im Fahrzeug gespeichert. Dieser umfasst vier ummantelte Druckluftflaschen mit einem Gesamtvolumen von 300 Litern. Die Reichweite des Fahrzeuges beträgt zirka 120 Kilometer. Es gibt auch eine Version mit vier Kilowatt, die mit einem Motorradführerschein gelenkt werden darf. Sie hat ebenfalls 120 Kilometer Reichweite, erzielt aber maximal 45 km in der Stunde. Die Spritkosten sollen 0,50 bis 1,50 Euro pro 100 Kilometer betragen.

 

Druckluft kann an Tankstellen getankt werden. Foto (C) Aranami / flickr
Druckluft kann an Tankstellen getankt werden. Foto (C) Aranami / flickr

 

Der AirPod 2.0

Auf der Internet-Seite von MDI werden neben dem AirPod 1.0 und dem AirPod 2.0 weitere Fahrzeugtypen vorgestellt, darunter auch futuristisch aussehende Fahrräder, Hubstapler und Boote. Der AirPod 2.0 sieht 1.0-Modell sehr ähnlich, hat aber keine Rundfenster.

 

Die Schweizer Firma Catecar SA

wollte eine Exklusiv-Lizenz erwerben, hat das Projekt jedoch begraben. MDI blieb angeblich die Übermittlung der Technologie schuldig, um die Produktion in Betrieb nehmen zu können. MDI wiederum wirft den Lizenznehmern vor, den Preis nicht bezahlt zu haben. Es wird gemunkelt, dass unabhängige Prüfungen fehlen. Die Reichweite und Geschwindigkeit würden deutlich geringer ausfallen als angegeben.

 

Tata OneCAT von TATA Motos

Die TATA Gruppe ist ein riesiges Unternehmen mit Niederlassungen in 54 Ländern und einem Gesamtumsatz von rund 22 Milliarden Dollar. TATA Motors hat 2007 eine Exklusiv-Lizenz erworben, die auf den indischen Raum beschränkt ist, und arbeitet gemeinsam mit MDI an der Serienreife. Im Jahr 2008 wurde ein Prototyp mit der Bezeichnung „Tata OneCAT“ angekündigt, jedoch 2009 vorläufig auf Eis gelegt. Es handelt sich um ein Hybrid-Fahrzeug, das zusätzlich einen Verbrennungsmotor besitzt. Bei Hybrid-Autos sind mindestens zwei verschiedene Antriebssysteme in einem Fahrzeug vereint. Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen, denn es wurde später wieder aufgegriffen und fortgeführt. Als Spitzengeschwindigkeit werden 70 bis 80 km/h versprochen. Die Serienreife wurde immer wieder angekündigt und verschoben, zuletzt im Jahr 2015. Die Entwicklungen scheinen jedoch gut voranzukommen, denn neuesten Meldungen zufolge soll es im Jahr 2020 endlich so weit sein.

 

Ausblick

Laut einer News-Meldung vom 4. August 2017 auf der Seite von MDI gibt es ein neues Projekt mit einer Investorengruppe in Addis Abeba (Äthiopien), wo die erste afrikanische Fabrik ins Leben gerufen werden soll.

Im Jahr 2016 wurde MDI als führendes Unternehmen in Sachen nachhaltiger Transport von der UNO anerkannt und für das Programm „Powering the Future We Want“ ausgewählt.

Die Chancen, dass am Ende zumindest eine Mischung aus Moped und Mini-Cooper auf den Markt kommt, scheinen recht gut zu stehen. Somit wäre eine wichtige Lücke auf dem Fahrzeugmarkt geschlossen, denn die meisten Menschen wohnen in Städten und nicht jeder benötigt ein Auto für Fernreisen.

 

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Irmgard Brottrager
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Irmgard Brottrager ist Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur, Fachredakteurin und Fengshuiberaterin in Graz. Sie beschäftigt sich vorzugsweise mit Aufgaben, die mit dem Menschen und seinem Umfeld zu tun haben. Irmgard erreicht ihr unter i.brottrager@everyday-feng-shui.de

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