Mehr Platz in der Wohnung – nicht nur die CD verschwindet

In unseren Wohnungen werden wir bald viel mehr Platz haben. Nicht nur die CD ist schon dabei, langsam zu verschwinden. Selbst wenn physische Datenträger vielleicht nicht gänzlich Online-Angeboten weichen, benötigen Daten in digitaler Form so gut wie keinen Platz. Das wird die Art, wie wir unsere Wohnungen einrichten, nachhaltig verändern.

Leere CD-Hülle - wer vermisst die CD?
Leere CD-Hülle – wer vermisst die CD? | Foto: Redaktion

 

Als ich vor einigen Jahren in meine Wohnung einzog, bedauerte ich, dass sie nicht ein wenig größer ist. Mehr Platz kann man schließlich immer gebrauchen – schon weil sich im Laufe der Zeit vieles ansammelt, von dem man sich nicht trennen möchte. Doch es verändert sich gerade etwas, ich habe sogar schon über den Umzug in eine kleinere Wohnung nachgedacht.

Der Grund dafür ist die Digitalisierung sämtlicher Medieninhalte von der Tageszeitung über Fotos und Bücher bis zu Videos und natürlich Musik. Zum 30. Geburtstag der CD gab es kürzlich eine Umfrage des Hightech-Verbands BITKOM, durchgeführt von Goldmedia. Befragt wurden zwar ausschließlich Internetnutzer im Alter zwischen 15 und 64 Jahren, aber wie wenig die Teilnehmer aus dieser Gruppe an der CD hängen, ist dennoch erstaunlich.

Wer würde die CD vermissen?

Mit 51 Prozent eine äußerst knappe Mehrheit würde die CD vermissen. Bei den Befragten bis 24 Jahren sind es nur 39 Prozent, bei den Personen ab 45 Jahren auch nur 57 Prozent. „Das Musikangebot im Web ist unbegrenzt sowie überall und sofort verfügbar. Die CD hat es in diesem Umfeld immer schwerer“, erklärt BITKOM-Experte Michael Schidlack. So wie bei Fotoalben und Filmarchiven verlagern immer mehr Menschen Musiksammlungen ins Netz.

Neben Angeboten, bei denen zuvor gekaufte Lieder hochgeladen und dann per Streaming auf vielen verschiedenen Geräten zur Verfügung stehen, bieten inzwischen auch in Deutschland reine Streaming-Anbieter wie simfy, Spotify, Napster, Deezer und beispielsweise Rdio ihre Dienste an. Gegen eine geringe monatliche Gebühr (üblich sind rund 5 Euro für den Zugriff via PC und etwa 10 Euro für die zusätzliche Nutzung auf Geräten wie Smartphones und Tablet-Computern) kann man aus mehreren Millionen Songs auswählen und so viel Musik hören wie man möchte.

Streaming löst die CD ab

Anstatt die Musik zu kaufen, zahlt man für ein zeitlich begrenztes Nutzungsrecht, hat dafür aber die ganz große Auswahl. Das ermuntert dazu, über die eigenen Geschmacksgrenzen hinauszugehen und Neues auszuprobieren, was man sich im Laden nicht gekauft hätte. Zudem spielt der Massengeschmack für die eigene Versorgung mit Musik damit kaum noch eine Rolle. Schidlack: „Das Streaming wird den Musikmarkt ebenso revolutionieren, wie es vor 30 Jahren die CD getan hat.“

Wer Musik stattdessen kauft, braucht dennoch keine Regale oder Kisten für eine Musiksammlung. Festplatten, die nicht größer als eine Scheibe Toast sind, bieten heute ausreichend Platz für eine komplette Musiksammlung. Hochauflösende Audio-Formate wie FLAC und AIFF benötigen zwar mehr Speicherplatz als MP3-Dateien, können dafür aber sogar CDs bei der Klangqualität übertreffen.

Kein Abschied von heute auf morgen

So gut wie niemand von uns wird von einem Tag auf den anderen alle seine CDs, Schallplatten, Bücher, Zeitschriften, Videokassetten, DVDs, Blu-rays, Fotoalben etc. entsorgen, weil er beschließt, sich von diesen physischen Dingen unabhängig zu machen. Und den Lebensstil des „digitalen Minimalismus“ will ich auch nicht propagieren, wenngleich daran deutlich wird, dass man nicht viel besitzen muss, um ein angenehmes und komfortables Leben zu führen.

Aber seht Euch einmal in Eurer Wohnung um, und denkt Euch all die oben genannten Dinge, nicht nur Eure CD-Sammlung, für einen Moment weg! Geht in jeden Raum und überlegt, wie sich der Abschied von sämtlichen physischen Datenträgern (von ein paar Festplatten oder ähnlichen kleinen digitalen Speichern abgesehen) auswirken würde! Bei mir sähe es dann zum Teil ziemlich leer aus. Und ich weiß noch nicht, womit (oder ob überhaupt!) ich diese Lücken füllen würde. Besonders die ganzen gelesenen Bücher würde ich erst einmal vermissen, wenn sie plötzlich nicht mehr hier wären.

Aber so etwas geht vorbei, das hält den Fortschritt nicht auf. So sehr ich an diesen materiellen Dingen hänge, so sehe ich doch die Chance, mich von einer Last zu befreien, mehr Raum zum Leben zu haben.

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