Mit Fehlern leben: Über die Kunst des Scheiterns

Irren ist menschlich, und aus Fehlern wird man klug. Ganz so simpel ist die Sache mit dem Fehltritt aber allzu oft wohl doch nicht. In unserer Gesellschaft jedenfalls gilt das Scheitern schlichtweg als Versagen. Dabei schlummert in jedem Misserfolg die Chance auf Erneuerung.

Aufstehen und Weitermachen: Was in jungen Jahren noch selbstverständlich erscheint, wird mit zunehmendem Alter oftmals als problematisch angesehen - zu Unrecht! Aufstehen und Weitermachen: Was in jungen Jahren noch selbstverständlich erscheint, wird mit zunehmendem Alter oftmals als problematisch angesehen – zu Unrecht! (Foto: Ludovic Bertron)

Einen Fehler als wichtige Erfahrung zu betrachten, aus der sich viel Gutes für die Zukunft ableiten lässt, fällt vielen Menschen schwer. Wer etwas falsch macht, hat oftmals Probleme, sich den Fehltritt zu verzeihen. Öffentliche Häme scheint in unserer Gesellschaft üblich zu sein, wenn Prominente einen Fehler begehen. Sie werden regelrecht vom Sockel gestoßen und fallen entsprechend tief. Öffentliches Mitgefühl ist dann kaum wahrzunehmen.

Fehler sind tabu

Fehler gilt es, tunlichst zu vermeiden. Sie sind hierzulande gesellschaftlich unerwünscht. Der Wirtschaftspsychologe Dr. Michael Frese erforscht seit vielen Jahren die kulturellen Unterschiede im Umgang mit Fehlern. Auf seiner Rangliste der Fehlertoleranz schneidet Deutschland ziemlich schlecht ab. Noch mehr Probleme bei der Akzeptanz von Fehlern gibt es nur in Singapur. Dort sind Fehltritte absolut tabu.

Für Wirtschaftsunternehmen ist eine besonders geringe Fehlertoleranz zunächst einmal positiv, da schon präventiv nach Möglichkeit alle Fehlerquellen ausgeschaltet werden. Was produziert wird, dürfte demnach von guter Qualität sein. “Made in Germany“ zeugte über Jahrzehnte davon. Aber hundertprozentig klappt das Fehlervermeiden eben doch nicht. Läuft in einer ansonsten sehr korrekten Umgebung etwas schief, tritt schnell die Angst auf den Plan. Niemand möchte sein Gesicht oder gar den Job verlieren. Die Angst sorgt dafür, dass nicht rechtzeitig und nicht ausreichend über Fehler gesprochen wird.

Fehltritt auch mal abhaken

Fehler zuzugeben, ist aber ganz wichtig. Das gilt nicht nur für Unternehmen, sondern für jeden Einzelnen. Gern werden Fehler spontan geleugnet, verdrängt oder zu eigenen Gunsten uminterpretiert. Ist etwas schiefgelaufen, darf man aber durchaus dazu stehen und einen genauen Blick auf den Fehler werfen. Nur so kann man ihn einschätzen, etwas aus ihm lernen oder auch die Sache einfach abhaken.

Vielleicht muss nicht jede kleine Fehlentscheidung herhalten, um daraus klug zu werden. Es ist durchaus sinnvoll, aus Fehlern eine Lehre für die Zukunft zu ziehen. Es ist aber auch gut, wenn das einmal nicht gelingt. Ein zu großer Erwartungsdruck erhöht die Angst, etwas falsch zu machen, enorm. Aus Angst vor dem Scheitern lassen potenzielle Existenzgründer hierzulande viel öfter die Finger von ihrem Vorhaben als in anderen Ländern.

Wertewandel bei Existenzgründungen

Immerhin scheint sich in der Gründerszene ein Wertewandel anzudeuten. Das Scheitern mit dem eigenen Geschäftsmodell gilt nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) immer weniger als Makel. Schon gibt es Veranstaltungen, bei denen Gründerinnen und Gründer öffentlich über ihre gescheiterten Ideen sprechen. Solche Gelegenheiten sind aber noch selten.

Fehler bedrohen besonders in individualistisch geprägten Gesellschaften wie auch in vielen Wirtschaftsunternehmen direkt das Selbstwertgefühl. Wer keinen Erfolg hat, gilt als Versager. Da ist der persönliche Umgang mit dem Fehler sehr wichtig. Drehen sich die Gedanken immer wieder um das schlechte Ereignis, droht die Grübel-Falle zuzuschlagen, aus der es kaum ein Entrinnen gibt. Wer dagegen in der Lage ist, die negativen Gedanken wieder abzuschalten, ist besser dran. Der Kopf wird frei für andere, positive Gedanken. So wird ein Aufrichten wie beim Stehaufmännchen möglich, das einmal den tiefsten Punkt erreicht, um sich dann Schritt für Schritt wieder in der Senkrechten einzupendeln.

Quellen:

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Susanne Raven
Über Susanne Raven 116 Artikel
Susanne ist freie Autorin und als Feng Shui Enthusiastin seit 2007 Betreiberin von Everyday Feng Shui. Die gelernte Logopädin hat sich zum Ziel gesetzt, traditionelles Feng Shui im deutschsprachigen Raum populärer zu machen. Susanne erreicht ihr unter info@everyday-feng-shui.de

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