Nachhaltig ausmisten ohne Jo-Jo-Effekt

Entrümpelungs-Aktionen verleiten dazu, das Aussortierte schnell wieder zu ersetzen. Achtloses Wegwerfen – womöglich ohne Mülltrennung – kann keine Lösung sein!

Marie Kondo, Foto: RISE / flickr CC BY 2.0
Marie Kondo, Foto: RISE / flickr CC BY 2.0

Der Jo-Jo-Effekt beim Ausmisten

Reduktion hat zweifellos viele Vorteile, führt aber oft dazu, dass der freie Raum, der entsteht, bald wieder vollgeräumt wird mit allerlei Dingen. Als Jo-Jo-Effekt bezeichnet man die rasche Gewichtszunahme nach einer Abmagerungskur. Ähnliches passiert sehr oft nach einer Entrümpelung. Man glaubt, nun ohnehin wieder genug Platz zu haben und kauft mehr ein denn je. Man könnte fast meinen, dass alle Ausmist-Appelle nur dazu dienen, die Wirtschaft anzukurbeln.

Nichts gegen Marie Kondo

Die Ordnungs- und Ausmist-Tipps der berühmten Japanerin Marie Kondo sind in eine weltweite Marie-Kondo-Bewegung ausgeartet. Unzählige Menschen orientieren sich an ihren Ratschlägen und werfen alle ihre Klamotten auf einen Haufen, um sie Stück für Stück zu hinterfragen. Allerdings hört man selten etwas darüber, was mit den ausrangierten Textilien passiert. Minimalistisch, clean und aufgeräumt sieht alles besser aus, ohne Zweifel. Aber bei den Vorher-Nachher-Bildern fällt auf, dass nicht nur Ordnung gemacht wurde, sondern viele Dinge verschwunden sind. Wohin wohl? Vielleicht unter dem Teppich? Oder gar im Restmüll-Container?

Wir sind eine verheerende Wegwerfgesellschaft

Leider ist Nachhaltigkeit für die meisten Menschen noch immer ein Fremdwort. Ein Blick auf die regelmäßig überquellenen Mülltonnen sagt alles. Es wird eingekauft und wegeworfen, so als ob wir einfach auf andere Planeten auswandern könnten, wenn der Erdball leergeräumt ist. Es ist so ähnlich wie mit dem Tierleid. Wir bekommen nicht mit, wie Fleisch entsteht und wie Abfall entsorgt wird. „Aus den Augen, aus dem Sinn.“ Daher müsste man die Müllberge und den Entsorgungsaufwand viel transparenter machen, um ein Bewusstsein für unsere Hinterlassenschaften zu schaffen. Außerdem wäre es sinnvoll, die Müllmengen mengenmäßig zu kontrollieren, die pro Haushalt anfallen, und die Kosten entsprechend zu staffeln. Derzeit zahlt jemand, der seine Mülltonnen fast leer lässt, gleich viel wie jemand, der nicht nur die eigenen Tonnen überfüllt, sondern auch noch beim Nachbarn was hineinwirft.

Räumungsaktionen wie im Textilhandel

Gerade bei groß angelegten Entrümpelungsaktionen ist man mit den entstehenden Abfallbergen oft überfordert. Das Begutachten, Entscheiden und Aussortieren kann derart anstrengend sein, dass keine Energie übrig bleibt, um darüber nachzudenken, was mit den ausrangierten Stücken geschehen soll. Im Textilhandel gibt es mindestens viermal im Jahr einen Räumungsverkauf. Das bedeutet, dass bereits mehrere Wochen vor Einlangen der nächsten Saisonware mit dem Räumen der alten Saisonware begonnen wird. Dieses Prinzip könnte man auch im Privathaushalt übernehmen. Während sich nun der Winter zu Ende neigt und überall Schlussverkauf ist, dürfen auch private Klamotten feilgeboten werden.

Schluss mit einseitigen Anleitungen zum Wegwerfen!

Ausmisten ist wichtig, denn ohne Revisionen ist keine Erneuerung möglich. Besonders für übergewichtige Menschen ist es wichtig, nicht nur körperlich, sondern auch räumlich Ballast abzuwerfen. Aber was kommt nach dem Aussortieren? Hoffentlich auch Wiederverwendung und Weiterverwertung! Entrümpelungen machen ökologisch nur Sinn, wenn in Summe weniger gekauft und weggeworfen wird. Die Mülltonne sollte immer die allerletzte Option sein. Nachfolgen eine Reihe von Anregungen, was mit den Überresten geschehen kann:

A) Verkaufen

  • Kleiderkreisel
  • Privater oder öffentlicher Flohmarkt
  • Ebay Kleinanzeigen
  • Willhaben
  • Secondhandläden
  • Antiquitätenläden
  • Im Bekanntenkreis

B) Verschenken oder Spenden

  • Internet-Schenkgruppen, zum Beispiel bei Facebook
  • Willhaben, Rubrik „Zu verschenken“
  • Nachbarschaftsnetzwerke, Zum Beispiel „Nebenan.de“
  • Caritas-Shop, „Carla“
  • Vor die Tür stellen
  • Freunde und Verwandte, Mitbringsel
  • Einen Karton in den Hausflur stellen zur freien Entnahme
  • Neben die Mülltonnen stellen mit einer Hinweistafel „zu verschenken“
  • Verlosungen in den Sozialen Netzwerken
  • Kleiderboxen neben der Straße
  • Teilnahme an öffentlichen Spendenaktionen
  • Schüler und Studenten freuen sich meistens über nützbare Dinge, die ihnen helfen, beim Taschengeld zu sparen
  • Öffentliche Bücherboxen und Bücherschränke
  • Öffentliche Kühlschränke, „Fair-Teiler“
  • Foodsharing
  • Kundengeschenke

C) Tauschen

  • Öffentliche Tauschkreise, z.B. Samentausch, Kleidertausch
  • Private Tauschveranstaltungen (zum Beispiel einmal pro Jahr)
  • gelegentlich mit Freunden oder Nachbarn

D) Weiter verwenden oder Recyclen

Die aussortierten Sachen als Rohstoffe betrachten für neue Projekte, Bastelarbeiten und Kunstwerke. Eine entsprechenden Lagerbestand anlegen.

E) Abändern oder Reparieren

  • Es gibt viele Möglichkeiten, Altkleider und selten getragene Textilien umzuschneidern.
  • Reparaturcafés
  • Beim Schreiner, Tischler, Mechaniker oder Schuster reparieren lassen

F) Upcycling

Aufwerten, Verschönern, Verbessern oder Ergänzen: Irgendwas geht fast immer noch, ehe die Dinge wirklich ausgedient haben und zerfallen.

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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Geomantie.Netzwerk Graz + Umgebung

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Irmgard Brottrager
Über Irmgard Brottrager 750 Artikel
Irmgard Brottrager ist Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur, Fachredakteurin und Fengshuiberaterin in Graz. Sie beschäftigt sich vorzugsweise mit Aufgaben, die mit dem Menschen und seinem Umfeld zu tun haben. Irmgard erreicht ihr unter i.brottrager@everyday-feng-shui.de

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