Neue Studie zeigt: Der Stress lauert zu Hause

Anstrengende Kollegen, ein lautes Großraumbüro, viel zu viele unerledigte Aufgaben: Der Alltag im Büro kann zu erheblichem Stress führen. Nun legt eine Studie nahe, dass es für viele Menschen auch zu Hause keine Entspannung gibt. Der Stress dort kann sogar größer sein als die Belastung im Job.

Immer mehr Menschen leiden unter Stress. Besonders problematisch dabei ist, dass es uns immer weniger gelingt, diesen Stress wieder abzubauen.
Immer mehr Menschen leiden unter Stress. Besonders problematisch dabei ist, dass es uns immer weniger gelingt, diesen Stress wieder abzubauen (Foto: Evil Erin)

Die Untersuchung der Forscher aus Pennsylvania brachte Erstaunliches zutage. Demnach sorgt bei vielen Menschen offenbar nicht in erster Linie der anstrengende Job für Stress, sondern vielmehr das Privatleben. Dieses Phänomen betrifft sowohl Männer als auch Frauen. Es ließen sich in der Untersuchung auch keine Unterschiede je nach Bildungsgrad oder Art der Beschäftigung feststellen. Zudem zeigte es sich, dass auch Eltern zu Hause entspannter waren als bei der Arbeit.

Die Wissenschaftler der Pennsylvania State University entnahmen ihren 122 berufstätigen Probanden über mehrere Tage mehrmals täglich Speichelproben. Darin maßen die Forscher den Gehalt an Cortisol. Das Hormon gilt als Stresshormon, weil der Körper es vor allen Dingen in Stresssituationen ausschüttet. Im Ergebnis zeigte sich, dass sich bei den meisten Versuchspersonen nicht etwa tagsüber während der Arbeit, sondern anschließend zu Hause besonders viel Cortisol im Speichel befand.

Frauen bei der Arbeit zufriedener als zu Hause

Beruf und Familie: Frauen sind häufiger als Männer einer Doppelbelastung ausgesetzt
Beruf und Familie: Frauen sind häufiger als Männer einer Doppelbelastung ausgesetzt
(Foto: Nina Hale)

Die gemessenen Werte lassen also darauf schließen, dass Männer und Frauen gleichermaßen weniger Stress zu Hause als bei der Arbeit haben. Die Empfindung wird aber offenbar noch von anderen Dingen als nur vom Stresshormon Cortisol beeinflusst. Die Forscher der Pennsylvania State University befragten ihre Probanden im Rahmen der Untersuchung nämlich auch zu ihrer Gefühlslage. Dabei gaben Männer häufiger an, zu Hause glücklicher zu sein, während Frauen eher bei der Arbeit zufrieden waren.

An der Studie dürfte sicherlich Kritik erlaubt sein, da sie nur 122 Teilnehmer hatte. Andererseits erscheinen die Ergebnisse nicht abwegig, sondern im Gegenteil gut nachvollziehbar. Gerade berufstätige Mütter dürften das unangenehme Gefühl kennen, das sich breitmacht, wenn nach der Arbeit Einkauf, Kinderbetreuung, Putzen, Kochen, Aufräumen und vielleicht sogar noch eine private Verabredung warten. Alles unter einen Hut zu bekommen, ist eine tägliche Herausforderung – die allerdings allzu oft nicht honoriert wird. Auch dürften Konflikte im Familienkreis oft mehr Stress verursachen als der Ärger mit den Kollegen im Job.

Interview mit Entspannungstrainerin Sonja Hüls

Work-Life-Balance neu formulieren

Ist an der Studie etwas dran, dann dürfte die Empfehlung zum Stressabbau künftig nicht mehr heißen, weniger zu arbeiten und mehr Zeit zu Hause zu verbringen. Vielleicht verliert auch das Schlagwort von der Work-Life-Balance an Bedeutung. Denn im Mittelpunkt der Stressbetrachtung stünde nicht mehr der anstrengende Job. Es ginge dann nicht mehr nur darum, die Zeiten von Arbeit und Privatleben in Einklang zu bringen. Vielmehr müsste es gelingen, eine Balance zwischen den Zeiten mit Stressbelastung und denen mit Stressabbau zu finden. Vielleicht ist dazu über den Tag verteilt ein mehrfacher Wechsel zwischen Arbeit und Privatleben hilfreich. Vielleicht empfiehlt es sich auch, kleine sportliche Programme in den Tagesablauf zu integrieren. Denn der Stress – ob er nun bei der Arbeit oder im Privaten entstanden ist – lässt sich sehr effektiv mit Bewegung an frischer Luft abbauen.

Quelle:

www.berliner-zeitung.de – Privatleben stresst uns mehr als der Job

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