Reparieren statt Wegwerfen: Reparaturcafés als Alternative

Wenn der Wasserkocher kaputt ist, landet er üblicherweise im Müll. Ob Lampenschirm, Bügeleisen oder Computer – eine Reparatur kommt heutzutage kaum noch infrage. Doch immer mehr Reparaturcafés zeigen, dass es eine echte Alternative zum Wegwerfen gibt. Laien treffen hier auf Fachleute, die ihr Wissen ehrenamtlich teilen.

Reparieren statt Wegwerfen schont nicht nur den Geldbeutel, sondern vo allem die Umwelt
Reparieren statt Wegwerfen schont nicht nur den Geldbeutel, sondern vo allem die Umwelt
(Foto: 24oranges.nl)

Bei technischen Geräten verhält es sich kaum anders als bei Textilien oder Möbelstücken: Geht etwas kaputt, rät der Fachhandel zum Neukauf, eine Reparatur wird kaum noch angeboten. Eine einfache Rechnung erklärt schnell den Hintergrund der Ex-und-hopp-Mentalität. Oft wäre das Reparieren teurer als eine Neuanschaffung. Für viele ältere technische Geräte wird im Fachhandel überhaupt keine Reparatur mehr angeboten. Einen Schuhmacher, Schmied, Schneider, Tischler, Glaser oder Polsterer sucht man in vielen Orten vergebens. Ein Einkaufscenter dagegen ist fast überall zu finden.

Reparaturcafés setzen der Wegwerfgesellschaft etwas entgegen. Sie schaffen Räume, in denen alte Geräte repariert, Kleider ausgebessert, Taschen genäht oder Möbel wieder hergerichtet werden können. In vielen Städten gibt es bereits solche Orte, an denen in lockerer Atmosphäre bei einer Tasse Kaffee oder Tee Kaputtes wieder einsatzbereit gemacht wird. Fachleute helfen hier ehrenamtlich all jenen Menschen, die zwar gern reparieren möchten, denen aber die nötigen Kenntnisse oder auch Werkzeuge fehlen. Für das Nutzen des Reparaturcafés wird zumeist lediglich eine Spende erbeten.

Fachlicher Beistand bei der Reparatur eines kaputten Plattenspielers in einem "Repair Cafe"
Fachlicher Beistand bei der Reparatur eines kaputten Plattenspielers in einem „Repair Cafe“
(Foto: CalgaryProtospace)

Was in ein Reparaturcafé gebracht wird, ist nicht unbedingt alt. Oft sind es Geräte oder andere Gegenstände, für die die Herstellergarantie gerade erst abgelaufen ist. Treten die Defekte bald nach Ablauf der Garantie auf, liegt die Vermutung nahe, dass der Verschleiß innerhalb einer bestimmten Zeitspanne vom Hersteller gewollt ist. Es wird dann von einer geplanten Obsoleszenz gesprochen. Firmen weisen diese Vermutungen naturgemäß zurück, doch aus der Welt geräumt sind sie dadurch nicht. So kam vergangenes Jahr eine von den Grünen in Auftrag gegebene Untersuchung zu dem Ergebnis, dass es offenbar durchaus das Phänomen der geplanten Obsoleszenz gibt.

Kaufen für die Müllhalde – Geplante Obsoleszenz

Wer selbst ein Produkt gekauft hat, das just nach Ablauf der Garantiezeit kaputtgegangen ist, kann diesen „Murks“ hier melden: http://www.murks-nein-danke.de/murksmelden/murksmelden/. Die Plattform „Murks? Nein danke!“ sammelt und veröffentlicht Angaben über Dinge, bei denen geplanter Verschleiß vermutet wird. Die Verbraucherinitiative setzt sich auch darüber hinaus für eine nachhaltige Produktqualität ein und wurde im vergangenen Jahr vom Nachhaltigkeitsrat ausgezeichnet. Geht ein Produkt nach der Garantiezeit kaputt, wird es in der Regel – wenn nicht ein Reparaturcafé aufgesucht wird – durch eine Neuanschaffung ersetzt. Das ist gut für die Hersteller, deren Umsatz dadurch steigt, und ärgerlich für die Verbraucher, die das zusätzliche Geld ausgeben. Darüber hinaus aber trägt diese Verhaltensweise dazu bei, dass die weltweiten Müllberge immer weiter anwachsen.

Nicht nur der möglicherweise vom Hersteller eingeplante oder sogar eingebaute Verschleiß fördert das Müllwachstum. Hinzu kommt allzu oft eine Bauweise, die Reparaturen weitgehend verhindert. Wer heute defekte Geräte reparieren möchte, kommt oft nicht weiter, wenn etwa Teile nicht zu öffnen, fest verklebt oder verschweißt sind. Dann lässt sich zum Beispiel ein Gehäuse erst gar nicht öffnen oder ein Akku nicht entnehmen. In diesem Sinne fordert auch die Initiative „Murks? Nein danke“, dass Produkte einfach reparierbar sein sollen. Wirklichkeit ist das aber längst noch nicht. Es lohnt sich daher, bereits beim Kauf darauf zu achten, ob sich am Produkt im Zweifel Schrauben lösen lassen, ob es vor Ort Ersatzteile oder sogar einen Reparaturservice gibt und wie die Garantieleistungen und Rücknahmeangebote aussehen.

www.everyday-feng-shui.de
 

Quellen:

www.sueddeutsche.de – Schrauben gegen das System
repaircafe.org – Was ist ein Repair Café?

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