Review: Das 5. Internationale Symposium zum Thema KanYu (Feng Shui) und Architektur in Berlin

Vom 9. bis 11. November 2010 fand an der Humboldt Universität Berlin das 5. Internationale Symposium zum Thema KanYu (Feng Shui) und Architektur statt. Teilnehmer und Organisatoren werten die Veranstaltung als Erfolg und waren sich einig darin, dass KanYu neue Perspektiven für die moderne Architekturplanung und nachhaltiges Bauen eröffnet.

Teilnehmer des 5. Internationale Symposium zum Thema KanYu und Architektur in Berlin, v.l.n.r. Gyda Anders, Prof. Reiter, Howard Choy
Teilnehmer des 5. Internationale Symposium zum Thema KanYu und Architektur in Berlin, v.l.n.r. Gyda Anders, Prof. Reiter, Howard Choy (Bildquelle: www.arqitektur.com)

Eigentlich haben wir uns darüber ganz schön geärgert: Da findet vom 9.-11. November 2010 eine der hochkarätigsten Feng-Shui-Veranstaltungen des Jahres statt – und zwar nicht irgendwo, sondern in unserer geliebten Heimatstadt Berlin – und wir haben es einfach nicht mitbekommen. Die Rede ist vom 5. Internationalen Symposium zum Thema KanYu (Feng Shui) und Architektur. Gastgeber war das Seminar für Sinologie an der Humboldt Universität Berlin unter der Leitung von Prof. F. C. Reiter. Gefördert wurde das Symposium durch die Gerda Henkel Stiftung.

Uns ist nicht bekannt, ob die Veranstaltung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden sollte oder die Organisatoren es einfach nicht für nötig befunden haben, wenigstens ein klein wenig Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben. Wir haben jedenfalls im Vorfeld der Veranstaltung nirgends eine Ankündigung gefunden und eines ist gewiss: Unser kleines Redaktionsteam durchkämmt täglich intensiv das Internet auf der Suche nach geeigneten Themen für unsere Feng Shui News. Eine Terminveröffentlichung dieses Kalibers wäre uns niemals durch die Lappen gegangen. Oder hätten wir etwa täglich am schwarzen Brett des Instituts für Asien- und Afrika-Wissenschaften der HU vorbei schauen sollen?

Planen und Bauen im Einklang mit den Ortsgegebenheiten

Gruppenfoto von den Teilnehmern des 5. KanYu-Symposiums in Berlin
Gruppenfoto von den Teilnehmern des 5. KanYu-Symposiums (Bildquelle: howardchoy.wordpress.com)

Doch worum ging es beim Symposium? 15 Experten ihres Faches aus neun Ländern, darunter Spezialisten für Architektur-, Stadtplanung, Sinologie, Soziologie und natürlich KanYu (= der alt-chinesische Begriff für Feng Shui) trafen sich zu einem Erfahrungsaustausch, bei dem es insbesondere um die Perspektiven und Möglichkeiten der klassisch-chinesischen Sicht- und Herangehensweise an das Planen und Bauen im 21. Jahrhundert ging. Wörtlich heißt es einleitend in einer versteckten Presseankündigung: „Feng Shui & Architektur Planen und Bauen im Einklang mit den Gegebenheiten des Ortes, den Tendenzen der Zeit.“

Die Eröffnungsrede hielt Prof. F. C. Reiter selbst und ging darin auf den Einfluss von KanYu Prinzipien in der Architekturlandschaft Berlins ein. Dabei verteilte er offenbar deutliche Spitzen an die Verantwortlichen Stadtplaner der neuen Mitte Berlins, denn im Blog von Howard Choy ist zu lesen: „Prof. Dr. Florian C Reiter (…) came to the conclusion that if Fengshui were involved, then there would be less eye-sores, such as the Sony Centre.“ Wenn Feng Shui also bei der Stadtplanung berücksichtigt worden wäre, dann hätte man auch weniger Augenschmerzen, wie beispielsweise bei der Betrachtung des Sony Centers.

Auf der Suche nach Spiritualität

Prof. Ole Bruun aus Dänemark wies in seinem Vortrag darauf hin, dass die zunehmende Popularität von Feng Shui in der westlichen Welt zum Teil auf der Suche vieler Menschen nach neuen Werten und einer neuen Spiritualität beruht. Durch die Globalisierung der Feng Shui Lehre könne es dazu kommen, dass KanYu wieder zu einer lebendigen Tradition wird. Bruun spielte auch auf den „Pizza-Effekt“ an. Gemeint sind damit kulturelle Rezeptions- und Austauschprozesse, die möglicherweise zu einer Modifizierung der traditionellen Lehre führen werden. Wer sich mit Feng Shui hierzulande intensiver auseinandersetzt, weiß, dass diese Prozess längst im Gange sind.

Das Sony Center in Berlins neuer Mitte: Feng Shui sieht anders aus
Das Sony Center in Berlins neuer Mitte: Feng Shui sieht anders aus
(Foto: Grégoire)

Prof. Wang Yude von der „Central China Normal University“ sprach sich für eine Verbesserung der Feng Shui Ausbildung aus: „But we must study Kanyu Fengshui more seriously and get rid of the less useful and retain the more constructive components for modern applications“. Yudes Institut gilt als eines der renommiertesten Forschungszentren für Mystik- und Kulturgeschichte in China. Am Beispiel eines Stadtplanungs-Projektes in Taizhou (die Stadt, in der das erste Feng Shui Museum Chinas eröffnet wurde) demonstriert Prof. Wang Yude, wie eine Umsetzung und Anpassung an veränderte Lebensweisen und sozio-kulturelle Gegebenheiten aussehen könnte.

Auch Dr. Michael Paton, Dozent an der Sydney University, sprach sich für eine qualitative Verbesserung der Lehre aus. Es müsse ein Grundlagenstudium der chinesischen Kultur und Geschichte in universitärem Rahmen eingeführt werden, um die Essenz von KanYu herauszustellen und für die praktische Anwendung aufzuarbeiten. Laut Prof. Wei Dong geht der aktuelle Trend in China bereits dahin, Feng Shui/ KanYu aus kulturell architektonischer Sicht zu studieren und ganz praktisch im Sinne einer umweltbewussten und nachhaltigen Gestaltung in Planungsprojekte zu integrieren:

„The trend in China now is to study Feng Shui from an architectural and cultural point of view, less emphasis is placing on the esoteric side of Feng Shui and more on the practical side of how it can improve China’s environment and showcase Chinese culture“. (Quelle: howardchoy.wordpress.com)

Neue Horizonte für die moderne Architektur

Am Ende des dreitägigen Symposiums waren sich Veranstalter und die Referenten einig: KanYu kann als spezifisches Werkzeug und Methodik einen wertvollen Beitrag zur Architekturplanung und –gestaltung leisten. Feng Shui eröffnet aus einer umfassenden Sichtweise heraus neue Perspektiven in Bezug auf umweltbewusstes und nachhaltiges Planen und Bauen. Die Ästhetik des KanYu, welche die klassische chinesische Architektur mit ihrer „feinsinnigen, leicht schwingenden Atmosphäre“ durchzieht, könnte auch in der modernen Architektur neue Horizonte eröffnen.

Und die allerbeste Nachricht folgt zum Schluss: Die fundierten Expertenvorträge sollen zusammengefasst und in einem Buch veröffentlicht werden. Wir sind gespannt und freuen uns darauf.

www.everyday-feng-shui.de

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