Schlafen als schöne Luxusbeschäftigung

Eine Kollegin kommt niemals vor 9 Uhr zur Arbeit. Sie ist jung, hat keine Kinder und einen kurzen Anfahrtsweg zum Büro. Warum sie nicht pünktlich um 8 Uhr erscheint? Weil sie sich nach ihrem Biorhythmus richtet und morgens ausschläft. Ich gebe zu: Manchmal bin ich neidisch.

Für viele junge Eltern ein Traum: Endlich wieder ausschlafen
Für viele junge Eltern ein Traum: Endlich wieder ausschlafen (Foto: Richard Leeming)

Mein Biorhythmus sagt mir beim morgendlichen Wecken regelmäßig, dass ich mindestens eine Stunde länger schlafen sollte. Doch ich handele gegen meine innere Uhr und beginne den Tag viel zu früh. Denn ich habe Kinder, die zur Schule müssen, und noch dazu einen recht weiten Weg zur Arbeitsstelle. Ausschlafen ist für mich also der reine Luxus.

Schlafen macht fit

Damit liege ich offenbar voll im Trend. Lange Zeit war es ja geradezu angesagt, mit möglichst wenig Schlaf auszukommen. Heute aber kann etwas auf sich halten, wer lange und gut schlafen kann. Immerhin gilt Schlafen nicht mehr als faules Ausruhen, sondern vor allen Dingen als leistungssteigernd. Aber wer kann sich schon acht Stunden Schlaf leisten?

Schlafen nach dem eigenen Bio-Rhythmus: Universeller Luxus?
Schlafen nach dem eigenen Bio-Rhythmus: Universeller Luxus? (Foto: Abhijeet Rane, Astronomische Uhr in Prag)

Das bedeutet gleichzeitig, dass sich sehr viele Menschen keine ausgedehnte, dem eigenen Rhythmus angepasste Nachtruhe leisten können. Oft dürften äußere Bedingungen dagegen stehen. Und auch soziale Faktoren spielen eine Rolle. So haben Untersuchungen gezeigt, dass schlechter schläft, wer sozial benachteiligt ist und in ärmeren Gegenden wohnt.

Holländer schlafen lang

Im internationalen Vergleich schlafen die Deutschen übrigens nicht besonders viel. Durchschnittlich sind es 7 Stunden und 45 Minuten. Die Niederländer sind uns in der Hinsicht weit voraus: Sie schlafen durchschnittlich 8 Stunden und 12 Minuten. Die Daten stammen von 5500 Menschen aus aller Welt. Sie hatten der anonymisierten Auswertung ihrer Schlafdaten zugestimmt, die über eine App erfasst wurden.

Ein weiteres Ergebnis der Auswertung deutet darauf hin, dass die Einschlafzeit weitgehend gesellschaftlich gesteuert wird. Die Aufwachzeit richtet sich dagegen offenbar eher nach der inneren Uhr. Ich würde dem ersten Teil zustimmen. Meine biologische Uhr würde mich aber sicherlich morgens länger schlafen lassen.

Dabei schlafen Frauen durchschnittlich eine halbe Stunde länger als Männer, ergab die Auswertung der App-Daten. In der Altersspanne zwischen 30 und 60 Jahren ist der Unterschied demnach besonders groß. Und wer tagsüber viel an der frischen Luft ist, geht in der Regel abends früher schlafen. Ein weiteres Ergebnis: Je älter die Menschen, desto früher stehen sie morgens auf. So alt fühle ich mich noch gar nicht…

Kein Grund für Neid

Meinen persönlichen Schlafluxus könnte ich mir tatsächlich recht einfach leisten. Dazu müsste ich schlicht früher schlafen gehen. Abends sind es nämlich selten zwingende äußere Gründe, die mich daran hindern würden. Wäre ich früher im Bett, fiele mir auch wahrscheinlich das Aufstehen leichter. Und es gäbe keinen Grund mehr, neidisch auf die ausgeschlafene Kollegin zu sein.

Mit dem Smartphone im Bett: Häufiger Grund für zu wenig Schlaf in heutiger Zeit
Mit dem Smartphone im Bett: Häufiger Grund für zu wenig Schlaf in heutiger Zeit
(Foto: Japanexperterna.se / Flickr)

So ähnlich sieht auch die Quintessenz der oben zitierten Schlafdatenuntersuchung aus. Eine der Hauptaussagen bezieht sich nämlich auf den Beginn und das Ende der Nachtruhe. Wann sie zu Bett gehen, hängt bei den meisten Menschen offenbar davon ab, was sie abends unternehmen beziehungsweise wie aktiv sie vor dem Schlafengehen sind. Das Aufstehen wiederum wird hauptsächlich von der inneren Uhr bestimmt. Wer abends zu lange aktiv ist, schläft erstens zu wenig und hat es zweitens wahrscheinlich selbst in der Hand.

Quellen:

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