Schluss damit: Endlich ohne Plastiktüten!

Es hat sich etwas verändert beim alltäglichen Einkauf: In der Apotheke, beim Bäcker oder im Buchladen wandert die Ware nicht mehr automatisch in die Plastiktüte. Das freut mich. Ich war nämlich nicht immer schnell genug, das Tütenverpacken abzulehnen. Und so trug ich manches Mal ungeliebtes Plastik nach Hause.

Relikt aus einer längst vergangenen Zeit: Zur Jahrtausendwende lagen Plastiktüten im Trend
Relikt aus einer längst vergangenen Zeit: Zur Jahrtausendwende lagen Plastiktüten im Trend
(Foto: Dirk Loop / Flickr)

Wie oft erntete ich an der Kasse befremdete Blicke, wenn ich die Plastiktüte ablehnte und den Einkauf direkt in meinen Rucksack steckte. Offenbar kam so etwas nur selten vor. Plötzlich aber ist das ganz anders. Das T-Shirt, die Creme oder das Buch bleiben ganz selbstverständlich auch nach dem Bezahlen auf der Theke liegen und verschwinden nicht zusammen mit dem Bon im Plastikbeutel. Plastiktüten sind nämlich entweder gar nicht mehr im Angebot oder sie kosten Geld. Gut so!

Mode ohne Tüte

Seit dem 1. Juli gilt das Plastiktütenende auch für Modegeschäfte. Dort waren die großen, mit den entsprechenden Logos gestalteten Tüten bis vor kurzem nicht wegzudenken. Aber siehe da: Es geht doch. Hintergrund für diesen Wandel ist eine EU-Richtlinie. Sie verpflichtet die Mitgliedsländer, den Plastiktütenverbrauch zu verringern. Neue Gesetze wurden dazu nicht erlassen, sondern es gilt die sogenannte freiwillige Selbstverpflichtung. Die Händler verpflichten sich also freiwillig zu bestimmten Maßnahmen.

Zur Wasserleiche verdammt: Plastiktüte in der Spree
Zur Wasserleiche verdammt: Plastiktüte in der Spree (Foto: Glasseyes View)

Es ist ein bisschen traurig, dass eine EU-Richtlinie beschlossen werden muss, um die Tütenflut einzudämmen. Es hätten sich nämlich die Kunden schon längst freiwillig von den Plastiktüten verabschieden können. Denn dass sie nicht umweltverträglich sind, war lange bekannt. Und seit geraumer Zeit wissen wir auch, dass in den Weltmeeren unvorstellbar riesige Mengen an Plastikmüll schwimmen und dort Schaden anrichten.

Kunststoff im Meer

Im Ozean schwimmen nicht nur Plastiktüten, sondern jede Menge weiterer Kunststoffmüll. Was das Material auszeichnet, macht es so gefährlich für die Umwelt: Es verrottet nicht. Große Teile werden zu tödlichen Fallen für Meeresbewohner, die sich darin verfangen. Außerdem verwechseln Tiere kleinere Plastikteile mit Nahrung. Sogenanntes Mikroplastik gelangt damit in die Nahrungskette.

Plastikabfall in einem Vogelmagen: Dieses Albatros-Küken verhungerte, weil es zu viele Abfälle aus Plastik verschluckt hatte. Die Plastikteile hatten die Vogeleltern als Treibgut aus dem Meer gefischt.
Plastikabfall in einem Vogelmagen: Dieses Albatros-Küken verhungerte, weil es zu viele Abfälle aus Plastik verschluckt hatte. Die Plastikteile hatten die Vogeleltern als Treibgut aus dem Meer gefischt (Foto: Duncan)

Um welche Mengen es sich handelt, ist kaum vorstellbar. Pro Minute landet eine Müllwagenladung Plastik im Meer. Acht Millionen Tonnen sind es im Jahr. Es gibt zwar inzwischen Ideen und Projekte, um den Plastikmüll wieder aus den Meeren zu holen. Ob das gelingen kann, ist aber noch völlig unklar.

Plastik aus Erdöl

Plastik hat nicht nur den Nachteil, dass es besonders langlebig ist. Es wird außerdem üblicherweise aus Erdöl hergestellt, einem nicht nachwachsenden Rohstoff. Selbst wenn also unsere Plastiktüten nicht als Müll im Meer landen, sondern ordentlich entsorgt werden, sind sie ökologisch bedenklich. Was aber ist die beste Alternative?

Eine Bekannte verzichtet seit einiger Zeit voller Elan auf jegliche Plastiktüte. Dafür ist sie auf den Baumwolltaschen-Geschmack gekommen, seit ein Drogeriemarkt besonders formschöne Exemplare anbietet. Das Problem: Die Baumwolltaschen gibt es in vielen verschiedenen Farben, und alle gefallen der Bekannten sehr. Sie besitzt also inzwischen eine ganze Kollektion von Baumwollbeuteln.

Baumwolle keine Alternative

Besonders ökologisch ist das nicht. Denn die Produktion der Baumwolltaschen ist energetisch sehr aufwendig. Man muss also eine solche Tasche sehr oft benutzen, damit sie in ihrer Ökobilanz besser dasteht als die Plastiktüte. Experten haben ausgerechnet, dass eine Baumwolltasche 32 Mal im Einsatz sein muss, bis dieser Punkt erreicht ist. Ich weiß nicht, ob ich der Bekannten sagen soll, dass sie jede ihrer zahlreichen bunten Baumwolltaschen mindestens 32 Mal nutzen muss, um halbwegs nachhaltig gehandelt zu haben.

Einen Überblick über die verschiedenen Tüten-Materialarten von Polyethylen bis zu Polyester gibt die Deutsche Umwelthilfe. In der Bewertung der Deutschen Umwelthilfe kommt übrigens der kleine, leichte Polyesterbeutel sehr gut weg, während die biologisch abbaubare Tüte besonders schlechte Noten bekommt.

Quellen:

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