Sinn und Unsinn von Vorhersagen

Propheten, Wahrsager, Astrologen, Channelling-Medien, Handleser, Kartenleger und Hellseher wirken auf viele Menschen faszinierend. Ist es möglich, in die Zukunft zu schauen oder ist das schlichtweg Humbug?

Foto (C) Arno Hoyer / flickr CC BY 2.0
Foto (C) Arno Hoyer / flickr CC BY 2.0

 

Eines ist klar: Wer in die Zukunft schauen möchte, lenkt seine Aufmerksamkeit weg vom Hier und Jetzt. Es gibt Menschen, die sich am liebsten mit der Vergangenheit beschäftigen und daher wenig präsent sind. Es gibt aber auch andere, die die Nase immer vorausstrecken und wissen möchten, was kommt. Das Gegenwärtige interessiert sie weniger, weil sie es bereits zu kennen glauben und sich eine Veränderung wünschen. Beide Verhaltensgruppen sind unzufrieden mit der Gegenwart. Sie sind entweder stehen geblieben oder wünschen sich eine bessere Zukunft herbei. Leben und Handeln kann man jedoch nur in der Jetzt-Zeit. Wer diesen Augenblick verpasst, versäumt die Weichenstellung für das, was er sich in Zukunft erhofft. Die Zeit rennt davon, und wer mit seiner Aufmerksamkeit woanders ist, verliert sich in Fantasien, statt echte Erfahrungen zu machen.

Déjà-vu-Erlebnisse

Schicksalgläubige tendieren dazu, ihren eigenen Einfluss für gering zu halten. Sie glauben, dass im Wesentlichen alles vorherbestimmt ist und sich ergeben wird. Jeder kennt Déjà-vu-Erlebnisse – dieses vage Gefühl, etwas schon mal erlebt zu haben in einem Traum. Wie es zu diesen Eindrücken kommt, ist ungeklärt. Man nimmt an, dass das Gehirn aus den Daten, die es unbewusst aufnimmt, Szenen konstruieren und vorspielen kann. Im Grunde ist ja jeder Traum eine Inszenierung aus diversen unbewussten Informationen. Wir nehmen viel mehr wahr, als uns bewusst wird, und daher „weiß“ unser Körper wesentlich mehr als unser Verstand. Dieses unbewusste Wissen beschränkt sich vermutlich nicht auf das eigene Wahrnehmungsfeld, sondern umfasst auch Informationen über andere Menschen. Daher sind viele Dinge, von denen wir bewusst nichts wissen, längst entschieden. Das heißt aber nicht, dass sie vorherbestimmt ist. Jeder, der den Zugriff auf sämtliche Daten hätte, könnte sie vorhersehen. Es gibt vermutlich nicht nur eine mögliche Zukunft, sondern mehrere „Zeitlinien“ nebeneinander. Da Déjà-vu-Erlebnisse meist sehr kurz und verschwommen sind, kann es auch sein, dass das vertraute Gefühl nur eine Erinnerung an eine ähnliche Szene ist, die man sich irgendwann vorgestellt hat. Das Gehirn kann zwischen realen Erlebnissen, Träumen und Visionen kaum unterscheiden. Die Erinnerungen sind oft äußerst mangelhaft und mit Einbildungen vermischt.

Foto (C) j.sutt / flickr CC BY 2.0
Foto (C) j.sutt / flickr CC BY 2.0

 

Was sind Zeitlinien?

Eine Zeitlinie ist die Linie zwischen der Vergangenheit und der Zukunft eines Menschen. Auf jeder Zeitlinie gibt es besondere Momente, die starke Veränderungen in der Persönlichkeitsentwicklung bewirkt haben. Die Vergangenheit ist nichts Fixes, weil man sie jederzeit anders betrachten und bewerten kann. So wie man die Vergangenheit früher erlebt hat, als sie noch gegenwärtig war, wird man sie später nie mehr sehen. Bei vielen Menschen ist die Zukunft vorbestimmt, weil sie sich frühzeitig auf bestimmte Inhalte und Abläufe festlegen. Etwas völlig anderes kommt gar nicht in Frage. Je älter der Mensch wird, umso vorhersehbarer wird sein gesamtes Denken. Aus den Daten der Vergangenheit lässt sich die Zukunft zumindest grob umreißen – jedenfalls theoretisch, wenn man alle Informationen sichten und verarbeiten könnte. Es ergibt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit eine bestimmte Perspektive mit prognostizierbaren Inhalten. Diese Perspektiven – von denen es mehrere gleichzeitig geben kann – nennt man zukunftsweisende Zeitlinien. Ob sich die Perspektive A, B oder C realisiert, hängt von gewissen Schlüsselfaktoren ab, aber die Perspektiven selbst sind so gut wie sicher. Nur Menschen, denen es bewusst ist, dass sie ihre Perspektiven jederzeit ändern können, sind schwer einschätzbar. Sie haben vermutlich keine stromlinienförmige Vergangenheit, sondern haben ihre Ausrichtungen schon öfter gewechselt, und sind jederzeit zu wesentlichen Veränderungen bereit. Selbst erschaffene Perspektiven haben ein unerschöpfliches Potential und können zu völlig neuen Ufern führen.

Die kosmischen Prinzipien von Entsprechung und Resonanz

Damit etwas eintreten kann, müssen Übereinstimmungen vorhanden sein. Was sich mit Kartenlegen oder I-Ging-Münzen ermitteln lässt, sind Resonanzen in Bezug auf eine Person. Diese spielen natürlich auch eine Rolle zur Einschätzung einer zukünftigen Entwicklung, sind aber nicht mehr als vorhandene Tendenzen. Auch die Linien auf den Handinnenflächen sind kein Zufall, sondern stehen in Resonanz mit ihren Eigentümern. Wie oben so unten, wie innen so außen, wie im Kleinen so im Großen. Man kann auch einfach die Emotionen im Gesicht eines Menschen lesen und daraus die Zukunft ableiten. Denn in den Gesichtszügen steht geschrieben, wie ein Mensch die Welt betrachtet und welche Emotionen er noch aufarbeiten muss. Jeder zieht an, was er ausstrahlt. Die Zukunft ist umso leichter vorhersagbar, je weniger weit sie entfernt liegt. Im Grunde sind Prophezeiungen nichts anderes als Spekulationen. Was nicht bedeutet, dass es keine große Kunst ist, eine Entwicklung richtig einzuschätzen.

 

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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