So kommen wir mit Narzissten klar

Schwierige Menschen belasten unsere Befindlichkeit oft mehr als ungünstige Wohnverhältnisse. Um eine Lösung zu finden, ist es wichtig, die Ursachen zu erkennen und sie beim Namen zu nennen.

Foto: dierk schaefer / flickr CC BY 2.0
Foto: dierk schaefer / flickr CC BY 2.0

Was ist der Unterschied zwischen Narzissten und Autisten?

Es gibt so viele Formen von Persönlichkeitsstörungen, dass es für Laien schwierig ist, sie richtig einzuordnen. Narzissten weisen viele Ähnlichkeiten mit Autisten auf. In beiden Fällen handelt es sich um sehr selbstbezogene Menschen mit wenig Einfühlvermögen. Während jedoch Autisten recht gerne allein sind und wenig Interesse an sozialen Kontakten haben, enden Narzissten eher unfreiwillig in der Isolation. Beide sind mehr oder weniger beziehungsunfähig, denn es fehlt die Empathie. Autisten sind eher überdurchschnittlich intelligent, während Narzissten eher selten Genies sind. Für Menschen mit mangelndem Mitgefühl sind auch andere Bezeichnungen im Umlauf, die darauf anspielen, dass diese Typen häufig in Machtpositionen zu finden sind und ihre Mitmenschen wie Nutzvieh behandeln. Zum Beispiel Egozentriker, Egoisten, Egomanen, Machos, Patriarchen und kaltblütige Reptos.

Woran erkenne ich einen Narzissten?

Narzissten sind wie Autisten unfähig, auf ihre Mitmenschen einzugehen. Narzissten sind jedoch nicht desinteressiert, sondern erwarten sehr fordernd, dass andere auf sie eingehen. Sie können dabei einen starken Druck oder Sog auswirken, denn sie möchten Aufmerksamkeit, Zuwendung und Anerkennung. Narzissten sind nicht so gefühlstaub wie sie scheinen, sondern sie haben oft ein sehr feines Gespür dafür, wie sie ihre Kontaktpersonen zum eigenen Vorteil manipulieren können. Sie sind gute Beobachter und besitzen eine erstaunliche Menschenkenntnis. Allerdings handelt es sich um eine sehr herzlose Aufmerksamkeit, ohne emotionales Verständnis. Autisten können Körpersprache kaum lesen und sind nicht anpassungsfähig. Narzissten hingegen können gut kommunizieren und haben auch ein Interesse daran. Während der Autist eine isolierte Performance hinlegt, agiert der Narzisst wie ein Handelsvertreter, der möglichst viele Menschen zu vereinnahmen versucht.

Wer genau wissen möchte, ob er es mit einem Narzissten zu tun hat – oder vielleicht sogar selber einer ist, findet hier einen Test: Narzissmus Test: Sind Sie ein heimlicher Narzisst?

Und hier findet ihr eine gute Zusammenfassung der Symptome: Narzisstische Persönlichkeitsstörung

Selbstverliebtheit und Selbstbewunderung

Gegen eine gesunde Selbstliebe ist nichts einzuwenden. Ja, sie gilt sogar als Voraussetzung dafür, dass man andere Menschen lieben kann. Eigenliebe wird zum Problem, wenn sie darauf beruht, dass andere Menschen abgewertet werden, um die eigene Herrlichkeit hervorzuheben. Narzissten vergleichen sich ständig mit anderen und tragen Konkurrenzkämpfe aus, denn sie wollen eine überlegene Position einnehmen. Sie sind hellauf begeistert von sich selbst und nutzen jede Gelegenheit, um sich hervor zu tun und selbst zu loben. Wenn man mit ihnen auskommen möchte, sollte man sie reichlich würdigen und wertschätzen, denn so sind sie am leichtesten auszuhalten. Sie reagieren extrem empfindlich auf Kritik oder gar Schuldzuweisungen. Und sie können es kaum ertragen, in einer Auseinandersetzung Unrecht zu haben. Sie besitzen im Grunde ein sehr niedriges Selbstwertgefühl, das sie mit allen Mitteln überspielen. Sie legen sich mit selbstbewussten Menschen an oder lehnen sie ab. Und fallen über jede vermeintliche Schwäche her. Auch nahestehende Personen wie Partner oder Kinder werden nicht geschont, sondern gnadenlos bemängelt und abgewertet.

Missgunst, Überheblichkeit und Geltungssucht

Wer mit einem Narzissten klarkommen möchte, muss unbedingt einen inneren Abstand einhalten und darf nicht hoffen, dass ein inniger Austausch möglich ist, so wie man sich das zwischen Vertrauten vorstellt. Das übersteigerte Selbstwertgefühl des Narzissten muss ständig genährt werden, damit die Beziehung halbwegs ruhig und stabil bleibt. Mit gewissen Stimmungsschwankungen ist jederzeit zu rechnen. Ein Narzisst nimmt die Bedürfnisse seines Partners kaum wahr und „liebt“ den Partner nur, solange er seine Geltungssucht befriedigt. Wehe jedoch, wenn der Partner Schwächen zeigt oder sich abwendet oder zu selbstbewusst agiert. Der Partner wird nie um seiner selbst willen geliebt, sondern dient als Erfüllungsgehilfe für die Selbstsucht des Narzissten. Das ist auf die Dauer natürlich sehr traurig, unbefriedigend und frustrierend für den Partner.

Schuldzuweisungen und Machtgelüste

Die einfachste Lösung ist die Trennung, aber bei Familienangehörigen ist oft keine Flucht möglich. Auch Pflegekräfte können nicht einfach davonlaufen, sondern müssen mit narzisstischen Persönlichkeiten klarkommen. Allein gelassene Narzissten neigen zu Depressionen und psychischer Verwirrung, wenn sie zu oft kritisiert oder zurückgewiesen werden. Fehlt die Bewunderung und Bestätigung durch Mitmenschen, fallen sie in ein tiefes Loch voller Selbstzweifel. Wer möglichst wenig Stress mit ihnen haben möchte, lässt sie reden, hört bereitwillig zu, spart nicht mit Anerkennung, begeht jedoch nicht den Fehler, eine freundschaftliche oder gar intime Nähe zu suchen. Aufdringliche Narzissten müssen sanft, aber entschieden zurückgewiesen werden, denn die Grenzüberschreitungen können sonst ausufern. Die Kontaktpersonen brauchen reichlich Auszeiten und Möglichkeiten zum Rückzug, denn die ständigen Abschätzungen, Drohungen und Schuldzuweisungen sind schwer zu ertragen. Ein ausgeprägter Narzisst, kann das gesamte Familienleben zerstören, indem er ein Kind gegen das andere ausspielt, die Enkelkinder mit Kritik überhäuft und alle Schwiegerkinder ablehnt. Keiner ist gut genug und jeder wird angeschwärzt.

Klare Grenzen, um sich selbst zu schützen

Typische Narzissten können romantisch und dramatisch emotional sein, Wutausbrüche bekommen und hasserfüllte Züge zeigen. Sie stellen sich gerne als Helden und Opfer dar und betrachten ihre Mitmenschen als unzulänglich. Ihr starker Wille, was Besseres zu sein und alle anderen zu übertrumpfen, ist eine Energie, die zu hervorragenden Ergebnissen führen kann, wenn sich die Bezugspersonen zu Spitzenleistungen anstacheln lassen, um den nörgelnden Narzissten zufrieden zu stellen. Für die Bezugspersonen besteht die Gefahr, dass sie sich ausgebeutet fühlen, nicht gewürdigt fühlen, ein Schattendasein führen oder im Burnout landen. Je klarer man das Spiel durchschaut, umso eher wird man Umgangsformen finden, die den Narzissten ruhig halten und die eigenen Nerven schonen. Wer mit einem Narzissten zusammenleben muss, kann sich verausgaben und in Selbstzweifeln versinken, aber auch ein unerschütterliches Selbstbewusstsein erlangen, das über jeden Zweifel erhaben ist. Denn die ständigen Attacken auf das Selbstwertgefühl sind eine große Chance, um unempfindlich zu werden gegen Angriffe aller Art und echte – nämlich UNABHÄNGIGE – Selbstsicherheit zu erlangen.

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Über Irmgard Brottrager 801 Artikel
Irmgard Brottrager ist Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur, Fachredakteurin und Fengshuiberaterin in Graz. Sie beschäftigt sich vorzugsweise mit Aufgaben, die mit dem Menschen und seinem Umfeld zu tun haben. Irmgard erreicht ihr unter i.brottrager@everyday-feng-shui.de

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