Urlaubsplanung mit gutem Gewissen?

Der Winter hat noch nicht begonnen, da kümmern sich viele Menschen schon um den nächsten Sommerurlaub. Immerhin müssen Urlaubstage beim Arbeitgeber angemeldet und Reisen gebucht werden. Erfreulich groß ist die Zahl derjenigen, die ihre Ferienreise nachhaltig gestalten möchten. Bei der Umsetzung des edlen Vorhabens hapert es aber offenbar gewaltig. Woran liegt das bloß?

Urlaubsplanung: Muss es unbedingt eine Fernreise sein?
Urlaubsplanung: Muss es unbedingt eine Fernreise sein? (Foto: Aero Icarus)

61 Prozent der Deutschen möchten ihre Urlaubsreise gern nachhaltig gestalten. Das ergab eine repräsentative Befragung, die die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen im Auftrag des Bundesumweltministeriums durchgeführt hat. Allerdings nutzen die meisten der Befragten bei der nachhaltigen Urlaubsplanung anscheinend hauptsächlich den Konjunktiv. Denn Wirklichkeit wird das nachhaltige Reisen bei nur 22 Prozent der Bevölkerung. Sie achten nach eigenen Angaben bei ihrer Reiseplanung immer sehr darauf, dass sie nachhaltig ist. Immerhin ist der Anteil derjenigen, die sich gar nicht um das Thema kümmern, recht klein. Die Befragung ergab, dass für 15 Prozent der Bevölkerung die Nachhaltigkeit bei der Urlaubsplanung nicht wichtig ist.

Es geht ums Geld

Wie kommt es also, dass die meisten Menschen zwar gern nachhaltig verreisen wollen, es dann aber doch nicht tun? Die Umfrageergebnisse lassen darauf schließen, dass es mehrere Dinge sind, die hier zusammenspielen. Im Durchschnitt wurden mehr als drei Gründe genannt, die dem nachhaltigen Urlaub letztlich im Wege standen. Ganz oben auf der Liste der Verhinderungsgründe steht offenbar das liebe Geld.

Die wenigsten der Befragten haben zwar ein konkretes Bild davon, wie nachhaltiges Reisen überhaupt aussehen könnte. Am ehesten werden noch Umweltschutzaspekte damit assoziiert. Recht deutlich und verbreitet scheint aber die Vorstellung zu sein, dass der nachhaltige Urlaub mehr kostet als die übliche Reise. Und genau dies ist die größte Hürde. Mehr als die Hälfte derjenigen, die nach eigener Auskunft gern nachhaltig verreisen möchten, nennt die erwarteten höheren Kosten als Hinderungsgrund. An zweiter Stelle steht die Sorge, dass eine nachhaltige Reise die eigenen Urlaubswünsche nicht erfüllen könne. Es folgen auf der Liste der Hürden mangelnde Informationen über und ein fehlendes Gütesiegel für nachhaltige Reiseangebote.

Die breit angelegte Befragung bringt viele weitere interessante Aspekte zutage. So sind es vor allen Dingen gebildete Menschen mit gutem Einkommen, die zwar gern nachhaltig reisen würden, es aber nicht tun. Es sind die gleichen, die den sanften Tourismus wichtig finden, mit ihren Urlaubsreisen jedoch dem Klima im besonderen Maße schaden. Denn eben jene Menschen sind es, die gern, häufig und weit reisen. Und damit sind in der Regel Langstreckenflüge verbunden, die jede Menge Kohlendioxid-Ausstoß nach sich ziehen.

Urlaub zu Hause?

Auf der anderen Seite gibt es diejenigen, denen die Frage nach einem nachhaltigen Urlaub überhaupt nicht wichtig ist. Das sind meistens Menschen, die sich häufiges, weites und teures Reisen gar nicht leisten können. Wer aber seinen Sommer zu Hause oder doch jedenfalls im Inland verbringt, kann in der Regel die beste Klimabilanz aufweisen, hat nicht zur Ausbeutung der Menschen in fernen Ländern beigetragen oder es sich auf ihre Kosten gut gehen lassen.

Zwischen Balkonien und Singapur ist es vielmehr gute Alternativen den Urlaub zu verbringen als viele Menschen meinen
Zwischen Balkonien und Singapur ist es vielmehr gute Alternativen den Urlaub zu verbringen als viele Menschen meinen (Foto: Mr Thinktank)

Am besten wäre es folglich, gar nicht mehr zu verreisen. Jedenfalls dürfte es dem Gewissen damit gut gehen. Allerdings wird das nur sehr begrenzt für gute Stimmung im Urlaub sorgen. Da das Reisen außerdem nicht nur für Erholung sorgt, sondern auch ungemein bildend ist, sollte es selbstverständlich keinesfalls aufgegeben werden.

Tatsächlich muss nachhaltiges Reisen gar nicht viel teurer sein als der gewohnte Urlaub. Wer individuell reist, dürfte schon mit dem Einsatz des sogenannten gesunden Menschenverstands einiges verbessern können. Das betrifft die Wahl der Verkehrsmittel (vielleicht muss es nicht immer ein Mietwagen sein), die Unterkunft (eine Privatunterkunft verspricht spannendere Kontakte als ein Hotel) oder das eigene Verhalten im Urlaub. Eine gute Sammlung von pauschalen Angeboten gibt es beim Verein Forum anders reisen, einem Zusammenschluss von Reiseveranstaltern, die Wert legen auf nachhaltigen Tourismus.

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