Wie traurige Töne trösten können

Musik ist eine Weltsprache, sie kann wildfremde Menschen verbinden. Dabei ist sie so grenzenlos vielfältig, dass sie tatsächlich für jeden Geschmack etwas bereithält. Manche Titel kommen und gehen mit der Mode. Andere Lieblingsmusikstücke werden Begleiter für viele Jahre. Manchmal helfen sie wunderbar durch trübe Stimmungen.

Erstaunlicherweise wählen Menschen in trauriger Stimmung selten fröhliche Klänge, um die Laune zu verbessern. Vielmehr sind es gerade traurige Musikstücke, die dann zum Zuge kommen. Offenbar ist der Wunsch, traurige Musik zu hören, nach traurigen Erlebnissen besonders groß. Das bedeutet aber nicht, dass dadurch die Stimmung weiter getrübt würde. Im Gegenteil, vielen Menschen helfen gerade traurig-schöne Klänge, das Erlebte besser zu bewältigen.

Nostalgie und Zärtlichkeit

Auf den zweiten Blick ist es dann doch nicht so überraschend, dass in traurigen Momenten gerade solche Musik gewählt wird, die einen ähnlichen Ton trifft. Sie ruft nämlich Gefühle und Empfindungen hervor, die möglicherweise gut in die jeweilige Situation passen. Teilnehmer einer Befragung zu dem Thema gaben an, bei trauriger Musik nostalgische Gefühle zu entwickeln, Ruhe, Frieden, Zärtlichkeit oder Übersinnliches zu empfinden.

So ist es gut nachvollziehbar, dass Musik Selbstheilungskräfte in Gang setzt. Die heilende Wirkung von Musik ist längst bekannt. Musiktherapeuten arbeiten mit Säuglingen und alten Menschen, behandeln Schmerzen und psychische Erkrankungen, kümmern sich um Schlaganfall- oder Krebspatienten.

Ruhe durch Musik

Billy Ocean: Übersinnlichkeit in der Stimme
Billy Ocean: Übersinnlichkeit in der Stimme (Foto: Eva Rinaldi)

Allerdings muss ja nicht jede Traurigkeit „geheilt“ und möglichst schnell abgestellt werden. Im Gegenteil, traurige Stimmungen haben durchaus ihren Sinn. Musik ist eine gute Begleiterin auf dem Weg durch die trübe Stimmung. So bietet sich eine Gelegenheit, wieder zu sich selbst zu kommen, Ruhe zu finden und Abstand vom Alltag zu finden. Traurigkeit kann auch ein Signal sein, alles etwas langsamer anzugehen, sich um sich selbst zu kümmern – und schöne Musik zu hören. Das darf dann auch ein besonders trauriges Stück sein, wenn einem danach ist.

Welche Wirkung der Musikgenuss im Einzelfall hat, hängt offenbar eng mit den individuellen Erwartungen zusammen. Wer zum Beispiel entspannen möchte, wählt die geeignet erscheinenden Klänge und erzielt dann auch den gewünschten Effekt. In trauriger Stimmung fällt die Wahl auf eine Musik, die eine ähnliche Stimmung transportiert, um so die eigenen Gefühle besser einordnen zu können und Trost zu finden.

Schön und traurig

So vielfältig wie die Musik ist, so verschieden sind ihre Wirkungen auf unsere Gefühle und unser Befinden. Je nachdem, was wir vom Musikgenuss erwarten, können die Klänge uns ablenken, die Stimmung aufhellen, uns in frühere Zeiten versetzen oder Erinnerungen an liebe Menschen nahebringen. Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass es vor allen Dingen dann zu einer deutlichen Stimmungsverbesserung kommt, wenn man Musik hört, die besonders schön, dabei aber auch traurig ist. Wahrscheinlich kann traurig-schöne Musik so viel bewegen, weil sie uns besonders tief berührt.

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