Über den Sinn und die Wirkung von Räucherwaren

Die Verwendung von Duftstoffen ist ein wichtiger Bestandteil von geomantischen Ritualen. Außerdem ist die Herstellung von Räucherwerk eine wunderbare Möglichkeit, um übriggebliebende Pflanzenreste zu verwerten.

Hängende Räucherkegel in einem Tempel in Tai Po (Hongkong). Foto (C) shankar s. / flickr CC BY 2.0
Hängende Räucherkegel in einem Tempel in Tai Po (Hongkong). Foto (C) shankar s. / flickr CC BY 2.0

 

Duftende Pflanzenreste sind eindeutig zu schade für den Kompost oder den Heizungsofen! Denn Gerüche besitzen Energie und Macht! Das hat jeder schon mal erlebt, der länger in der Nähe eines unerträglichen Geruches ausharren musste. Duftstoffe beeinflussen nicht nur unsere Empfindungen, sondern auch unseren Geist und unser Bewusstsein. Besonders im Winter, wenn die kalte Luft relativ trocken und arm ist an Geruchsmolekülen, genießen wir wohltuende Düfte, die durch Kontakt mit Feuer entstehen.

 

Die zehn Tugenden von Düften laut einem Zen-Mönch im 16. Jahrhundert

1) Räucherwerk ermöglicht die Kommunikation mit dem Transzendenten.

2) Es reinigt den Körper, die Seele und den Geist.

3) Es vertreibt negative Schwingungen aus der Umgebung.

4) Es hilft uns, achtsam zu bleiben.

5) Es ist ein treuer Freund in Zeiten der Einsamkeit.

6) Es beschert uns Momente des Friedens in einer geschäftigen Welt.

7) Auch wenn man viel räuchert, verliert man nie die Lust daran.

8) Auch kleine Mengen wirken befriedigend.

9) Man kann Räucherwerk lange lagern.

10) Es gibt keine schädlichen Nebenwirkungen.

 

Was wäre eine Kirche ohne Weihrauch?

Das Verbrennen von Duftstoffen war immer schon mit kultischen Handlungen verbunden. Keine Substanz kann uns so schnell in eine feierliche Stimmung versetzen wie der Duft von Räucherwerk, ätherischen Ölen und wohlriechenden Blumen. In alten Kirchen mag auch das bauphysikalische Problem der mangelnden Raum-Lüftung eine Rolle spielen. Kirchenfenster sind bekanntlich nicht öffenbar und vor allem im oberen Bereich der Kirchenschiffe, wo sich die warmen Ausdünstungen der Kirchenbesucher ansammeln, kann die Luft nicht entweichen. Um den abgestandenen Mief in Kirchen zu überdecken, erfüllt der Gebrauch von Weihrauch nicht nur spirituelle, sondern auch ruftreinigende Zwecke.

 

Düfte als Geistesnahrung und Nahrung für die Götter

Materie wird durch Feuer transformiert und wirkt in verfeinerter Form auf den Geist ein. Das Riechen, Einatmen und Inhalieren von Rauch hat eine lange Geschichte im Umfeld von Götter- und Götzen-Kulten, Gottesdiensten, Magie, Okkultismus, Alchemie, Schamanismus und Esoterik. In vielen Kulturen dient der Rauch zugleich dem Beschwören von Göttern, Geistern und Dämonen sowie der eigenen Bewusstseinserweiterung und dem Zugang zu jenseitigen Welten – auch „Anderswelten“ genannt. Bereits die primitiven Höhlenmenschen sollen sie besonderen Wirkungen von Räucherpflanzen für sich entdeckt haben.

 

Koh-Dō-Zeremonie: Der „Weg des Räucherns“ in Japan

Japaner lieben Rituale. Kein Wunder also, dass sich in Japan eine besondere Duft-Kultur entwickelt hat mit ganz speziellen Duftmitteln und Räuchermethoden. Einige Produkte gibt es auch bei uns im Handel: Räucherstäbchen, Räucherkegel, Aromahölzer und Duftkugeln. Ausgiebige Weihrauch-Zeremonien sind im gesamten Buddhismus beliebt – obwohl die Buddhisten keinen Gott anbeten, sondern einem atheistischen Weg der Selbstentfaltung folgen. Bestimmte Gerüche rufen Erinnerungen hervor, denn das Riechen gehört zu den ersten Fähigkeiten von Kleinkindern. Wenn es gelingt, Gerüche mit feineren Wahrnehmungen und genaueren Erinnerungen zu verbinden, ist spirituelles Wachstum möglich.

 

Psychoaktive  und giftige Wirkungen

Dass Räucherwerk nicht schaden kann, so wie es der oben genannte Zen-Mönch beschrieben hat, stimmt nicht ganz. Viele Stoffe, die zum Räuchern und Rauchen verwendet werden, sind gesundheitsschädlich oder sogar extrem giftig. Schwarzes Bilsenkraut zum Beispiel kann sich tödlich auswirken. Beim Experimentieren mit unbekannten Pflanzen und Stoffen ist größte Vorsicht angebracht! Besonders der Schierling, das Bilsenkraut, der Nachtschatten, der Stechapfel, die Tollkirsche, das Tollkraut, die Alraune und die Engelstrompete sind hoch giftig. Tabak, Hanf und Mohn gehören bekanntlich zu den Suchtmitteln und sind teilweise verboten. Es ist nicht möglich, hier alle giftigen Räucherpflanzen aufzuzählen, daher musst sich jeder eigenverantwortlich informieren! Es soll hier nicht der Anschein erweckt werden, dass Räuchern ein harmloses Experimentierfeld ist. Es ist genauso gefährlich, wie unbekannte Pilze oder Wildkräuter zu probieren.

 

 

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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