Alte Fliesen renovieren: Lohnt sich das?

Altmodische Fliesen aus dem Jahre Schnee sind endgültig out. Doch was tun, wenn man sie nicht abreißen darf oder möchte?

Moderne Bäder kommen ohne Fliesen aus. Foto: andrewarchy / flickr CC BY 2.0
Moderne Bäder kommen ohne Fliesen aus. Foto: andrewarchy / flickr CC BY 2.0

Wie alt ein Bad ist, erkennt man in erster Linie an den Kacheln. Retro-Fliesen mit orangen, grünen, beigen und braunen Ornamenten aus den 1970er und -80er Jahren will heute keiner mehr sehen. Auch Fliesen mit Marmoroptik, wie sie vor 20 Jahren modern waren, sind nicht mehr up to date. Heute werden Großformate bevorzugt oder überhaupt fugenlose Beschichtungen gewählt.

Häufige Schäden an alten Verfliesungen

Fliesen sind grundsätzlich sehr langlebig, aber sie sind nicht für die Ewigkeit verlegt. Mit der Zeit sammeln sich immer mehr Risse, Scharten und Bohrlöcher an. Kalkhaltiges Wasser hinterlässt Kalkrückstände und beeinträchtigt den Glanz. Besonders anfällig sind die Fugen, die irgendwann rissig werden, verschmutzen, verschimmeln oder gar ausbrechen. Bei billigen Fliesen, die keine glatten Ränder haben, fransen die Fugen leicht aus. Ungenauigkeiten bei der Verlegung werden im Laufe der Jahre nicht schöner, sondern immer auffälliger.

Warum man Fliesen nicht einfach erneuern kann

Der Austausch von Fliesen ist alles andere als einfach, weil zuerst alle Sanitärgegenstände, Halterungen, Spiegel, Wandleuchten, Boiler und Heizkörper abmontiert werden müssen. Wer möchte schon tagelang auf ein Waschbecken oder gar auf ein WC verzichten? Das Abschlagen der Verfliesung ist außerdem mit Lärm, Schmutz und körperlichen Anstrengungen verbunden. Wenn der Raum nicht vollkommen leer ist, können empfindliche Objekte wie Badewannen, Duschtassen und Waschmaschinen Schäden erleiden. Nach dem Abschlagen müssen alle Unebenheiten beseitigt werden, denn für eine neue Verfliesung ist ein glatter Untergrund erforderlich. Es muss also weiter gestemmt, geschliffen und gespachtelt werden. Diese Prozedur zahlt sich in der Regel nur bei Generalsanierungen aus. Dass man nach einer Neuverfliesung wieder die alten Sanitärobjekte montiert, kommt eher selten vor.

Fliesen und Sanitärgegenstände gehören den Vermietern

In Mietwohnungen darf die Bausubstanz ohne das Einverständnis des Vermieters nicht verändert werden. Verfliesungen lassen sich nicht einfach rückgängig machen wie Wandanstriche oder Tapezierungen. Wer ein gutes Verhältnis zum Vermieter hat, kann natürlich versuchen, ein Agreement auszuhandeln. Doch es gibt auch Methoden, verflieste Flächen zu sanieren, ohne sie zu erneuern.

Fliesen überstreichen und Beschichtungen mit flüssigem Kunststoff

Leider ist diese Methode mit sehr viel Chemie und Sondermüll verbunden. Außerdem kommt das Ergebnis selbst dann nicht an echte Fliesen heran, wenn sie sehr gut gelingt. Wer die Renovierung selber vornehmen möchte, hat vermutlich nicht allzu viele Erfahrungen. Daher können allerlei Anfänger-Fehler passieren, die das Ergebnis beeinträchtigen. Falls die Fliesen und Fugen nicht hundertprozentig glatt sind, müssen sie vorher ausgebessert werden. Es sind verschiedene Systeme im Handel, deren Gebrauchsanweisungen man genau studieren sollte. In der Regel geht man vor wie folgt:

1) Intensive Reinigung von Staub, Kalk- und Fettrückständen.

2) Grundierung

3) Trocknen lassen laut Anleitung

4) Lackierung aufbringen

5) Trocknen lassen laut Anleitung

6) Lackierung wiederholen

Man kann den Raum während der Trocknungsphase praktisch nicht benutzen, weil Fussel und Staubteilchen strikt zu vermeiden sind. Für die Ausbesserungsarbeiten sind zusätzliche Spezialprodukte erforderlich, die letztlich zu einem Berg an Tuben und Dosen führen, die nicht nur viel Geld kosten und übel riechen, sondern schwer zu entsorgen sind. Bei Fliesen mit 3D-Strukturen und Schmuck-Reliefs bleibt die Struktur erhalten.

Fliesen überputzen

Das Procedere ist ähnlich wie beim Überstreichen, aber noch etwas aufwändiger. Denn hier müssen zuerst sämtliche Fugen und Löcher glatt gespachtelt werden. Wenn die Fliesen bis unter die Decke gehen und im Kleinformat verlegt worden sind, ist das schon mal eine Heidenarbeit. Es werden folgende Schritte empfohlen:

1) Gründlich reinigen

2) Haftgrund auftragen

3) Fliesen-Glättspachtel auftragen mit der Kelle, maximal 3 Millimeter dick

4) Tiefen-Grundierung auftragen

5) Feuchtigkeitsbeständige Bad-Farbe mit dem Roller auftragen

6) Schutzversiegelung auftragen

7) Trocknungszeit einhalten

8) Schutzversiegelung wiederholen

Tapezierung mit wasserfester Tapete

Diese Lösung klingt relativ einfach. Sie klappt jedoch nicht, ohne die Fliesen zuerst zu verspachteln und zu grundieren und somit dauerhaft zu beschädigen. Kunstfaser- Tapezierungen sind keine nachhaltige Lösung, denn sie haben keine lange Lebensdauer und müssen wiederholt werden.

Neue Fliesen über alten Fliesen

Diese Methode wird relativ häufig angewendet. Man muss allerdings bedenken, dass die zusätzliche Fliesenschicht aufträgt und die Ränder nicht sauber aussehen, wenn man nicht alle Teile, die AUF den Fliesen montiert sind, vorher abmontiert. Pass-Stücke an diversen Einbauteilen werden vielleicht nicht mehr passen, nachdem sich die Fliesenstärke geändert hat.

Dünne Platten auf die alten Fliesen kleben

Hier bieten sich zum Beispiel spezielle Bad-Platten, Eternit-Platten, Alu-Bleche oder HPL-Platten an. Man hat hier zwar weniger Arbeit, aber die Anschluss-Probleme sind ähnlich wie bei der Variante „Neue Fliesen über alten Fliesen“.

Aufpeppen der Einzelfliesen mit Fliesen-Aufklebern

Die meisten Aufkleber bestehen aus PVC-Folie und lassen sich rückstandslos entfernen. Doch wer möchte eine minderwertige Plastikoberfläche an der Wand mit empfindlichen Kanten und Ecken?

Auf Fliesen weitgehend verzichten

Deckenhohe Verfliesungen waren lange Zeit üblich, sind aber überhaupt nicht nötig. Man kann den Großteil der Wandflächen einfach mit Lehmplatten oder feuchtigkeitsbeständigen Gipskartonplatten verkleiden. Die alten Fliesen übernehmen die Funktion einer Dampfsperre. Mit dieser Lösung verhindert man eine ungemütliche Nasszellen-Optik. Für die Flächen, die tatsächlich mit Spritzwasser in Berührung kommen, bieten sind fugenlose und großflächige Platten an.

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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