Pflanzen-Vorzucht im Winter: Notwendigkeit oder Fleißaufgabe?

Manche schwören darauf und andere halten wenig davon. Die Pflanzen-Anzucht im Wohnzimmer oder geheizten Wintergarten ist nicht jedermanns Sache. Zahlt sich der Aufwand wirklich aus?

Keimlinge in einer Aussatbox, Foto (C) Maja Dumat / flickr CC BY 2.0
Keimlinge in einer Aussatbox, Foto (C) Maja Dumat / flickr CC BY 2.0

 

Da die meisten Gartenpflanzen nicht frostbeständig sind, müssen sie jährlich neu ausgesät oder aus Stecklingen gezogen werden. Eine Faustregel besagt, dass man vor den „Eisheiligen“ (Mitte Mai) vorsichtig sein muss mit dem Anbau im Freiland, weil noch mit Frösten zu rechnen ist. Um keine Zeit zu verlieren, kann man es wie die Profi-Gärtner machen und das Saatgut in einer warmen Stube vorkeimen lassen. Allerdings sind die Bedingungen in Wohnräumen völlig andere als in klimatisierten Gewächshäusern.

 

Pro-Argumente

  • Man ist unabhängig vom Wetter.
  • Wachstumsvorsprung gegenüber Direktsaat.
  • Man kann sich die stärksten Pflanzen aussuchen.
  • Die Keimbedingungen können überwacht und kontrolliert werden.
  • Bessere Keimquote bei idealen Bedingungen.
  • Das Gartenjahr beginnt früh und wird insgesamt verlängert.
  • Im Winter hat man genug Zeit, um sich um die Sprösslinge zu kümmern.
  • Man geht kein Risiko ein.
  • Die Keimlinge sind geschützt vor Vögeln, Hühnern und anderen Körnerfressern.
  • Man kann die Sprösslinge genauer beobachten.
  • Mini-Gewächshäuser brauchen wenig Platz und können mit provisorischen Mitteln gebastelt werden.

 

Kontra-Argumente

  • Licht und Wärme müssen künstlich zugefügt werden.
  • Anfälligkeit der Pflanzen für Schädlinge und Krankheiten.
  • Beim Umsetzen geht der Wachstumsvorsprung verloren.
  • Gefahr, dass die Pflanzen vergeilen (sich zum Licht recken und lange Hälse bekommen).
  • Die Pflänzchen werden nicht abgehärtet.
  • Die Pflanzen wachsen zu schnell und werden dünn und schwach, statt kräftig und gedrungen.
  • Die Zeit wird rasch aufgeholt, wenn erst nach den Eisheiligen gesät wird.
  • Niedrige Keimrate, wenn die Licht- und Temperaturverhältnisse nicht stimmen.
  • Nicht alle Pflanzenarten lassen sich mit Kunstlicht überlisten.
  • Gute Anzuchtlampen sind teuer.
  • Die Anzuchtschalen sind wenig dekorativ und belasten die Raumluft mit Feuchtigkeit.
  • In bewohnten Räumen kann die Raumtemperatur nur begrenzt reguliert werden.
  • Viele Pflanzen brauchen kühlere Temperaturen und sollten daher direkt nach der Keimung in unbeheizte Räume gestellt werden, die jedoch nicht zu kalt sein dürfen.
  • Die Keimtemperaturen von verschiedenen Pflanzen sind sehr unterschiedlich, weshalb es schwierig ist, alle im gleichen Raum zu ziehen. In der Natur keimen die Pflanzen automatisch zu der Zeit, die für sie optimal ist.
  • Die Anzucht-Erde kann durch die ständige Feuchtigkeit zu schimmeln beginnen, weil es noch keine Blätter gibt, die das Wasser zur Verdunstung bringen.
  • Unnötige Arbeit, die im Endeffekt nichts bringt.
Zwischen- oder Endstation im Gewächshaus, Foto (C) Maja Dumat / flickr CC BY 2.0
Zwischen- oder Endstation im Gewächshaus, Foto (C) Maja Dumat / flickr CC BY 2.0

 

Für Gärtnereien ist der Handel mit Anzuchtpflanzen ein Geschäft und es geht daher gar nicht darum, ob eine frühere Ernte erzielt wird. Für Hobbygärtner ist es kaum relevant, ob der Kohlrabi eine Woche früher oder später reif wird. Obwohl sich Investitionen in Anzucht-Utensilien nicht rentieren, kann es einfach Spaß machen, bereits im Februar oder März erste Pflänzchen zu ziehen. Wie ernst jemand die Vorzucht betreiben möchte, muss jeder für sich entscheiden. Um Erfolgserlebnisse zu erzielen, sollte man nur jene Sorten vorziehen, die gut dafür geeignet sind: Kräuter, Paprika, Chili, Physalis, Tomaten, Fenchel, Kohlrabi, Brokkoli, Sellerie, Mangold, Zucchini, Kürbis, Gurke, Aubergine, Erbsen und Kopfsalat zum Beispiel. Radieschen, Karotten, Pflücksalat und Bohnen sind weniger geeignet.

 

Wenn schon, denn schon?

Ambitionierte Hobbygärtner beginnen bereits im Jänner, aber jeder Anbau vor Februar ist schwierig und wenig sinnhaft, weil die Tage zu kurz sind. Es kommt letztlich auf die Ausstattung an, die man bereits besitzt oder sich zulegen möchte. Ganz ohne Zubehör geht es nicht. Im Idealfall benötigt man verschiedene Raumzonen mit hochwertigen Anzuchtlampen und Regelung der Luftfeuchtigkeit. Die Lampen sollten eine Timer-Funktion haben und täglich 12 bis 16 Stunden lang brennen. Normale Leuchten sind nicht geeignet.

Die Pflanzen werden insgesamt mindestens zweimal umgesetzt. Die Keimung erfolgt in Mini-Gefäßen mit ungedüngter Anzuchterde. Erst wenn die Pflanzen bereits Wurzeln ausgebildet haben, wird pikiert (vereinzelt) und es kommt Komposterde hinzu. Wenn man keine Anzuchtlampen und kein Gewächshaus hat, sollte man nicht vor März oder April beginnen, weil die Pflanzen sonst auf der Fensterbank vergeilen. Die Keimlinge lassen sich zwar auf kleinem Raum unterbringen, aber sobald sie größer werden, nehmen sie mehr Platz ein. Ideal ist daher eine „Zwischenstation“ für die Topf-Pflanzen, bevor sie endgültig im Garten oder Gewächshaus ausgesetzt werden.

 

 

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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