Autarke Pflanzenaufzucht mit samenfestem Saatgut

Das Geld für den Ankauf von Samen und Jungpflanzen kann man sich sparen. Samenfeste Pflanzen bringen sortenreine Nachkommen hervor und können daher in Eigenregie weitergezüchtet werden.

Bärlauch ist bestens für die Permakultur geeignet, denn er gedeiht auch wild. Foto (C) Irmgard Brottrager
Bärlauch ist bestens für die Permakultur geeignet, denn er gedeiht auch wild. Foto (C) Irmgard Brottrager

 

Samenfeste Sorten sind eine wichtige Voraussetzung, um Permakultur (permanente Landwirtschaft) etablieren zu können. Denn eines der Grundprinzipien von ganzheitlichem Gärtnern und Kreislaufwirtschaft ist die Verwendung von eigenem Saatgut. Noch besser ist es, wenn sich die Pflanzen selber aussäen und vermehren. Man muss die Jungpflanzen dann nur noch ausdünnen und an geeigneten Stellen verbreiten. Eigenes Saatgut macht unabhängig von Händlern und Züchtern. Es entsteht jährlich im Überfluss und falls mal eine Ernte ausfällt, bieten sich kostenlose Tauschbörsen mit Gleichgesinnten an. Früher war es eine Selbstverständlichkeit, dass man sein eigenes Saatgut weiterverwenden konnte. Inzwischen sind überwiegend Hybrid-Sorten am Markt, die für die Weiterzucht nicht geeignet sind.

 

Die Verarbeitung von eigenen Samen

Die Saatgut-Gewinnung aus eigenen Pflanzen ist nicht ganz mühelos, denn die Früchte, denen die Samen entnommen werden, sollten ausgereift sein. Außerdem ist Knowhow erforderlich, was die Lagerung der Samen, die Keimtemperatur, Keimdauer und den richtigen Zeitpunkt für die Aussaat betrifft. Manche Samen müssen stratifiziert werden und keimen nur, wenn sie vorher Frost abbekommen haben. Andere sind Lichtkeimer und andere stellen diverse Ansprüche an den Standort oder an den Boden. Manche Samen sind so winzig, dass es schwierig ist, sie aus den Schalen und Hülsen herauszulösen. Eine einfache Methode, um Saatgut über den Winter aufzuheben, ist, die Samenkapseln an den Stielen zu belassen und die Stiele trocken aufzubewahren. Im Frühling muss man dann nur noch die Stiele abschütteln, um die Aussaat zu erledigen. In der Natur ist es ganz normal, dass nicht alles aufgeht. Die besten Samen setzen sich durch.

 

Warum Hybridsorten gefährlich sind

Was nicht samenfest ist, kann eigentlich nicht biologisch sein, auch wenn bio draufsteht. Es ist sogar erlaubt, Obstsorten als bio zu bezeichnen, wenn sie gar keine Kerne besitzen – so wie das bei Trauben schon fast normal ist. Samenfest bedeutet, dass aus den Sämlingen Pflanzen heranwachsen, die Frucht-Sorten mit denselben Eigenschaften hervorbringen wie die Mutterpflanzen. Das ist leider nicht selbstverständlich, denn viele Samen sind unfruchtbar oder dürfen gar nicht angebaut werden oder führen zu überraschenden Ergebnissen. Hybrid-Pflanzen (mit F1 gekennzeichnet) sind nicht gentechnisch verändert, aber Kreuzungen von verschiedenen Sorten. Die Samen von Hybriden sind nicht sortenecht, sondern es entstehen unberechenbare Mischungen, die sich von Generation zu Generation immer weiter aufspalten. Sie können den Befall von Schädlingen begünstigen, wie das zum Beispiel bei der Reblaus der Fall ist. Der unkontrollierte Anbau von Weintrauben ist daher verboten.

 

Samenfeste Gemüsepflanzen

Ursprüngliche Sorten sind samenfest und man kann sie daher ganz einfach aus Samen ziehen, ohne sie veredeln zu müssen. Sie haben oft eine dickere Schale, schmecken säuerlich und weniger süß als moderne Zuchtsorten. Sie enthalten außerdem eine höhere Nährstoffdichte, mehr Bitterstoffe, aber auch mehr Fasern und weniger Wasser. Eigenes Saatgut, das von Generation zu Generation weitergegeben wird, hat den Vorteil, dass es an die Region angepasst ist und daher weniger Pflege benötigt. Es ist den Kapriolen der freien Natur ausgeliefert und besitzt daher kein gleichmäßiges Aussehen, sondern weist eine größere Vielfalt auf.

Samenfestes Saatgut ist zum Beispiel in folgenden Online-Shops erhältlich: reinsaat.at, samen-maier.at, shop.arche-noah.at, naturgarten-scheidl.at, gaertnerei-empel.de, pflanzmich.de, manufactum.at. Hier findet man hauptsächlich Blumen, Kräuter und viele Gemüsearten. Möchte man allerdings Obst anbauen, ist der Erwerb nicht so einfach.

Auch Holunder lässt sich problemlos vermehren. Foto (C) Irmgard Brottrager
Auch Holunder lässt sich problemlos vermehren. Foto (C) Irmgard Brottrager

 

Samenfeste Obstsorten

Samenfeste Obstsorten sind Raritäten. Am ehesten sind samenfeste Physalis und Melonen erhältlich, die eigentlich zur den Kürbisgewächsen gehören. Weintrauben und Holunder lassen sich durch Stecklinge vermehren. Außerdem kann man sich direkt in der Natur bedienen und Sprösslinge von Wildobst-Arten ziehen. Hier bieten sich Maroni an, Walnüsse, Haselnüsse, Sauerdorn, Kornelkirschen, Moosbeeren, Heidelbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Preiselbeeren, Erdbeeren, Bocksdorn (Goji-Beeren), Andenbeeren, Maulbeeren, Sanddorn, Apfelbeeren (Aronia), Weißdorn, Hagebutten, Kirschpflaumen (Kriechen-Pflaumen, Kriecherl, Zibarte), Mehlbeeren, Schlehe, Speierling, Mispeln, Elsbeeren, Vogelbeeren, Vogelkirschen, Eberesche, Felsenbirnen, Holzäpfel, Mostbirnen, Elsbeeren und Quitten. Auch Indianerbananen (PawPaw), Korea-Kirschen, Minikiwis, sibirische Blaubeeren und Weinreben sind in wilder Form erhältlich. Bei wilden Sorten geht man sicher, dass sie auch ohne Betreuung überlebens- und fortpflanzungsfähig sind.

 

 

 

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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