Wintergarten selber bauen: Ratgeber & Anleitung

Neben Terrasse, Balkon und Loggia bietet ein Wintergarten eine sehr gute Möglichkeit, einen bei allen Witterungsverhältnissen nutzbaren, wohnungsnahen Außenraum zu schaffen. Die Wirkung solch einer Oase auf Wohlbefinden und Lebensenergien ist dabei nicht zu unterschätzen. Wir zeigen euch, was ihr beim Bau eines Wintergartens beachten solltet.

Relaxen im Wintergarten: Sind wir nicht alle ein bisschen Leguan und suchen die wohltuende Wirkung sonnendurchfluteter Räume?
Relaxen im Wintergarten: Sind wir nicht alle ein bisschen Leguan und suchen die wohltuende Wirkung sonnendurchfluteter Räume? (Foto: Avia Venefica)

 

Der eigene Wintergarten – Überlegungen & Vorbereitung

Ursprünglich diente ein Wintergarten dazu, empfindliche Pflanzen während der Wintermonate in einem geschützten und lichtreichen Raum zu platzieren. Mittlerweile sind die praktischen Aspekte den Aufenthaltsqualitäten gewichen, so dass vielfach über den Anbau eines Wintergartens nachgedacht wird. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass ein solcher zumeist problemlos an Neu- und Altbauten angegliedert werden kann. Vor allem im Rahmen eines Neubaus können vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten umgesetzt werden, solange die örtlichen Bauvorschriften eingehalten werden.

Demgegenüber kann der nachträgliche Anbau bei Bestandsbauten eventuell komplizierter ausfallen. Auch wenn die technischen Möglichkeiten ohne größere Einschränkungen angewendet werden können, kann die Gestaltung eines Wintergartens nur unter der starken Berücksichtigung der vorhandenen Gegebenheiten umgesetzt werden, so dass ein sinnvoller Kompromiss der eigenen Vorstellungen zugunsten der vorliegenden Möglichkeiten erreicht werden muss. Wenn baurechtliche Aspekte abgesichert sind und die Planung im Detail vollständig ist, steht dem Bau des eigenen Wintergartens nichts mehr im Weg.

Der ursprüngliche Zweck eines Wintergartens bestand darin, Pflanzen während der Wintermonate einen lichtreichen Raum zur Verfügung zu stellen
Der ursprüngliche Zweck eines Wintergartens bestand darin, Pflanzen während der Wintermonate einen lichtreichen Raum zur Verfügung zu stellen (Foto: Maja Dumat)

 

Rechtliche Aspekte, Anforderungen & Absicherungen

Grundsätzlich muss bedacht werden, dass der Bau eines Wintergartens in Deutschland nicht ohne eine entsprechende Baugenehmigung erlaubt ist. Welche baurechtlichen Vorgaben im individuellen Fall greifen, muss bei der örtlichen Baubehörde erfragt werden. Zur Beschaffung notwendiger Informationen und für die Abwicklung aller notwendigen Gespräche und Formalitäten ist im Zweifelsfall reichlich Zeit einzuplanen. Denn auch die Absprache mit Nachbarn ist teilweise notwendig, um bei Bedarf die Abstände zu den Grundstücksgrenzen schriftlich zu formulieren. Hier empfiehlt sich außerdem der direkte Austausch mit dem Hersteller des Wintergartens. Denn dieser kann auf entsprechendes Knowhow zurückgreifen und hilfreiche Tipps im Umgang mit Bauvorschriften und Vereinbarungen liefern.

Ein in diesem Kontext wichtiges Thema für Hauseigentümer ist die Einhaltung der Vorgaben der Energieeinsparverordnung, kurz EnEV. Hierbei wird der Wintergarten außer Acht gelassen. Das gilt allerdings nur, wenn der Raum lediglich für die Unterbringung von Pflanzen vorgesehen ist und eine kleinere Grundfläche als 15 Quadratmeter besitzt. Außerdem darf die Innenraumtemperatur im Jahresmittel nicht höher als 12 Grad Celsius betragen, so dass im Sommer weniger als zwei Monate gekühlt und im Winter weniger als vier Monate zusätzlich geheizt werden muss.

Richtig angelegt kann ein Wintergarten Energie sparen

Ansonsten handelt es sich bei einem Wintergarten um einen zusätzlichen Wohnraum, der wie das Wohnhaus den Vorgaben der EnEV entsprechen muss. Das Ziel ist die Sicherstellung von Wärmeschutzmaßnahmen und die Vermeidung von Wärmebrücken. Ansonsten wirkt sich der Anbau eines Wintergartens positiv auf die errechnete Energiebilanz gemäß EnEV aus, denn in jedem Fall wirkt er als eine Art geschlossener Windfang, so dass die anschließenden Wohnräume effektiv erwärmt werden.

Natürlich sollte der Wintergarten, als zusätzlicher Raum des Hauses, auch durch entsprechende Gebäudeversicherungen bedacht werden. Im Rahmen eines Neubaus geschieht dies automatisch, während bei Altbauten die Vereinbarung zusätzlicher Versicherungskonditionen notwendig ist. Außerdem empfiehlt sich aufgrund der umfangreichen Glasflächen, die Hausratversicherung um eine Glasversicherungspolice zu erweitern.

Grundlagen im Umgang mit Material & Konstruktion

Erfordert Geschick beim Bau: Wintergarten im englischen Landhausstil
Erfordert Geschick beim Bau: Wintergarten im englischen Landhausstil (Foto: Podknox)

Zugegeben, um einen einwandfrei konstruierten und fachlich hochwertig ausgeführten Wintergarten bauen zu können, bedarf es eines gewissen handwerklichen Geschicks. Wer bisher selten den Umgang mit Baumaterialien und Werkzeugen hatte, sollte sich im Vorfeld dazu erkundigen und bei Bedarf auch professionellen Rat in Anspruch nehmen. Neben dem erforderlichen Handwerkszeug und der Handhabung von Werkzeug muss allerdings auch schon im Rahmen der Planung des Wintergartens die endgültige Auswahl des genutzten Materials getroffen werden. Schließlich trägt das Material der Konstruktion nicht nur zur optischen Erscheinung bei, sondern bedeutet individuelle Vor- und Nachteile.

Kunststoff – Leicht & handlich

Wintergärten für Einfamilienhäuser und Reihenbauten werden bevorzugt aus Kunststoff hergestellt. Dieses leichte und strapazierfähige Material hat sich beim Bau kleinerer Wintergärten bewährt. Darüber hinaus kann ein Wintergarten aus Kunststoff beim Aufbau durch seine Anwendungsfreundlichkeit überzeugen. Im Gegensatz zu Holz und Metall werden diese Wintergärten mittlerweile auch als modulare Systeme angeboten. Diese erleichtern vor allem Laienhandwerkern den Aufbau erheblich und können außerdem vergleichsweise kostengünstig erworben werden. Zusätzlich bedeutet die Nutzung von Kunststoff, dass nachträgliche Wartungsarbeiten minimal ausfallen. Das Material reagiert gut auf Feuchtigkeit, Temperaturänderungen und Sonneinstrahlung, so dass lediglich auf oberflächliche Sauberkeit geachtet werden muss.

Holz – Klassisch & Attraktiv

Das zweite Material der Wahl ist Holz. Allerdings wird beim Bau von Wintergärten, abgesehen von der Deckenkonstruktion, kein Vollholz verwendet. Vielmehr kommt so genanntes Brettschichtholz zum Einsatz. Dieses speziell vorbereitete Holz besitzt hohe Trageigenschaften und ist formbeständig.

Klassischer Wintergarten aus Holz im amerikanischen Landhausstil
Klassischer Wintergarten aus Holz im amerikanischen Landhausstil (Foto: one2c900d / Flickr)

Neben den vergleichsweise intensiven Aufbauarbeiten ist technischer Holzschutz nach der Fertigstellung des Wintergartens notwendig. Das bedeutet, dass die Holzkonstruktion anhand von Lackierungen vor Feuchtigkeit und Sonneneinstrahlung geschützt werden muss. Genutzt wird eine atmungsaktive Holzlasur, die spätestens nach drei Jahren erneuert werden sollte. Wichtig ist ein effektiver UV-Schutz, so dass entsprechende Lacke ausgewählt werden. Darüber hinaus muss die Konstruktion gegen Feuchtigkeit geschützt werden. Spritzwasserschutz im Sockelbereich ist ebenso erforderlich wie der konstruktive Schutz gegen stehendes Wasser im Bereich der Decke. Dass alle baulichen Anschlüsse ebenfalls wasserdicht ausgebildet werden müssen, liegt auf der Hand. Im Innenraum des Wintergartens ist ebenso ein Anstrich notwendig. Dieser muss allerdings unter Zuhilfenahme hochwertiger Lacke und bei fachlich korrekter Ausführung lediglich in einem Intervall von zehn Jahren wiederholt werden. Die Nutzung von Holz zum Bau eines Wintergartens stellt die klassische Materialwahl dar. Holz besticht durch seine positiven synästhetischen Eigenschaften und ermöglicht eine behagliche Raumatmosphäre.

Aluminium – Robust & Stabil

Moderner Wintergarten mit Aluminiumkonstruktion und Rattan-Interieur
Moderner Wintergarten mit Aluminiumkonstruktion und Rattan-Interieur (Foto: Wicker Paradise)

Insbesondere bei der Umsetzung größerer Wintergärten sollte über den Einsatz von Aluminium nachgedacht werden. Auch wenn die Möglichkeit der Eigenfertigung mit diesem Material je nach Planung sehr begrenzt ausfallen kann, überzeugt Aluminium durch seine herausragenden baulichen und gestalterischen Eigenschaften. Da das Material durch Feuchtigkeit und UV-Strahlung oxidiert und einen „natürlichen“ Korrosionsschutz entwickelt, ist Aluminium denkbar pflegeleicht. Außerdem ist es einfach vorzubereiten und kann in verschiedenen optischen Ausführungen bezogen werden. Allerdings muss die hohe thermische Leitfähigkeit des Materials berücksichtigt werden. Das heißt, dass die konstruktiven Anschlüsse zum Haus professionell ausgeführt werden müssen. Bei mangelhafter Umsetzung ist ansonsten die Gefahr von Wärmebrücken sehr groß. Doch Aluminium ermöglicht auch eine kombinierte Bauweise mit Holz, um beispielsweise den Innenraum behaglicher zu gestalten. Die vielseitigen technischen Möglichkeiten im Umgang mit Aluminium bedeuten, dass konstruktiv und gestalterisch große Spielräume bestehen. Soll der Wintergarten also eine besonders ausgeklügelte Dachform besitzen, einen anspruchsvollen Grundriss beinhalten oder über mehrere Geschosse reichen, ist Aluminium das Material der Wahl.

Ausrichtung eines Wintergartens – Wie scheint die Sonne?

Bei Bestandsbauten ist die Auswahlmöglichkeit des Standortes eines Wintergartens zumeist begrenzt. Wenn allerdings bei der Platzierung die freie Wahl möglich ist, sollte diese Überlegung strategisch sinnvoll angegangen werden. Denn von großer Bedeutung für die Aufenthaltsqualität eines Wintergartens ist die Ausrichtung anhand der Himmelsrichtungen. Grundsätzlich sollte dabei eine komplette Ausrichtung gegen Norden aus energetischer Sicht vermieden werden. Abgesehen davon, dass aus dieser Richtung kein Sonnenlicht zu erwarten ist, bedeutet diese vom Gebäude abgewandte Seite, dass der Wintergarten zusätzlich verschattet wird. Wenn allerdings trotzdem eine Platzierung in dieser Richtung geplant wird, muss mit entsprechend intensiver Klimatisierung gearbeitet werden.

Wintergarten-Restaurant in Nepal in über 3000 Metern Höhe: Die klassische Ausrichtung eines Wintergartens ist gen Süden
Wintergarten-Restaurant in Nepal in über 3000 Metern Höhe: Die klassische Ausrichtung eines Wintergartens ist gen Süden (Foto: John Pavelka)

Besonders beliebt ist dahingegen die Ausrichtung nach Süden. Wie bei der Platzierung von Terrassen, Balkonen und Loggien kann an dieser Stelle des Gebäudes die intensive Sonneneinstrahlung bestens ausgenutzt werden. Aus diesem Grund können mit dieser Ausrichtung auch solarthermische Anlagen genutzt werden, so dass die energetische Versorgung des Wintergartens während des gesamten Jahres gesichert ist.

Die Ausrichtung des Wintergartens nach Osten oder Westen sollte dann besonders überlegt werden, wenn er nur zu bestimmten Tageszeiten zum Aufenthalt genutzt werden soll. Wird der Wintergarten nach Osten orientiert, so kann vor allem am Morgen und dem frühen Nachmittag das einfallende Sonnenlicht eine angenehme Atmosphäre schaffen. Das ist ideal für alle Tätigkeiten, die während dieser Zeit im Wintergarten stattfinden sollen. Um den Raum abends nutzen zu können, muss eine Beheizungsmöglichkeit eingeplant werden. Die Ausrichtung des Wintergartens nach Westen ist die perfekte Entscheidung für berufstätige Familien. Denn hier sorgt die Sonne am Nachmittag und Abend für reichlich Wärme, die bis in den späten Abend hinein genutzt werden kann und für eine angenehme Behaglichkeit sorgt.

Nach der Fertigstellung – Instandhaltung & Klimatisierung

Je nach Art des Wintergartens ist die Pflege von Glasflächen und Rahmenkonstruktionen mal mehr und mal weniger aufwändig
Je nach Art des Wintergartens ist die Pflege von Glasflächen und Rahmenkonstruktionen mal mehr und mal weniger aufwändig (Foto: Joe Calhoun)

Wenn der Wintergarten errichtet wurde und genutzt werden kann, sollte eine entsprechende Pflege zur Routine werden. Neben der regelmäßigen Kontrolle der Außenflächen ist es vor allem im Frühjahr und am Ende des Herbstes notwendig, Glasflächen, Fensteröffnungen und Wasserabflüsse zu reinigen. Um dies zu erleichtern, sollte das schon bei der Planung des Wintergartens bedacht werden. Zusätzlich kann die Nutzung professioneller Reinigungsdienste sinnvoll sein. Darüber hinaus sollten Scharniere und Beschläge gereinigt und gefettet werden. Auch Abdichtungen aus Gummi bedürfen einer regelmäßigen Kontrolle, um Rissen vorzubeugen und zeitnah Ersatz zu beschaffen. Außerdem sind alle elektronischen Einrichtungen rechtzeitig zu warten.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Auswahl der elektronischen Klimatisierung des Wintergartens. Um diesen ganzjährig nutzen zu können, ist eine zusätzliche Beheizung notwendig. Welche Klimatisierungsanlagen individuell sinnvoll sind, muss dabei im Rahmen der Planung überlegt werden. Denn entsprechend der persönlichen Vorlieben und dem jeweiligen Nutzungsverhalten können sehr unterschiedliche Heizungsarten eingesetzt werden, die im Gespräch mit professionellen Anbietern auf die eigenen Ansprüche abgestimmt werden.

Der perfekte Wintergarten – Vorbereitung ist Alles!

Es muss ja nicht immer ein Wintergarten sein. Manchmal tut es auch ein schöner "Sunroom"
Es muss ja nicht immer ein Wintergarten sein. Manchmal tut es auch ein schöner „Sunroom“
(Foto: Eric Chan)

Insbesondere bei der Planung eines Wintergartens sind einige wichtige Aspekte zu berücksichtigen, vor allem, wenn ohne professionelle Planung gearbeitet werden soll. Um allerdings langfristig Mängel und Probleme zu vermeiden, sollte eng mit fachlicher Unterstützung gearbeitet werden. So kann sichergestellt werden, dass der eigene Wintergarten auch auf lange Sicht perfekt ist und bleibt.

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Über Long Wang 323 Artikel
Meister Long Wang ist seit 2007 Teil des Everyday Feng Shui Redaktionsteams und bereichert seither als Experte für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) mit seiner fernöstlichen Perspektive auf die Welt unsere Plattform. Zu erreichen ist er unter l.wang@everyday-feng-shui.de

1 Kommentar

  1. Danke für die vielen Ideen zum Wintergarten! Wir sind gerade mitten in der Planung – zwar ein bisschen spät, aber hoffentlich noch fertig vorm großen Frost. Vielleicht entscheiden wir uns für Aluminium, da es ja wohl mehr gestalterische Freiräume zulässt. Danke für diese Info! VG

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