Birken-Alarm: Sogar Pollen geraten in Stress

Viele Jahre wohnte ich in einer herrlichen Dachgeschosswohnung in wunderbarer Lage. Ich hätte sie gegen keine Villa eintauschen wollen. Aber einen entscheidenden Haken hatte die Traumwohnung doch: Im Hinterhof wuchs eine riesige, alte Birke.

Birkenpollen machen Allergikern im Frühjahr das Leben schwer Birkenpollen machen Allergikern im Frühjahr das Leben schwer (Foto: NTNU)

Der Blick aus dem Küchenfenster war geradezu idyllisch, besonders im Frühjahr, wenn die hellgrünen Birkenblätter in der Sonne leuchteten. Ein wunderschönes Licht fiel dann in die Wohnung. Doch eines schönen Frühlings war es plötzlich vorbei mit dem Genuss. Die Augen tränten, die Nase lief, ich nieste ohne Unterlass – es entwickelte sich bei mir offenbar eine Birkenpollenallergie.

Damit lag ich quasi im Trend. Denn die Zahl der Menschen, die unter Heuschnupfen leidet, hat in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass etwa 15 Prozent der Deutschen Heuschnupfen haben. Frauen sind stärker betroffen als Männer, junge mehr als ältere Menschen.

Weniger Birkenpollen in diesem Jahr

2015 sei ein gutes Jahr für Birkenpollenallergiker, las ich jüngst in der Welt. Es fliegen nämlich in diesem Jahr weitaus weniger Birkenpollen durch die Lüfte als noch 2014. Das ist allerdings kein Trend, sondern eine ganz übliche Sache in der Natur. Auf ein besonders heftiges Pollenjahr folgt in der Regel eine Zeit, in der weniger Pollen produziert werden. 2014 war demnach ein sogenanntes Mastjahr mit besonders vielen Pollen. Und das nächste Mastjahr kommt – leider – mit Sicherheit.

Augenjucken, Nasenlaufen, Niesanfälle, Husten und Müdigkeit sind die am häufigsten auftretenden Symptome bei Pollenallergien Augenjucken, Nasenlaufen, Niesanfälle, Husten und Müdigkeit sind die am häufigsten auftretenden Symptome bei Pollenallergien (Foto: William Brawley)

Ob es sich tatsächlich um ein gutes Jahr für Birkenpollen-Geplagte handelt, sei außerdem dahingestellt. Denn für manche Allergiker dürfte kaum ein Unterschied zu spüren sein. Es kommt ganz auf den jeweiligen Wohnort an. Allein innerhalb von Berlin wurden bei einer Untersuchung der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst ganz unterschiedliche Pollenkonzentrationen gemessen. So gab es von einem zum nächsten Bezirk Schwankungen von 200 Prozent.

Die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst erwartet zwar für dieses Jahr weniger Birkenpollen als 2014. Grundsätzlich nehme die Belastung durch Birkenpollen aber zu. Die Fachleute kritisieren besonders, dass in Städten weiterhin Birken angepflanzt werden. Birkenpollen sind ohnehin schon weit verbreitet. Mehr als zwei Drittel der wichtigsten umherfliegenden allergenen Pollen sind nach Angaben der Stiftung Birkenpollen.

Birken im Stress

Genauso wichtig wie die Menge an Pollen ist vielleicht auch ihre Beschaffenheit. So las ich mit Erstaunen, dass die Pollen mit zunehmender Luftverschmutzung aggressiver werden. Fachleute gehen davon aus, dass den Pflanzen wie uns Menschen auch die schlechte Luft zusetzt. Derart unter Stress produzieren die Birken ein bestimmtes Molekül, das bei empfindlichen Menschen die Pollenallergie auslöst.

Das gleiche Molekül findet sich auch in den Pollen anderer Bäume sowie in verschiedenen Früchten. So ist zu erklären, dass viele Menschen nicht nur auf eine Pollenart, sondern gleichzeitig auch auf bestimmte Kern- und Steinobstsorten allergisch reagieren. Es ist dann von Kreuzallergien die Rede. Die Pollen führen zu Niesanfällen, juckenden Augen und triefender Nase, während das Obst für ein Jucken oder Kratzen in Mund und Hals sorgt.

Jede Menge Medikamente

Ärzte empfehlen Allergikern oft eine Hyposensibilisierung, um das Immunsystem mit viel Geduld an den Allergie auslösenden Stoff zu gewöhnen. Eine solche Hyposensibilisierung dauert lange, und im schlechtesten Fall hilft sie gar nicht. Viele halten die anstrengende, dreijährige Therapie gar nicht durch. Für Pollenallergiker gibt eine Menge Medikamente, die die Symptome lindern sollen. Und es gibt ungezählte Tipps und Hausmittelchen. Diese können vor allen Dingen denjenigen helfen, die „nur“ für bestimmte Pollen sensibilisiert sind, aber (noch) nicht allergisch reagieren. Es kann allerdings ziemlich mühselig sein herauszufinden, was im Einzelfall hilft. Empfehlen kann ich Dampfbäder mit Kochsalz oder Fenchelöl. Letztlich gilt aber eine einfache Formel: Effektiv ist nur das Meiden der Pollen. Dazu müsste man allerdings die Pollenzeit auf einer einsamen Insel oder vielleicht in einer tiefen Höhle verbringen.

Quellen:

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Über Susanne Raven 117 Artikel
Susanne ist freie Autorin und als Feng Shui Enthusiastin seit 2007 Betreiberin von Everyday Feng Shui. Die gelernte Logopädin hat sich zum Ziel gesetzt, traditionelles Feng Shui im deutschsprachigen Raum populärer zu machen. Susanne erreicht ihr unter info@everyday-feng-shui.de

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