Ambrosia: Ein illegaler Schädling wird zur Hoffnung für Allergiker

Sie ist anspruchslos und gedeiht überall: in Gärten, am Feldrand, neben der Autobahn oder mitten in der Stadt. Wäre die Pflanze so harmlos wie sie aussieht, schenkten wir ihr wohl kaum Beachtung. Doch die Ambrosia ist nicht ungefährlich: Schon wenige ihrer Pollen können heftige allergische Reaktionen auslösen. Die Pflanze wieder loszuwerden, scheint kaum möglich. Doch nun gibt es Hoffnung.

Ambrosia als Jungpflanze Ambrosia als Jungpflanze (Bildquelle: ambrosia.met.fu-berlin.de)

Die Ambrosia ist nicht nur äußerst anspruchslos, sondern auch besonders hartnäckig. Wird sie nicht mitsamt ihrer Wurzeln entfernt, wächst die Pflanze munter weiter. Und selbst wenn es gelingt, die Wurzel komplett aus dem Boden herauszuziehen, bedeutet das noch lange nicht das Aus für die aus Amerika stammende Pflanze: Ihre Samen bleiben in der Erde bis zu 40 Jahre lang keimfähig.

Biologen haben zudem beobachtet, dass sich die eingewanderte Pflanze in Europa offenbar besonders wohlfühlt. Die hiesige Ambrosia-Variante keimt öfter und schneller als das nordamerikanische Original. An das europäische Klima hat sich das beifußblättrige Traubenkraut seit seinem ersten registrierten Auftreten im Jahr 1860 offenbar bestens angepasst. Zudem profitiert die Pflanze vom Klimawandel, während sie gleichzeitig frostbeständiger wird. Wissenschaftler gehen daher davon aus, dass sich die Ambrosia hierzulande künftig noch stärker ausbreiten wird.

In der Schweiz steht Ambrosia auf der Schwarzen Liste

Ambrosia-Pollen
Ambrosia-Pollen (Foto: Frank Mayfield)

Für alle Menschen, die mit Allergien leben, ist das eine besonders schlechte Nachricht. Denn die Ambrosiapollen zählen zu den stärksten Allergieauslösern. Sechs Pollen pro Kubikmeter Luft reichen aus, um bei Allergikern Reaktionen hervorzurufen. Fliegen elf Pollen durch den Kubikmeter Luft, wird bereits von einer starken Belastung gesprochen. Angesichts dessen geht die Schweiz systematisch gegen den pflanzlichen Eindringling vor. Die Ambrosia steht dort seit 2006 auf der Schwarzen Liste der invasiven Arten. Es gilt eine Bekämpfungs- und Meldepflicht. Seit 2005 schon muss Vogelfutter, das als eine große Verbreitungsquelle gilt, in der Schweiz frei von Ambrosiasamen sein.

Längst nicht soweit ist man in anderen Ländern, in denen sich das beifußblättrige Traubenkraut ausbreitet. In Deutschland gibt es an verschiedener Stelle Versuche, die Pflanze wieder loszuwerden. Doch oft scheinen diese Versuche aussichtslos zu sein wie etwa im brandenburgischen Drebkau, wo jedes Jahr aufs Neue Hunderttausende Ambrosiapflanzen gefunden werden. Berlin hat mit der Freien Universität schon vor einigen Jahren ein Aktionsprogramm gegen Ambrosia gestartet. Der Senat schickt jedes Jahr Ambrosia-Scouts durch die Straßen, um die Eindringlinge möglichst zu finden, bevor sie ihre Blüten ausbilden. Wer selbst einen Pflanzenfund melden möchte, kann das auf der Seite des Aktionsprogramms tun. Es ist dort auch der Ambrosia-Atlas für Berlin und Brandenburg zu finden, der laufend aktualisiert wird. Gute Fotos und Beschreibungen zum Erkennen der Ambrosia gibt es hier.

Hoffnung auf natürliche Lösung

Pergamenthandschrift aus dem 5. Jh. n. Chr.: Botanische Beschreibung der Ambrosia
Pergamenthandschrift aus dem 5. Jh. n. Chr.: Botanische Beschreibung der Ambrosia
(Foto: weisserstier)

Inzwischen ist auch die Europäische Union aktiv geworden. In Futtermitteln sind Ambrosiasamen seit 2011 verboten. Kommission und Parlament haben sich jüngst darauf geeinigt, strikter gegen sogenannte Bio-Invasoren vorzugehen. Ob allerdings die Ambrosia überhaupt zu den Pflanzen zählen wird, die auf die Schwarze Liste der EU kommen, steht noch nicht fest. Vielleicht kommt auch jede EU-Verordnung gegen das hartnäckige Kraut zu spät.

Manche Fachleute hoffen, dass sich das Problem doch noch auf natürliche Weise lösen könnte. Es ist nämlich im Norden Italiens und in der südlichen Schweiz ein Käfer aufgetaucht, der wie die Ambrosia ursprünglich aus Amerika stammt. Die für Allergiker gefährliche Pflanze schmeckt dem Ambrosia-Blattkäfer offenbar besonders gut. Er scheint beim Fressen seiner Leibspeise auch sehr effektiv zu sein. In dem Fall könnte es also durchaus positiv sein, dass der Käfer durch die engen Maschen der Schweizer Regeln gegen Bio-Invasoren geschlüpft ist. Noch ist aber nicht sicher, ob sich der Käfer nur an die Ambrosia hält oder womöglich auch anderen Pflanzen oder Tieren schadet. Dann wäre ein Problem gelöst, aber mindestens ein neues hinzugekommen.

Quellen:

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Über Susanne Raven 118 Artikel
Susanne ist freie Autorin und als Feng Shui Enthusiastin seit 2007 Betreiberin von Everyday Feng Shui. Die gelernte Logopädin hat sich zum Ziel gesetzt, traditionelles Feng Shui im deutschsprachigen Raum populärer zu machen. Susanne erreicht ihr unter info@everyday-feng-shui.de

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