Tiny-Houses: Klein, kleiner, am kleinsten

Kleinsthäuser von 8 bis 50 m2 für Singles und Paare sind eine trendige Alternative für Menschen ohne Kinder. Mit ihrer kuscheligen Atmosphäre erinnern sie an Urgroßmutters Zeiten, als man noch enger zusammenrückte.

Tiny-House-Einrichtung aus biologisch behandeltem Vollholz. Foto und Info: http://www.mex.co.at
Tiny-House-Einrichtung aus biologisch behandeltem Vollholz. Foto und Info: http://www.mex.co.at

 

Klein, aber mein

Eines muss man schon sagen: Für Leute, die gerne putzen, ist so ein Winzighäuschen nichts, denn da gibt es nicht viel zu tun. Wenn man rechnet, dass man sich eine halbe Stunde Hausarbeit pro Woche erspart, sind das immerhin 26 Stunden im Jahr, die an körperlicher Betätigung wegfallen. Auch zum Protzen und Angeben sind die Objekte kaum geeignet. Man könnte sie glatt mit putzigen Gartenschuppen oder charmanten Garagen verwechseln. Sie fallen eher in die Kategorie „Klein, aber oho“ oder „Klein und fein“ – je nach stilistischer Fassaden-Gestaltung. Im Gegensatz zu Mietobjekten besitzen sie nicht nur eine gestaltbare Außenhaut, sondern duften auch nach Freiheit, Selbstbestimmung und Autarkie. Tiny-Häuser sind eine Option für kreative Menschen und solche, die es wagen, anders zu wohnen als sie anderen. Sie eignen sich außerdem als Zweitwohnsitze, Ferien-Häuschen, Zubauten, Ateliers, Gäste-Appartements, Bürogebäude, Schauräume, Fitness-Studios, Schulungsräume, Wellness-Oasen, Hobbywerkstätten, Wintergärten und Übergangswohnungen für eine bestimmte Zeit. Und stellen bezahlbare Alternativen zu WG-Zimmern und Miet-Garconnieren dar. Im Gegensatz zu üblichen Wohnungen sind sie nicht nur nach innen orientiert (außen darf man ja nichts angreifen), sondern leben auch vom Bezug zum Außenraum.

 

Fahrbar, mobil oder nicht mobil?

Nicht alle Mini-Häuschen sind mobil und nicht alle Mobil-Häuser sind fahrbar. Ein Haus kann auch mobil sein, wenn es einfach auf einer Fundamentplatte oder einen Stahlgerüst abgestellt wird, mit keinen oder minimalen Verbindungen. Wenn es versetzt werden soll, wird es auf die gleiche Weise abtransportiert, wie es angeliefert wurde – nämlich mit einen Sattelschlepper oder Tieflader. Fahrbare Häuser stehen auf keinem festen Unterbau, sondern auf einem Plattform-Trailer (frei stehender Auto-Anhänger mit Ladefläche und arretierbarer Deichsel). Sie können lang sein wie ein „richtiges“ Haus, müssen für die Verkehrstauglichkeit aber schmal sein wie Zug-Waggons. Zur Verbreiterung der Wohnfläche sind ausziehbare Bereiche (Erker) oder Terrassen möglich. Man kann auch zwei Einheiten (oder mehr) aneinanderkoppeln und auf diese Weise die doppelte Breite erhalten. Für Fahrzeuge (zu denen auch Anhänger zählen) gelten andere gesetzliche Bestimmungen als für Häuser. Man benötigt nur eine Abstell-Erlaubnis und keine Baugenehmigung.

 

Autark oder mit festen Anschlüssen?

Beide Ausführungen sind möglich. Die Häuschen können ganz normal an das örtliche Versorgungsnetz angeschlossen sein mit Strom, Wasser, Kanal, Gas und so weiter. Sie können aber auch völlig (oder teilweise) autark sein. Für die Heizung bieten sich folgende Varianten an:

  • Flüssiggas (Propangas) in der Flasche
  • Solaranlage
  • Luft-Wärmepumpe
  • Infarotheizung
  • Schwedenofen

Die Sanitäranlagen können mit Wassertanks betrieben werden, wobei das WC auch eine Kompost-Toilette sein kann.

 

Lieferzeit und Montage

Eine Bauzeit im herkömmlichen Sinn gibt es meist nicht – es sei denn, sie werden in Eigenregie gebaut. Die Objekte werden meistens in den Produktionsräumen des Herstellers vorgefertigt und nach wenigen Monaten schlüsselfertig geliefert. Die finalen Anpassungsarbeiten dauern nur noch wenige Tage, wenn das Fundament rechtzeitig vorbereitet wurde. Manche Hersteller haben ausgeklügelte Konzepte – zum Beispiel mit Stahl-Containern, Holzständer-Konstruktionen, Vollholzwänden oder kombinierbaren Modulen. Andere sind völlig offen für alle Kundenwünsche und liefern maßgeschneiderte Lösungen.

Anlieferung mit einem Lieflader-LKW. Foto und Info: http://www.mex.co.at
Anlieferung mit einem Lieflader-LKW. Foto und Info: http://www.mex.co.at

 

Ausführung und Innenleben

Die meisten Häuschen sind kaum größer als ein Zimmer – auch wenn sie aus unterschiedlichen Raumbereichen bestehen. Alles, was man für das Leben braucht, ist auf kleinstmöglicher Fläche zusammengefasst. Das Ergebnis kann durchaus großzügig aussehen und auch komfortabel sein. Man glaubt ja gar nicht, wie viele Flächen und Winkel in einer normalen Wohnung ungenutzt bleiben. In einem Tiny-Haus gibt es keine überflüssigen Hohl- und Lufträume. Alles ist ausgetüftelt und durchorganisiert. Die raffinierten Details sind nicht nur höchst effizient, sondern bereiten auch Freude. Da sich alles in Griffweite befindet, können die Winzlinge sogar praktischer sein als weitläufige Häuser. Der Innenausbau ist ein wesentlicher Teil der Gesamtplanung. Er sollte unbedingt gleichzeitig erfolgen und qualitativ hochwertig ausgeführt werden, um maximales Wohlbefinden zu gewährleisten. Die Innenräume haben schließlich Kabinen-Charakter und sind wie Möbel zu bewerten. Auch die Haushaltsgeräte und Sanitäreinrichtungen werden nicht nachträglich ausgesucht, sondern von vorneherein mitgeplant.

Außenseitig sind die verschiedensten Fassaden-Designs möglich: auffällig stylisch, unauffällig minimalistisch, romantisch verspielt, peppig bunt, klassisch elegant, technisch kühl oder urig rustikal. Manche richten ihre Häuschen wie Zug-Waggons her, andere verzieren sie mit kunstvollen Gemälden oder begrünen sie mit üppigen Pflanzen. Für die Fassadenbegrünung sind diverse Systeme im Handel, die mobile, vertikale Kleingärten erlauben. Die Pflanzen sind hier nicht im Boden verwurzelt sind, sondern wachsen in speziellen Wand-Behältern. Wie bei Wohnmobilen spielt sich ein Großteil des Lebens im Freien ab. Daher sollte auch eine schöne Terrasse mit Sonnenschutz nicht fehlen.

Mobiles Tiny-House mit Holzfassade, Solarkollektoren und Plattform-Trailer. Foto und Info: http://www.mex.co.at
Mobiles Tiny-House mit Holzfassade, Solarkollektoren und Plattform-Trailer. Foto und Info: http://www.mex.co.at

 

Raumsparende Schlafplätze

Den meisten Platz nimmt das Bett weg – vor allem, wenn es ein großes sein muss für zwei oder mehr Personen. Breite Doppel- oder Familienbetten werden meist mit Bett-Laden ausgeführt. Tagsüber kann die Fläche zur Sofa-Landschaft werden oder unter die Decke gezogen werden. Oder die Bettebene ist fix in Hochbett-Position angebracht und man erreicht sie mit einer Leiter beziehungsweise Treppe. Die Treppe kann zugleich Stauraum sein. Auch Bettsofas und klappbare Betten sind möglich. Ebenso können Tischflächen aus den Wandflächen heraus geklappt werden, wenn Gäste kommen. Die meisten Tiny-Houses können viel mehr, als man ihnen auf den ersten Blick zutrauen würde.

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Irmgard Brottrager
Über Irmgard Brottrager 750 Artikel
Irmgard Brottrager ist Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur, Fachredakteurin und Fengshuiberaterin in Graz. Sie beschäftigt sich vorzugsweise mit Aufgaben, die mit dem Menschen und seinem Umfeld zu tun haben. Irmgard erreicht ihr unter i.brottrager@everyday-feng-shui.de

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