Von ungewollten und unverhofften Geschenken

Die Überschrift über einer Meldung zu einer Umfrage hat mich dieser Tage wirklich beeindruckt: Zehn Millionen Menschen wollen Geschenke im Internet weiterverkaufen. In der Mitteilung ging es darum, dass etwa 15 Prozent der Bevölkerung plant, unerwünschte Gaben nach dem Weihnachtsfest online wieder loszuwerden. Die Betonung lag auf „online“. Ich fand es allerdings viel bemerkenswerter, dass es für so viele Menschen offenbar selbstverständlich ist, ungewollte Geschenke anzunehmen.

Warum lassen wir uns Geschenke schenken, die wir nach Weihnachten gleich wieder weiterverkaufen?
Warum lassen wir uns Geschenke schenken, die wir nach Weihnachten gleich wieder weiterverkaufen? (Foto: GioLovesYou)

Der Branchenverband der digitalen Wirtschaft Bitkom hatte die repräsentative Umfrage zum Umgang mit unliebsamen Weihnachtsgeschenken in Auftrag gegeben. Als hervorstechendes Ergebnis nannte der Verband den gestiegenen Anteil derjenigen, die planen, ihre ungewollten Geschenke im Internet zu verkaufen oder zu versteigern. Während das im vergangenen Jahr hochgerechnet noch acht Millionen Menschen ab einem Alter von 14 Jahren waren, sind es in diesem Jahr laut Bitkom zehn Millionen.

Schenken als beliebige Angelegenheit

Nun kann ich gut nachvollziehen, dass es für den Branchenverband eine schöne Nachricht ist, wenn mehr Geschäfte über das Internet abgewickelt werden. Was mir an der Sache sauer aufstößt, hat weder etwas mit dem Internet an sich noch mit wirtschaftlichen Interessen von Unternehmen zu tun. Es ist vielmehr die Tatsache, dass das Schenken anscheinend eine ziemlich beliebige Angelegenheit (geworden) ist.

An Üppigkeit kaum zu überbieten: Geschenke unter einem deutschen Weihnachtsbaum an Heilig Abend
An Üppigkeit kaum zu überbieten: Geschenke unter einem deutschen Weihnachtsbaum an Heilig Abend (Foto: Mike_fleming)

Bei uns zu Hause gab es früher eine große Truhe, in der über die Jahre allerlei unpassende Gaben landeten. Selbst gestickte Tischdeckchen waren darunter, Zierteller oder unförmige Blumenvasen. Allen gemein war dies: Liebe Menschen hatten viel Zeit oder Geld aufgebracht, um diese Geschenke geben zu können. Sie nicht anzunehmen, kam gar nicht infrage. Genauso abwegig wäre die Idee gewesen, den Briefbeschwerer vom Großonkel oder die gehäkelten Eierwärmer von der betagten Nachbarin weiter zu verschenken oder gar zu verkaufen.

Die Truhe gibt es heute noch, doch seit Jahren schon ist sie leer. Seitdem ist sie übrigens zu einem schönen, leichten Möbelstück geworden. Natürlich ist sie äußerlich unverändert. Doch das Wissen darum, dass sich in ihrem Inneren nur Luft statt lästiger Altlasten befindet, macht ihre Erscheinung so freundlich.

Wünsche klar benennen

So betrachtet, ist es selbstverständlich gut, dass so manche Hemmschwelle aus früheren Zeiten verschwunden ist. Ungewollte Geschenke weiterzuverkaufen ist allemal besser als die Dinge in Kisten, Schränken oder Kellern zu horten. Aber warum kommt es überhaupt zu so vielen unerwünschten Gaben? Offenbar gibt es ja kaum noch moralische Bedenken, Geschenktes gegen Geld an andere weiterzugeben. Dann sollte es doch ebenso einfach möglich sein, solche unerwünschten Geschenke gar nicht erst anzunehmen. Oder noch besser: es nicht zu solchen Geschenken kommen zu lassen. Dazu müsste man einfach die eigenen Wünsche klar formulieren.

Vielleicht hilft im allgemeinen weihnachtlichen Geschenkerummel ein Blick ins Lexikon. Der Begriff des Schenkens geht nämlich auf das Einschenken zurück. Der Wortstamm jedenfalls bezieht sich auf das Bewirten eines Gastes. Das ist doch ein schönes Geschenk: die Einladung, Gast zu sein und sich einschenken zu lassen. Und wenn wir schon dabei sind, können wir noch die wirklich wichtigen Dinge schenken. Das sind diejenigen, die gar nicht so leicht zu schenken sind, die aber sehr gern angenommen werden: Aufmerksamkeit, Gehör, Beachtung oder auch Vertrauen.

Quellen:

www.bitkom.org – 10 Millionen wollen Geschenke im Web weiterverkaufen

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