Zukunftsszenarien: Fraunhofer Forscher entwickeln drei aufschlussreiche Blicke in die Zukunft

Oft genug wird noch nicht einmal der Wetterbericht für den nächsten Tag Wirklichkeit. Wenn sich Wissenschaftler daran machen, die Welt von übermorgen vorherzusagen, ist also Skepsis angesagt. Ein Blick auf die Ergebnisse eines solchen groß angelegten Projekts von sieben Fraunhofer-Instituten ist dennoch aufschlussreich.

Wie nah sind Zukunftsszenarien an der Realität? - So malte man sich die Zukunft von Boston Anfang des 20. Jahrhunderts aus
Wie nah sind Zukunftsszenarien an der Realität? – So malte man sich die Zukunft von Boston Anfang des 20. Jahrhunderts aus (Historische Postkarte: Reichner Brothers)

Bei dem Forschungsprojekt ging es den Wissenschaftlern vor allen Dingen um die Frage, wie künftig die knapper werdenden Ressourcen effizienter eingesetzt werden können. Dabei loteten sie die Möglichkeiten aus, die ein besonders kleinteiliges Recycling bietet. Denn Glas, Holz oder andere Werkstoffe könnten weitaus besser wiederverwertet werden als heutzutage üblich. Dazu müssten die Materialien viel genauer in ihre Einzelbestandteile zerlegt werden, sodass sie besser wieder eingesetzt werden können.

Perfektes Recycling als Zukunftsmodell

Technisch ist demnach ein nahezu perfektes Recycling möglich. Aber wie weit wird das künftig zum Tragen kommen? Auch mit dieser Frage beschäftigten sich die Wissenschaftler der Fraunhofer-Institute. Dazu entwickelten sie drei Szenarien, wie die Welt im Jahr 2030 aussehen könnte.

Glas-Recycling: Auch hier besteht noch erheblicher Optimierungsbedarf
Glas-Recycling: Auch hier besteht noch erheblicher Optimierungsbedarf (Foto: Michael Coghlan)

Schon vor einiger Zeit warnten verschiedene Stellen wie die Umweltorganisation WWF, dass wir im Jahr 2030 eine neue Erde brauchen, wenn wir so weitermachen wie bisher. Denn während der Bedarf und der Verbrauch von Rohstoffen weiter wachsen, verschwindet die Natur. Zwar gibt es längst auch weltweite Absichtserklärungen, es künftig in Sachen Umweltschutz besser zu machen. So einigten sich die Länder bereits im Jahr 1992 in Rio de Janeiro auf die Konvention zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Das weltweite Artensterben konnte aber damit nicht verhindert werden. Im Gegenteil: Wir befinden uns offenbar mitten in einer Welle des Artensterbens.

Nachhaltigkeit in allen Bereichen

Wie also werden wir die Welt im Jahr 2030 gestalten? Die Fraunhofer-Forscher haben im Rahmen ihres Projekts zum Ressourceneinsatz drei Szenarien für die Zukunft entwickelt. Das erste Szenario trägt den schönen Titel „Grüne neue Welt“. Eine solche könnte Wirklichkeit werden, falls sich der Gedanke der Nachhaltigkeit möglichst umfassend durchsetzt und zur Selbstverständlichkeit wird. Im Modell der schönen, grünen neuen Welt sind vor allen Dingen auch die Unternehmen darauf eingestellt, Energie und Rohstoffe besonders sparsam einzusetzen. Die technologische Entwicklung ist dementsprechend weit vorangeschritten, sodass viel mehr recycelt werden kann als heute.

Oder werden wir am Ende alles Leben auf der Erde zerstören?
Oder werden wir am Ende alles Leben auf der Erde zerstören? (Foto: geyergus)

Regelrecht Angst machen kann dagegen das zweite Szenario der Fraunhofer-Forscher. Ohne einen Wertewandel hin zur Nachhaltigkeit nämlich könnte sich das Gegenteil durchsetzen. Das zugehörige Zukunftsbild für die Welt im Jahr 2030 sieht düster aus. „Nach uns die Sintflut“ ist der Titel dieses Katastrophen-Szenarios. Dieses kann Realität werden, falls Ressourcen weiterhin zu großzügig eingesetzt werden und Unternehmen nicht in nachhaltige Technologien investieren. Kosten und Preise bestimmen in diesem Zukunftsbild die Entscheidungen. Überlegungen zum nachhaltigen Einsatz von Ressourcen spielen dagegen kaum eine Rolle.

Die Mitte ist nicht golden

Das dritte Szenario beschreibt den Mittelweg zwischen idealer Entwicklung und Katastrophe. Ein goldener Weg ist das aber nicht. „Weiter wie gehabt“ heißt das Motto in diesem Fall. Nachhaltigkeit ist zwar in aller Munde, wird aber tatsächlich nur ansatzweise umgesetzt. Die Beschreibung dieses Szenarios liest sich leider sehr überzeugend, weil sie den aktuellen Stand der Dinge recht gut abbildet. Politik und Wirtschaft erkennen in diesem Modell durchaus die Notwendigkeit nachhaltigen Handelns. Entsprechende Gesetze werden aber oftmals über Jahre verwässert, falls sie überhaupt auf den Weg gebracht werden. Investitionen in ressourcenschonende Technologien finden nur statt, wenn es für die Unternehmen Kostenersparnisse oder andere finanzielle Vorteile bringt.

Die von den Forschern erstellten Zukunftsbilder sollen vor allen Dingen für Unternehmen eine Hilfestellung bei strategischen Entscheidungen sein. Denn technologische Entwicklungen und der Umgang mit Ressourcen spielen eine wichtige Rolle für die Wettbewerbsfähigkeit. Bleibt zu hoffen, dass die Szenarien für das gar nicht mehr weit entfernte Jahr 2030 zum Um- oder Weiterdenken in die richtige Richtung animieren.

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Über Astrid Albrecht-Sierleja 158 Artikel
Astrid Albrecht-Sierleja verfügt als langjährige Malerin und Lackiererin über ausgesprochen praxisorientiertes Wissen und kennt als Produkt-Designerin die Vielfalt gestalterischer Möglichkeiten im Wohn- und Arbeitsbereich. Astrid erreicht ihr unter a.albrecht@everyday-feng-shui.de

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