Kaum mehr Nebel in Sicht: Warum?

Wo er auftaucht, taucht alles andere unter: Im Nebel verschwinden ganze Landschaften. Weder Sonne noch Geräusche schaffen es durch das dicke Grau hindurch. Kein Wunder also, dass sich Nebel so gut als unheimliche Kulisse für Schauergeschichten eignet und bei vielen Menschen auf die Stimmung drückt. Da klingt es positiv, dass sich der Nebel weltweit auf dem Rückzug befindet.

Im Nebel: Die Tower Bridge in London - ein Anblick, der immer seltener wird
Im Nebel: Die Tower Bridge in London – ein Anblick, der immer seltener wird (Foto: MsSaraKelly)

Physikalisch betrachtet, handelt es sich bei Nebel um sehr tief hängende Wolken. Allerdings ist Nebel nicht gleich Nebel. Er ist dichter oder lichter, lässt mehr oder weniger weit blicken, und auch in der Farbe variiert er von Weiß bis Dunkelgrau. All dies hängt ab von der Anzahl und der Beschaffenheit kleinster Wassertröpfchen in der Luft.

Sieben verschiedene Nebelsorten kennt die Wissenschaft. So gibt es zum Beispiel Bodennebel, Bergnebel, Küstennebel, Dampfnebel oder Hochnebel. Wobei Hochnebel eher an einen dicken, grauen Deckel erinnert, der sich in manchen Gegenden oft tagelang am Himmel hält. Das ist dann eine Wetterlage, die regelrecht aufs Gemüt schlägt. Insgesamt aber werden die Nebeltage seltener und der Nebel weniger dicht. Das haben Wissenschaftler nicht nur für Europa, sondern auch für andere Regionen der Welt festgestellt. Zu den Gründen für den Nebelrückzug wird aber noch geforscht.

Wenig Nebel in sauberer Luft

Es könnte daran liegen, dass die Luft insgesamt sauberer wird. Denn Nebel braucht Staubpartikel, um sich überhaupt bilden zu können: An den Staubteilchen bleiben sehr kleine Wassertröpfchen hängen. Befinden sich besonders viele Staub- und Schmutzpartikel in der Luft, kann sich Smog bilden, der wegen des hohen Feinstaubgehalts so gesundheitsschädlich ist. Welche schlimmen Ausmaße der Smog annehmen kann, wenn schlechte Luftqualität und die passenden Wetterbedingungen zusammenkommen, ist derzeit wieder in Peking zu sehen (http://www.tagesschau.de/ausland/china-smog-103.html). Die Behörden warnen die Bewohner davor, vor die Haustür zu treten.

Saubere Luft und weniger Nebel... diese Aussage trifft derzeit nicht für Chinas Metropolen zu. Viele Menschen tragen einen Atemschutz gegen dichten Smog in der Luft
Saubere Luft und weniger Nebel… diese Aussage trifft derzeit nicht für Chinas Metropolen zu. Viele Menschen tragen einen Atemschutz gegen dichten Smog in der Luft (Foto: Nicolò Lazzati)

Geht es dagegen um puren Nebel, ist er in manchen Gegenden eine lebensnotwendige Feuchtigkeitsquelle und daher sehr willkommen. Es sind sogar mancherorts Nebelfänger unterwegs. Im mediterranen Raum werden mit eingefangenem Nebel junge Bäume bewässert. In Südamerika soll der Nebel mit großen, mehrlagigen Netzen eingefangen werden, um das darin enthaltene Wasser als Trinkwasser nutzen zu können.

Weltweit beschäftigen sich etwa 300 Wissenschaftler mit dem undurchdringlichen Wetterphänomen. Im Vergleich zu anderen Forschungsgebieten ist das eine sehr übersichtliche Expertenrunde. Alle drei Jahre treffen sich die Wissenschaftler zur internationalen Nebelkonferenz. 2013 fand sie in Japan statt, die nächste Zusammenkunft wird 2016 in Polen sein (http://fog-conf.meteo.uni.wroc.pl/). Dann wird es auch um die Frage des Nebelfangens gehen.

Vorhersagen liegen oft daneben

Die Nebelforschung hat noch eine weitere, ganz praktische Bedeutung. Die exakte Vorhersage von Nebel wäre nämlich in vielen Bereichen sehr wichtig. So könnten Nebelprognosen zum Beispiel im Flug-, Schiffs- und Straßenverkehr für mehr Sicherheit sorgen. Tatsächlich ist aber die Trefferquote bei Nebelvorhersagen besonders gering. Sogar mit modernster Computertechnik gelingt die Prognose kaum.

Wetterexperten haben, was die Nebelvorhersage betrifft, besonders bei sogenannten Inversionswetterlagen große Probleme. Von Inversion ist die Rede, wenn die Luft unten kalt und oben warm ist. Solche Konstellationen kommen vor allen Dingen im Winterhalbjahr vor. Kalter Nebel kann sich dann in tiefen Lagen hartnäckig halten, während die Sonne die Luft weiter oben stark erwärmt. Sollen in dieser Wettersituation Vorhersagen gemacht werden, sprechen Meteorologen vom „Nebellotto“. Die Chancen auf eine korrekte Prognose sind demnach ziemlich gering.

Lichtmangel im Nebel

Ist im Wetterbericht von Inversion die Rede, darf man auf sogenannten Hochnebel gefasst sein, also auf eine dicke, graue Himmelsdecke. Diese lässt kaum etwas vom Sonnenlicht durch und verschärft den winterlichen Lichtmangel. Das wiederum kann auf die Stimmung schlagen. Viele Menschen kennen die Winterdepression mit gedrückter Stimmungslage, Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Lichtmangel gilt als Ursache für die Winterdepression.

Es gibt aber auch Menschen, die Nebel mögen. Und zwar nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht. Werner Eugster, Geograf an der ETH Zürich, zählt dazu. Er forscht nicht zum Nebel, ihm gefällt es auch darin. Im dichten Nebel fühlt er sich nach eigener Auskunft wohlig eingehüllt. Und er genießt den Anblick von Raureif, der sich an der Nebelobergrenze bildet. Es ist also alles eine Frage der Betrachtungsweise.

Quellen:

www.faz.net – Nebel: Fünfzig Schwaden Grau
www.nzz.as – Unten alles grau

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Über Astrid Albrecht-Sierleja 157 Artikel
Astrid Albrecht-Sierleja verfügt als langjährige Malerin und Lackiererin über ausgesprochen praxisorientiertes Wissen und kennt als Produkt-Designerin die Vielfalt gestalterischer Möglichkeiten im Wohn- und Arbeitsbereich. Astrid erreicht ihr unter a.albrecht@everyday-feng-shui.de

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