2019 – der November in Zahl3n

In unseren Gefilden haben wir inzwischen die Uhren wieder „richtig“ gestellt und starten in den Monat, der, zu Unrecht, als der dunkelste Monat des Jahres gesehen wird. An der Anzahl der hellen Stunden kann das nicht liegen, denn erst im Dezember kommen wir zu dem Tag, an dem die Zeit zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang ein Minimum erreicht.

Der November, der 11. Monat des Jahres, klopft an die Tür und spricht bezüglich Einlass vor. Gewähren wir ihm diesen, schauen aber gleichzeitig genau nach, wen wir uns da ins Haus holen. Komprimiert zusammengefasst können wir sagen: wir holen uns etwas ins Haus, das Selbständigkeit und Unabhängigkeit sucht, das gut und umsichtig organisieren, dirigieren und delegieren kann, das gerne die Führung übernimmt, Familienbande stärkt, aber dennoch ein gerüttelt Maß an Freiheitsdrang braucht bzw. aufweist.

Und nu??? Was machen wir jetzt daraus? Vordergründig ganz einfach: wir erklären das preiswerte und allzeit so beliebte „Hotel Mama“ für geschlossen, jagen die erwachsenen und längst selbständig sein sollenden Kiddies aus dem Haus, fühlen uns deswegen einen kurzen Augenblick (aber bitte wirklich nur einen ganz kurzen Moment) mies und erfreuen uns unserer neuen Freiheit, unseres neuen Daseins. Wem es mit dieser Maßnahme plötzlich zu ruhig wird, kann ja die freigekommene Fläche untervermieten. Dann kommt wieder Leben in die Bude.

Egal, wie das klingt, aber das ist eine Art, die Zeichen der Zeit zu erkennen und das, was der Monat fordert, zu leben. Aber wir wissen auch, „einfach kann jeder“. Im einfachsten Fall ist der Nachwuchs bereits flügge und untervermietet ist inzwischen auch alles. Muss jetzt der Untermieter dran glauben? Es kommt drauf an . . .

Nein, wir betrachten in gewohnter Manier die Zahl3n des neuen Monats und stellen fest, dass die „1“ so massiv auftritt, dass wir ihr unbedingt ein wenig Augenmerk widmen müssen. Diese drei 1en sprechen von einem recht ausgeprägten Geltungsdrang, von Persönlichkeiten, die sich lieber selbst als andere im Mittelpunkt des Geschehens sehen. Waidfrauen und -männer in der geneigten Leserschaft dürfen jetzt gerne an das Verhalten von Platzhirschen denken.

Mit diesem Blick vor Augen sollten wir einen weiteren Aspekt der „1“ bemühen und im Sinne von ‘großartigen Ideen‘ und ‘Visionen‘ das Potential in dieser Richtung nutzen. Was auch immer wir tun, wir dürfen gerne allem einen persönlichen Stempel aufdrücken, sollten aber dabei das Wohl unserer Mitmenschen nicht außer Acht lassen. Auch ein „Erkenne-dich-selbst“ ist durchaus angemessen. Denn auch wenn wir in uns gehen, steht das Ich im Fokus. Eine sehr achtsame Art, mit dem Ich umzugehen.

Mit soviel eigenem und fremden Ego kann da schon mal einiges an Unruhe ins Spiel kommen. Rastlosigkeit und der Drang mit dem eigenen Ich einen gesunden Abstand zu sich selbst und den anderen Ich‘s herzustellen, nimmt einen hohen Stellenwert ein. Geneigt, sich selbst eher im Fokus zu sehen als andere, kann sich schon mal der Gedanke einstellen: „jeder denkt an sich, nur ich, ich denke an mich“. Mit dieser Einstellung komme ich im Sinne des Monats genauso wenig weit, wie die, die ein „wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht“ propagieren.

Mit-einander für-einander‘, das ist das Motto, unter dem der neue Monat steht. Wir dürfen gerne uns selbst, unsere Visionen und auch unsere Persönlichkeit einbringen, wenn wir zum Wohle anderer aktiv werden. Dann bekommen Freiheitsdrang und Familiensinn neue Bedeutungen. Weg vom egoistischen Erst-komm-ich hin zu einem umsichtigen und achtsamen Umgang miteinander. Denn das ist das, was der November von uns sehen möchte.
Bodo Trieb

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