5 innovative Möbelbaustoffe, die nicht jeder kennt

Nicht alles, was neu ist, ist besser als das Altbewährte. Leider sind die meisten Innovationsbestrebungen nur von Gewinn-Optimierung motiviert und nicht von ganzheitlichen Vorteilen.

Gummibaum-Möbel von Ikea, Foto (C) Irmgard Brottrager
Gummibaum-Möbel von Ikea, Foto (C) Irmgard Brottrager

So kommt es immer wieder zu zweifelhaften Entwicklungen aus ökologischer Sicht. Was uns mit attraktiven Marketing-Begriffen verkauft wird, hält nicht immer das, was man sich davon verspricht. Daher lohnt es sich, genauer hinzusehen! Manches ist einfach ein „Ökoschmäh“ – für alle, die das Besondere lieben.

1) Gummibaum, Rubberwood, Parawood, Asian Oak

Wer kennt das Holz vom Kautschukbaum? Das Naturmaterial ist sehr hart (50% härter als Eiche), sehr hell und exotisch gemasert. Also durchaus ein Hingucker und daher für Design-Möbel geeignet. Wegen seiner Widerstandsfähigkeit und Unempfindlichkeit gegenüber Feuchtigkeit kann es unter Umständen sogar im Freien eingesetzt werden – was jedoch nicht empfohlen wird, weil eine Gefährdung durch Pilze besteht. Es gibt jedoch einen klaren Nachteil: Rubberwood kommt nicht vom Zimmer-Gummibaum. Es handelt sich um kein einheimisches Holz, sondern um ein tropisches Plantagenholz. Rubberwood ist quasi ein Nebenprodukt der Naturgummi-Herstellung, das früher kaum genutzt wurde. Mittlerweile ist es sogar in Baumärkten erhältlich und wird für Arbeitsplatten empfohlen. Ob es das Prädikat „umweltfreundlich“ verdient, ist fraglich. Denn Baum-Farmen sind Mono-Kulturen, die die natürlichen Ökosysteme gefährden und verdrängen.

2) Holz-Kunststoff-Komposit, Wood Plastic, WPC (Wood Plastik Composites)

Ein gutes Beispiel ist der Esstisch-Stuhl „Odger“ von Ikea. Er besteht aus einer Mischung aus Holz- und Polymer-Kunststoff, sieht aus wie Hartfaser, ist aber plastisch geformt wie ein Kunststoff-Sessel. Die Oberfläche ist glatt und leicht zu reinigen. Das homogene Material hat einen Holz-Anteil von 30 %. Mindestens 55% macht der Kunststoff-Anteil aus. Welche „Additive“ sonst noch enthalten sind, ist unbekannt. Die Formbarkeit des Materials entsteht durch eine thermoplastische Behandlung. Terrassendielen aus WPC sind schon länger im Handel. Der Werkstoff ist relativ kostengünstig und sieht leider auch so aus. Dazu kommt, dass für zertifizierte Produkte kein Recycling-Kunststoff verwendet werden darf. Es wird also wieder neuer Plastikmüll erzeugt, zumal der Verbundstoff nicht unbegrenzt haltbar ist, sondern sogar leichter brechen kann als Vollholz.

3) Bamboo Plastic Composites, BPC

Hier wird statt Holzmehl Bambusmehl beigefügt. Man findet das Material vor allem in Form von Terrassendielen und Sichtschutz-Elementen im Handel. Argumentiert wird – wie meistens bei Kunststoffen – mit der Wartungsfreiheit und der höheren Lebensdauer. Ein wesentlicher Vorteil ist, dass WPC und BPC auch im Freien verwendet werden können.

4) Purenit Hartschaumplatten, PUR

Der Komposit-Werkstoff mit Polyurethan ist eigentlich mehr für den Trockenbau gedacht, kann aber wie eine Holzplatte verarbeitet werden. Der Vorteil ist, dass es sich um ein echtes Recycling-Produkt handelt. Die zerkleinerten Bestandteile der verschiedenen Reststoffe sind auf der Oberfläche und im Querschnitt gut zu sehen – ähnlich wie bei einem Karton aus Altpapier. Das Material ist altersbeständig, feuchtigkeitsbeständig und formstabil. Im Möbelbau ist es nur für Unterkonstruktionen eine Option. Es ist deutlich leichter als Holz und nicht nur als Dämm-Material geeignet, sondern auch für Sandwich-Elemente, Küchenarbeitsplatten, Badmöbel und dergleichen. Besonders interessant ist der Werkstoff für Tiny-Houses, Wohnmobile und Schiff-Einrichtungen, wo ein Maximum an Stabilität mit einem Minimum an Gewicht gefragt ist.

Purenit, Foto (C) Irmgard Brottrager
Purenit, Foto (C) Irmgard Brottrager

5) Fineline, Furnierschichtholz

Dieser Plattenwerkstoff ist unter verschiedenen Namen zu finden. „Fine Line“ bedeutet nichts weiter als feine Linien. Bei gewöhnlichem Sperrholz (auch Multiplex-Platten genannt) sind die Furnierschichten waagrecht angeordnet, so dass eine furnierte Oberfläche entsteht. Bei Furnierschichtplatten sind die Furnierstreifen stehend angeordnet, so dass auf der Oberfläche die feine Streifenstruktur zu sehen ist, die man bei Sperrholzplatten nur an den Kanten sieht. Fineline-Platten sehen nicht nur elegant aus, sondern sind auch besonders widerstandsfähig. Das Material ist bereits in einigen Baumärkten zu bekommen, hat sich aber noch nicht durchgesetzt. Es ist zum Beispiel für Arbeitsplatten geeignet. Die Fineline-Struktur ist auch als Deckfurnier von Mehrschichtplatten erhältlich.

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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