2.200 Jahre alt: Älteste Tierkreis-Tafel in Kroatien entdeckt

Archäologen haben in einer Höhle an der kroatischen Adriaküste die bislang älteste Darstellung eines astrologischen Tierkreises entdeckt. Das Alter der Elfenbeintafeln wird auf 2.200 Jahre geschätzt. Offenbar spielte Astrologie schon viel früher eine Rolle in Europa als bisher angenommen.

Dieses Tierkreistafel-Fragment zeigt das Zeichen "Fische"
Dieses Tierkreistafel-Fragment zeigt das Zeichen „Fische“ (Foto: Stašo Forenbaher)

Ein Wissenschaftler-Team um Stašo Forenbaher vom Institute for Anthropological Research und Alexander Jones vom Institute for the Study of the Ancient World an der New York University haben in einer kroatischen Höhle auf der Halbinsel Pelješac an der Adriaküste einen sensationellen Fund gemacht. Sie haben die vermutlich ältesten Fragmente mit der Darstellung des astrologischen Tierkreises entdeckt. Die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit haben sie jüngst im Journal for the History of Astronomy vorgestellt.

Der eigentliche Fund geht bereits auf das Jahr 1999 zurück. Ein Archäologenteam war gerade mit Ausgrabungen in der Nähe des Eingangs der Höhle beschäftigt, als Forenbahers jetzige Frau (damals Mitglied im Team) einen versiegelten Eingang entdeckte, der, wie sich beim Freilegen herausstellte, einen etwa 10 Meter langen niedrigen Gang verbarg. Beim Betreten des Gangs knackte bei jedem Schritt eine Kalksteinkruste unter den Füßen der Archäologen – ein Zeichen dafür, dass dieser Teil der Höhle schon sehr lange nicht mehr betreten worden war.

Der Fundort: Eine versteckte Höhlenkammer hinter einem versigelten Gang. Ein phallusartiger Stalagmit in der Mitte des Raumes deutet auf einen Kultort hin
Der Fundort: Eine versteckte Höhlenkammer hinter einem versigelten Gang. Ein phallusartiger Stalagmit in der Mitte des Raumes deutet auf einen Kultort hin (Foto: Stašo Forenbaher)

Am Ende des Gangs eröffnete sich ein Raum, in dem zahlreiche Keramik-Trinkgefäße rund um einen phallusartigen Stalagmiten lagen. Aber es gab dort auch noch etwas anderes, was die Forscher nicht sofort einordnen konnten: Viele kleine Elfenbeinstücke. Es dauerte Jahre, bis man die Fragmente zusammengepuzzelt hatte – weitere Bruchstücke tauchten aus dem Schlamm in der Höhle auf und irgendwann, als man Abbildungen von Krebs, Zwillingen und Fischen zusammengesetzt hatte, machte es plötzlich „klick“. Was die Archäologen in der Höhle entdeckt hatten, waren die bisher ältesten bekannten astrologischen Tafeln mit einer Darstellung des Tierkreises.

Tierkreis-Rekonstruktion mit den bisher identifizierten Fragmenten
Tierkreis-Rekonstruktion mit den bisher identifizierten Fragmenten (Foto: Stašo Forenbaher)

Mit Hilfe der Radiokarbonmethode datierten die Wissenschaftler das Alter der Abbildungen auf rund 2.200 Jahre. Von den Babyloniern ist bekannt, dass sie bereits vor 2.400 Jahren eine eigene Form von Horoskopen entwickelt hatten. Nach bisheriger Auffassung der Historiker verbreitete sich die Astrologie erst etwa um 100 vor Christus durch die Griechen im östlichen Mittelmeerraum und veränderte sich zu der Form des Sterndeutens, die auch heute noch in der westlichen Astrologie praktiziert wird. Die große Überraschung ist also, dass astrologisches Wissen offenbar schon viel früher in weiten Teilen Europas verbreitet war als bisher angenommen.

Wie und auf welchem Wege die Elfenbeintafeln in die Höhle gelangt sind, können die Forscher nicht mit Bestimmtheit sagen. Möglicherweise wurden sie sogar als Teil wertvoller Fracht von einem vorbeifahrenden Handelsschiff geraubt. Astrologen genossen in damaliger Zeit eine herausragende Stellung. Sie waren meist exklusive Berater bei Hofe. Dass astrologische Berechnungen in der Höhle selbst vorgenommen wurden, wo es weder ein nahes Herrscherhaus, noch einen freien Blick auf den Sternenhimmel gab, dürfte somit als unwahrscheinlich gelten.

Die Gegend um die Höhle, das Nakovana Plateau, ist nicht gerade für seine Hochkultur berühmt geworden. Was wollte man hier mit den Tierkreistafeln?
Die Gegend um die Höhle, das Nakovana Plateau, ist nicht gerade für seine Hochkultur berühmt geworden. Was wollte man hier mit den Tierkreistafeln? (Foto: Stašo Forenbaher)

Fakt ist jedoch, dass Vorhersagen die Zukunft betreffend uns Menschen schon immer fasziniert haben. In heutiger Zeit haben vornehmlich Wissenschaftler und Fachexperten die Rolle von „Beratern bei Hofe“ übernommen. Die aktuelle Finanzkrise und ihre Folgen haben allerdings gezeigt, dass Zukunftsprognosen auf wissenschaftlicher Basis mindestens genauso unzuverlässig sind, wie es astrologischen Vorhersagen immer nachgesagt wird. Vielleicht sollte es Merkel am Ende doch François Mitterrand gleichtun und die verkopfte Sicht auf die Welt durch eine zweite Meinung absichern lassen. Mitterrand hatte jahrelang – selbst in wichtigen Regierungsfragen wie etwa den Eintrittszeitpunkt in den Golfkrieg – Elizabeth Teissier, eine bekannte Astrologin, konsultiert.

www.everyday-feng-shui.de

Weitere Quellen:

www.livescience.com – Good Heavens! Oldest-Known Astrologer’s Board Discovered
grenzwissenschaft-aktuell.blogspot.com – Älteste astrologische Tierkreis-Tafel in versiegelter Höhle entdeckt

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Über Long Wang 315 Artikel
Meister Long Wang ist seit 2007 Teil des Everyday Feng Shui Redaktionsteams und bereichert seither als Experte für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) mit seiner fernöstlichen Perspektive auf die Welt unsere Plattform. Zu erreichen ist er unter l.wang@everyday-feng-shui.de

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