Astrologische Geomantie (AstroGeomantie): Was ist das?

Die Astrologische Geomantie bietet einen systematischen Ansatz zur astrologischen Strukturanalyse von Regionen oder Orten, so dass diese global und auf verschiedenen Realitätsebenen bewertet und zueinander in Beziehung gesetzt werden können. Einblicke in astrogeomantische Forschungsansätze.

Guercino: Personification of Astrology (1650-55)
Guercino: Personification of Astrology (1650-55)

Nachdem wir in Vorbereitung auf das heutige Thema kürzlich schon einmal eine etwas wissenschaftslastige Bresche für die Astrologie geschlagen haben, setzen wir jetzt noch einen drauf. Wir möchten euch ein recht junges Forschungsgebiet vorstellen, welches eng mit Feng Shui verwandt ist: Die Rede ist von der Astrologischen Geomantie oder kurz AstroGeomantie.

Die Astrologische Geomantie ist ein Forschungsgebiet bei dem sich, wie schon der Name unschwer erkennen lässt, die beiden Wissenschaftsbereiche Astrologie und Geomantie überschneiden. Die AstroGeomantie ist im Grunde genommen eine Weiterentwicklung der Astrogeografie und unterscheidet sich damit deutlich von der reinen Astrokartografie. Zu den Begrifflichkeiten (sorry, wenn das jetzt etwas technisch gerät):

Die Astrokartografie

Die Astrokartografie ist eine Methode, bei der (vereinfacht gesagt) ein Horoskop auf eine Landkarte projiziert wird. Im Mittelpunkt des Horoskops steht in der Regel eine Person bzw. ein Ereignis wie etwa eine Geburt. Die Astrokartografie berechnet somit die Bedeutung eines solchen Ereignisses im Verhältnis zum Umraum und lässt dadurch unter anderem Rückschlüsse auf die Beziehungen von Personen zum Umraum zu. Auf diese Weise lassen sich zum Beispiel Aussagen treffen wie: Hamburg liegt in meinem 4. Haus und Prag im 9. Haus.

Die Astrogeografie

Bei der Astrogeografie wird im Unterschied zur Astrokartografie nicht ein Horoskop auf eine Landkarte projiziert, sondern eine Landkarte wird erst durch Methoden der Beobachtung und Berechnung erstellt. Somit steht nicht die Einzelperson im Zentrum des Geschehens, sondern der Mensch befindet sich auf einem Schauplatz, dem astrologische Zeichen oder Konstellationen zugeordnet sind. Der „Schau-Platz“ ist dabei stets eine feste Größe, die einen Namen trägt, wie z.B. Widder oder Zwilling.

Die AstroGeomantie

In der AstroGeomantie als Weiterentwicklung der Astrogeografie befindet man sich an konkreten Orten und untersucht diese Orte nach Merkmalen und Mustern der Sternzeichen. Dies geschieht lediglich mit einem herkömmlichen Kompass und einem Lageplan bzw. dem Grundriss eines Gebäudes. Um die Merkmale und Muster der Sternzeichen zu erkennen, ist es notwendig, die Umgebung „verstehen zu lernen“. „Ort“ bezeichnet in der AstroGeomantie also nicht wie in der Astrogeografie eine Geokoordinate oder einen berechneten Punkt in Erdäquator oder Ekliptik, sondern einen physisch realen, fest eingegrenzten „Schau-Platz“.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Feng Shui

Planeten-Symbole und Bezeichnung in Englisch, Arabisch und Sanskrit
Planeten-Symbole und Bezeichnung in Englisch, Arabisch und Sanskrit (Foto: Sharilyn Neidhardt)

Astrologische Symbole, Techniken und Forschungsergebnisse sind nicht nur innerhalb der „westlichen Geomantie“ überaus häufig anzutreffen, sondern in Form der chinesischen Astrologie ebenso wesentlicher Bestandteil von Lehre und Methodik der „östlichen Geomantie“, also dem Feng Shui. Auch wenn der Begriff Astrologische Geomantie (oder eben „AstroGeomantie“) recht neu ist, so bezeichnet er doch nur ein Forschungsgebiet, das bereits seit Jahrtausenden von Menschen untersucht wird.

Neu ist allerdings die systematische Herangehensweise mit moderner Kartografietechnik und Rechner gestützten Methoden, die komplexe globale Auswertungen ermöglichen. Der Vor-Ort-Besuch findet ähnlich wie im Feng Shui lediglich mit Kompass und Grundriss oder Lageplan statt. Die anschließende Auswertung und Untersuchung der vielfältigen Ortsbeziehungen zueinander ist jedoch erst mit moderner Computer- und Kartografietechnik möglich.

AstroGeomantie: Herangehensweise mit System

Das im Folgenden beschriebene System, das die Bestimmung der Bedeutung einzelner Orte im Verhältnis zum Umraum auf sechs verschiedenen Ebenen ermöglicht, wurde von Georg Stockhorst entwickelt. Stockhorst bezeichnet sich selbst als der Begründer der Systematischen Astrologischen Geomantie, auch wenn er im Hinblick auf die lange Tradition der Astrogeografie anerkennt, nicht deren Erfinder zu sein.

Die kleinste Messeinheit des ineinander verschachtelten Systems verschiedener Realitätsebenen entspricht einem Quadrant von 2,5 Metern (Ebene 1) und reicht bis zu einer Quadrantengröße von 622 km (Ebene 6). Somit können astrologische Koordinaten sowohl vom Stuhl im Wohnzimmer als auch von ganzen Ländern oder Landesteilen berechnet werden. Stellt man sich zum Beispiel Google Maps vor, so entsprechen die verschiedenen Realitätsebenen in der AstroGeomantie den unterschiedlichen Zoom-Stufen bei der Kartenansicht.

Die Entsprechungsebenen („Zoom-Stufen“) und ihre Bedeutung in der AstroGeomantie gliedern sich nach Stockhorst wie folgt (die Seitenlängen gelten jeweils in nord-südlicher und west-östlicher Richtung):

  • 2,5 m zeigt die Bedeutung einzelner Räume innerhalb eines Hauses oder auch einzelner Pflanzen in einem Garten.
  • 30 m zeigt die Bedeutung eines Hauses innerhalb des Dorfes oder des Häuserblocks.
  • 360 m zeigt die Bedeutung eines Dorfes oder eines Häuserblocks in einer Landschaft oder in einem Stadtteil.
  • 4,32 km zeigt die Bedeutung eines Stadtteils oder einer Kleinstadt in einer Region.
  • 51,84 km zeigt die Bedeutung einer Region in einem Land.
  • 622 km zeigt die Bedeutung eines Landes innerhalb eines Kontinents.

Die Seitenlängen sind keineswegs beliebig gewählt, sondern ergeben sich jeweils aus einem Koordinatensystem von 12×12 (=144) gleich großen Feldern je Ebene und der Grundannahme, dass 1Tierkreisgrad = 1 m entspricht.

Seitenlänge pro Zeichen Seitenlänge pro Feld Länge pro Grad
12 x 0,20833 m 2,50 m 1° =        0,6944  cm
12 x 2,50 m 30 m 1° =         8,333   cm
12 x 30 m 360 m 1° =         1 m
12 x 360 m 4,32 km 1° =       12 m
12 x 4,32 km 51,84 km 1° =     144 m
12 x 51,84 km 622,08 km 1° =   1728 m
     

Das Ende der Beliebigkeit durch systematische Ergebnisse

Eine Zuordnung von Sternzeichen zu Orten ist bereits bei Ptolemäus (100-175 n. Chr.) zu finden, allerdings ohne ein festes globales Bezugssystem. Die damalige Zuordnung von astrologischen Sternzeichenentsprechungen zum jeweiligen Ort geschah jeweils von Fall zu Fall auf Basis einer subjektiven Grundperspektive und damit stets auf einer anderen Gültigkeitsebene. Dies macht eine Gesamtbetrachtung und systemische Einordnung der Ergebnisse unmöglich. Diese Beliebigkeit der Zuordnung wird nun in der AstroGeomantie durch systematische Ergebnisse ersetzt.

Der „Deutschlandquadrant“

Der Deutschlandquadrant (Quelle: www.astrogeomantie.de)
Der Deutschlandquadrant mit Teilen benachbarter Quadranten (Quelle: www.astrogeomantie.de)

Es dürfte klar sein, dass es kaum Länder auf der Welt gibt, wo sich die Vermessung so erfüllt, dass ein Land eine exakte Ausdehnung von 622 km im Quadrat hat. Auch im „Deutschlandquadranten“ liegt nicht die gesamte Bundesrepublik. Eine Linie 5 km südlich von Neumünster trennt den Deutschlandquadranten vom Skandinavienquadranten, so dass Kiel und Schleswig bereits außerhalb des Deutschlandquadranten liegen. Im Süden verläuft die Grenze des Deutschlandquadranten so, dass Südbayern zusammen mit der Schweiz und dem größten Teil Österreichs zum Alpen- und Norditalienquadranten gehören.

Die Zuordnung der Sternzeichen zu den einzelnen Quadranten in jeder Realitätsebene erfolgt nicht zufällig, sondern richtet sich nach folgender Matrix (die doppelte Entsprechung der einzelnen Sternzeichen in der Diagonalen spielen eine besondere Rolle, sie sind die 12 Hauptenergiequellen des astrologischen Häusersystems):

Sternzeichen-Matrix: Zuordnung der Sternzeichen und ihrer Elemente zu den einzelnen Quadranten
Sternzeichen-Matrix: Zuordnung der Sternzeichen und ihrer Elemente zu den einzelnen Quadranten (Quelle: www.astrogeomantie.de)

Astrologische Konstellationen angrenzender Quadranten

Der Deutschlandquadrant ist in ein Gesamtsystem der ihn umgebenden europäischen Quadranten eingebunden. Mit Ausnahme von Schleswig, Südbaden, Schwäbischer Alb und Südbayern liegt der Deutschlandquadrant sowohl in Nord-Südlicher als auch in West–Östlicher Quadrantenfolge im Sternzeichen Zwillinge. Laut Stockhorst bezieht sich diese Zuordnung auf die Lage Deutschlands als Verkehrsknotenpunkt und Brückenland zwischen Skandinavien und Italien sowie zwischen West- und Osteuropa und erklärt auch den dezentralen Charakter des Deutschlandfeldes. Deutschland hatte – obwohl ein zusammenhängender politischer Verband vieler Kleinstaaten – in der Geschichte eines 1000-jährigen Kaiserreiches nie eine Hauptstadt (…).

Quadrant N-S W-O Größe
Nordengland, Schottland Stier Stier 622,08 km
Skandinavien (DK,SWE) Stier Zwilling 622,08 km
Ostsee Stier Krebs 622,08 km
Nordfrankreich (NL,B) Zwilling Stier 622,08 km
Deutschland Zwilling Zwilling 622,08 km
Polen Zwilling Krebs 622,08 km
Südliches Frankreich Krebs Stier 622,08 km
Alpen (CH, A,BAY) Krebs Zwilling 622,08 km
Balkan (Wien, H, HR, SER) Krebs Krebs 622,08 km
       

An dieser Stelle lassen sich umfangreiche Interpretationen in Bezug auf die zugeordneten Sternzeichen vornehmen, die jedoch nicht Gegenstand unserer heutigen Betrachtung sein sollen.

Die Sternzeichen von Städten

Um das Prinzip der systematischen Zuordnung von Sternzeichen zu Orten in verschiedenen Realitätsebenen weiter zu verdeutlichen, wollen wir in einem abschließenden Beispiel noch eine Ebene tiefer gehen.

Teilt man den Deutschlandquadranten sowohl in nördlicher als auch in südlicher Ausdehnung in zwölf gleich große Abschnitte, so erhält man ein Koordinatensystem von 12×12 (=144) weiteren Quadranten mit einer Seitenlänge von 51,84 km.

In dieser „Zoom-Stufe“ lassen sich hervorragend die Sternzeichen von Städten bestimmen. Interpretationsansätze zu den unten stehenden Zuordnungen findet ihr hier.

Widder
Aachen, Trier, Lübeck, Augsburg, Hamburg, München

Stier
Köln, Düsseldorf, Basel, das Ruhrgebiet (Duisburg, Essen, Bochum)

Zwilling
Münster, Freiburg, Straßburg, Soest, Dortmund, Bremen und Mainz

Krebs
Bremen, Frankfurt, Wiesbaden und Zürich

Löwe
Stuttgart, Kassel, Paderborn, Quedlinburg, Magdeburg, Münster, Wittenberg und Cottbus

Jungfrau
Hamburg, Hannover, das gesamte Ruhrgebiet, Raum Leipzig

Waage
Köln, Weimar, Düsseldorf, Braunschweig, Erfurt

Skorpion
Bonn, Weimar, Schwerin, Magdeburg, München

Schütze
Rostock, Brandenburg, Regensburg, Wittenberg, Frankfurt, Prag, Leipzig

Steinbock
Ludwigshafen, Mannheim, Nürnberg, Berlin, Salzburg

Wassermann
Saarbrücken, Karlsruhe, Regensburg und Heidelberg, Berlin (Ost), Dresden

Fische
Straßburg, Stettin, Prag, Stuttgart, Cottbus

Auf die gleiche Weise, wie die Unterteilung des Deutschlandquadranten in 12×12 Quadranten, lässt sich wiederum jeder dieser 144 Quadranten weiter unterteilen usw. bis in die unterste noch sinnvoll auswertbare Realitätsebene 1 mit einer Seitenlänge von 2,5 m. Durch die Verschachtelung der Realitätsebenen ist es theoretisch möglich, die Bedeutung eines Baumes innerhalb eines Kontinentes bzw. für einen Kontinent astrologisch zu berechnen und zu interpretieren. Inwiefern dies natürlich sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt.

Unser Fazit

Die Astrologische Geomantie bietet einen interessanten systematischen Ansatz zur astrologischen Strukturanalyse von Orten und Regionen, welche global und auf verschiedenen Realitätsebenen zueinander in Beziehung gesetzt werden können. Größter Kritikpunkt von unserer Seite ist jedoch die fehlende Trennschärfe zwischen Astrogeografie und AstroGeomantie. So bleibt beispielsweise die Frage offen, inwiefern vor Ort gesammelte Erkenntnisse (laut Stockhorst ist dies der eigentliche astrogeomantische Ansatz) in das recht starre Gefüge der Realitätsebenen mit ihren fest definierten Sternzeichen-Quadranten eingefügt werden können (dies ist doch ein astrogeografischer Ansatz!?). Die Astrogeografie vernachlässigt die menschliche Wahrnehmung und beschränkt sich lediglich auf eine Interpretation einer theoretisch vorgenommenen Zuordnung von Orten zu Sternzeichen. Damit ist der gezeigte systematische Ansatz bisher wenig geeignet, um auf Feng Shui übertragen zu werden. Der Weg zu einer globalen geomantischen Systematik steht unserer Meinung nach erst noch ganz am Anfang. Die gezeigten Ansätze selbst sind jedoch vielversprechend.

www.everyday-feng-shui.de

5 Kommentare

  1. Ich bin am 07.06.1947 in Linnich/Rheinland geboren, also im Sternzeichen Zwilling
    1. Ist Düsseldorf für mich als Wohnort ideal ?
    2. Wäre Wien für mich als Wohnort gut oder sehr gut?
    3. Wo wäre mein Ideal-Wohnort?

  2. Zur Frage: liegt Stuttgart in Fische oder Schütze?
    Der „Stuttgarter Kessel“ samt näherer Umgebung liegt in der Konstellation Fische-Löwe (51,84 km Zonen, astrologisch-geomantische Deutschland-Karte). Der Grossraum mittleres und südliches Württemberg – Baden liegt in der Konstellation Schütze-Stier (Zonengröße ca 100 x 150 km,astrogeographische Weltkarte).
    Herzlichen Gruß
    Georg Stockhorst

  3. Hallo Herr Brönnle,

    vielen Dank für die Ergänzung! Die Unterschiede der genannten „Raum-Astrologie-Spielarten“ – wäre das nicht mal wieder ein Thema für Sie?

    Viele Grüße aus Berlin
    Long Wang

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