Biomonitoring: Bienenhonig als Schadstoffindikator

Bienen und ihr Honig sind ein sehr guter Schadstoffindikator. Aus diesem Grund kommen auf deutschen Flughäfen Honigbienen im Rahmen eines Bienen-Biomonitorings zum Einsatz. Der von ihnen produzierte Honig gilt als gesundheitlich unbedenklich. Doch würdet ihr ihn auch essen?

Imker auf dem Hamburger Flughafengelände
Imker am Hamburger Flughafen (Foto: www.airport.de)

Dass wir Deutschen in Sachen Umweltschutz und Umweltbewusstsein weltweit führend sind, zeigt uns gerade wieder ein aktuelles Umweltprojekt, welches nun bereits auf mehrere deutsche Flughäfen ausgeweitet wurde. Die Rede ist von Bienen-Biomonitoring – ein Verfahren, mit dem man die Schadstoffbelastung der Umwelt durch Flugzeugabgase kontinuierlich testen kann. Biomonitoring: Was ist das eigentlich? Der Agrarbiologe Dr. Reinhard Kostka-Rick definiert Biomonitoring so:

„Schadstoffe treten in unserer Umwelt nicht einzeln, sondern stets in vielfältigen Kombinationen auf. Ihre Wirkungen auf Organismen zu erfassen und daraus Risiken für Mensch und Umwelt abzuschätzen ist Aufgabe des Biomonitoring.“ (Quelle: www.biomonitoring.de)

Apis Mellifera: Honigbiene
Apis Mellifera: Honigbiene (Foto: Jimmy Smith)

In Bezug auf Bienen und ihren Einsatz auf deutschen Flughäfen bedeutet dies: Apis mellifera (westliche Honigbienen) reagieren äußerst sensibel auf Giftstoffe aus der Umwelt. Kleine Mengen eines giftigen Pflanzenschutzmittels oder Reste von Kerosin lassen Tiere, welche damit in Berührung kommen, innerhalb weniger Stunden verenden. Die Aufgabe von „Flughafen-Imkern“ ist es, in solchen Fällen sofort Alarm zu schlagen.

Selbst wenn die Bienen keine unmittelbare Reaktion auf entsprechende Schadstoffe zeigen, ließen sich Anteile von Arsen, Blei, Cadmium, Chrom, Kupfer, Nickel oder Zink zumindest im Bienenhonig nachweisen, da Pflanzen die Schadstoffe aus Luft, Wasser oder Boden zwangsläufig aufnehmen und über die Nektar- oder Pollentracht an die Bienen und schließlich den Honig weitergeben. Bienenvölker durchfliegen ihr Fluggebiet, das in etwa zwei Quadratkilometer umfasst, sehr intensiv. Ergebnisse der Honiganalyse sind somit ein sehr guter Indikator für die Umweltbedingungen im Erntegebiet.

Der Einsatz von Bienen auf deutschen Flughäfen

Der Flughafen Hamburg hat bereits im Jahr 1999 mit dieser Form des Biomonitoring begonnen. Seit Beginn der Messungen liegen die Schadstoffwerte im Honig weit unter den von der EU als zulässig festgesetzten Höchstwerten. Dies bedeutet aber nicht, dass von Flughäfen grundsätzlich keinerlei Schadstoffe in die Umwelt gelangen.

Flughafenhonig aus München
Flughafenhonig (Foto: www.munich-airport.de)

Mittels Bienen-Biomonitoring lässt sich leider nur feststellen, was innerhalb des jeweiligen Radius‘ von 1,5 Kilometern um den Bienenstock an Giften in die Umwelt gelangt. Was außerhalb dieses Umkreises passiert, darüber können die Bienen und ihr Honig keine Auskunft geben.

Da sich die Methode in den letzten Jahren bewährt hat, wird Bienen-Biomonitoring inzwischen auch auf den Flughäfen in Frankfurt, München, Nürnberg, Düsseldorf und Halle-Leipzig eingesetzt. Wie die Flughafengesellschaft am vergangenen Donnerstag mitteilte, soll nun auch auf dem neuen Großflughafen Berlin Brandenburg International (BBI) mit einer Studie begonnen werden, bei der Honig, Wachs und Bienen im Rahmen eines Biomonitorings auf Schadstoffe hin untersucht werden sollen.

Flughafenhonig: Bisher schadstofffrei

Übrigens: 1200 Gläser Honig a 250 Gramm beträgt die Ausbeute eines guten Flughafen-Jahrgangs, zumindest auf dem Flughafengelände von Hamburg. Trotzdem dieser Honig von den Schadstoffwerten unbedenklich ist: Würdet ihr den Honig essen? Vielleicht haben wir Flughafen-Honig bereits längst zu uns genommen, weil er wie anderer Honig auch, ganz normal in den Handel gelangt, nur wussten wir bisher nichts von seiner Herkunft. Wie auch immer…

Bienen-Biomonitoring finden wir trotzdem eine tolle Idee. Wir plädieren dafür, Honigbienen zur Beobachtung von Umweltbelastungen noch viel großflächiger einzusetzen.

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Über Long Wang 321 Artikel
Meister Long Wang ist seit 2007 Teil des Everyday Feng Shui Redaktionsteams und bereichert seither als Experte für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) mit seiner fernöstlichen Perspektive auf die Welt unsere Plattform. Zu erreichen ist er unter l.wang@everyday-feng-shui.de

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