Elektrosmog als weitere Ursache des Bienensterbens?

Das Urteil „Hypochonder“ ist schnell gefällt über Menschen, die über Elektrosensibilität klagen. Eine Studie der Freien Universität Berlin belegt nun, dass auch Bienen in erheblichem Maße auf künstliche elektromagnetische Felder reagieren – und zwar langfristig mit Bienensterben. In einem Interview mit dem Magazin „Diagnose-Funk“, der Umwelt- und Verbraucherorganisation zum Schutz vor elektromagnetischer Strahlung, nahm Buchautor und Forscher Dr. Ulrich Warnke dazu Stellung.

Tote Bienen: Eine Reihe von Umweltfaktoren verursachen ein weltweites Bienensterben. Welche Rolle spielt Elektrosmog dabei? Tote Bienen: Eine Reihe von Umweltfaktoren verursachen ein weltweites Bienensterben. Welche Rolle spielt Elektrosmog dabei? (Foto: Sabrina Kesten / Flickr)

Bereits 1973 hatte der Biowissenschaftler Dr. Ulrich Warnke entdeckt, dass Bienen selbst schwache elektrische Felder erzeugen können. Diese nutzen sie unter anderem zu Kommunikations- und Orientierungszwecken. Warnkes damalige Erkenntnisse wurden nun durch die aktuelle Untersuchung bestätigt. Diese hatte allerdings einen ganz anderen Aufhänger und geht weit über Warnkes damalige Erkenntnisse hinaus.

So konnte beispielsweise nachgewiesen werden, dass Bienen bereits bei relativ kleinen Spannungsabweichungen beachtliche Verhaltensänderungen entwickeln. Die elektrischen Störfelder, die Sendeanlagen, Satellitenfunk, Radaranlagen und Mobilfunknetze erzeugen, bleiben also aller Wahrscheinlichkeit nach nicht wirkungslos auf die Bienenvölker. Noch hat man die genauen Zusammenhänge in Bezug auf das weltweite Bienensterben nicht vollständig untersucht. Wie bedeutend elektromagnetische Strahlung aus künstlichen Quellen das Leben der Bienen und anderer Organismen stört, ist also noch nicht endgültig geklärt.

Bundesamt für Strahlenschutz bestreitet Zusammenhänge

Dr. Ulrich Warnke
Dr. Ulrich Warnke

Warnke selbst führt das Bienensterben auf multiple Verursacher zurück, etwa den massiven Einsatz von Pestiziden, zunehmende Monokulturen, die fortschreitende Gentechnologie, Varroa-Milben, zu strenge Winter, gebeiztes Saatgut und anderes. Welche Milieuveränderungen die gesamte Natur durch Sendemasten, Satellitenfernsehen und Mobilfunknetze hinnehmen muss, kann man derzeit noch gar nicht absehen. Unklar ist auch, welche Einflussfaktoren die bedeutendste Rolle in diesem Prozess spielen und welche Umstände andere schädliche Nebeneffekte verursachen. Das Bundesamt für Strahlenschutz bestreitet solche Zusammenhänge ebenso wie die Mobilfunkindustrie.

Ulrich Warnkes Versuchsreihen, die seinerzeit gefilmt wurden, belegen allerdings eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Bienen sich durch massive elektro-magnetische Strahlung nach und nach selbst ausrotten könnten. Ihre Verhaltensänderungen sind unter massiver elektromagnetischer Strahlung so gravierend, dass sie ihre Nester zerstören, sich gegenseitig angreifen und töten und keinen Honig mehr in die Waben einlagern können.

Auf die damaligen Versuchsbedingungen mit relativ hohen Strahlungswerten im Labor angesprochen, sagte Warnke, dass andere Untersuchungen mit geringerer Strahlung mittlerweile ähnliche Ergebnisse erbracht haben. Außerdem gefährde Elektrosmog nachweisbar auch andere Lebewesen. Warnke verwies als Beispiel auf Zugvögel, deren artentypischer Formationsflug auf natürlichen Magnetfeldern beruht. In der Nähe von Sendemasten zerfleddert sich die Formation eines Gänsezuges erkennbar, bis sich die magnetische Erdstrahlung wieder als klare Orientierungshilfe anbietet.

Das Geheimnis des Bienen-Sterbens – ARTE-Doku

Auch das zunehmende Aussterben des Hausspatzen oder der Stare in bestimmten Regionen der Erde ist Warnke zu Folge auffallend. Beide Vogelarten sind magneto-sensibel. Der Zusammengang ihres Aussterbens in einigen Regionen der Erde zum dort zu beobachtenden Auftreten von Sendemasten konnte bereits in entsprechenden Studien nachgewiesen werden. Störche ziehen in der Nähe von Sendemasten zunehmend keine Storchenjungen mehr groß. Viele verschiedene Lebewesen – unter anderem Bakterien und Algen, Meeresschnecken, Regenwürmer, Langusten und Krebse, Insekten und Ameisen, Schmetterlinge und Käfer, Fische und Schildkröten, Salamander und Molche, aber auch Säugetiere wie Wale, Fledermäuse oder Kühe orientieren sich an natürlicher Erdstrahlung. Dabei beeinflusst die ständig wechselnde Wetterlage auch die Intensität der Erdstrahlung.

Nun verweisen alle Betreiber von Sendeanlagen darauf, dass es auch natürliche elektromagnetische Strahlung gebe. Damit untermauern sie standardmäßig die Behauptung, dass auch ihre technisch erzeugte Strahlung harmlos sei. Unterschlagen wird laut Warnke aber die wesentlich größere Dichte des Leistungsflusses. Die natürliche Erdstrahlung liegt einer Aussage nach bei etwa einem Tausendstel Mikrowatt Strahlung je Quadratmeter. Innerstädtisch muss man heutzutage aber bereits mit einer elektro-magnetischen Strahlung durch technische Quellen von ungefähr 10.000 Mikrowatt je Quadratmeter rechnen.

Grenzwerte für Strahlenbelastung viel zu hoch

Dank der derzeit geltenden Strahlungs-Grenzwerte, die sehr hoch angesetzt sind, ist nach Warnkes Aussage hierzulande zukünftig sogar eine Vervielfachung dieser Werte im Millionenbereich zu erwarten. Vernachlässigt wird aus Warnkes Sicht auch die deutlich längere Zeitdauer der Strahlungseinwirkung. Ehemals wurden Lebewesen nur zeitweise erhöhter Strahlung durch natürliche Vorkommnisse ausgesetzt. Heute überlagern sich dauerhaft verschiedenste Strahlungsquellen mit unterschiedlichen Frequenzen.

Elektrosmog ist heute fast überall: Mobilfunk Sendemast bei Bergen, Norwegen
Elektrosmog ist heute fast überall: Mobilfunk Sendemast bei Bergen, Norwegen (Foto: Amanda Steggell)

Das gesamte Erdenleben hat sich Warnke zu Folge rund um natürlich vorkommende elektromagnetische Felder entwickelt. Die Menschheit und große Teile der Tierwelt hatten Millionen Jahre Zeit für Anpassungen an diese Bedingungen. Sie konnten beispielsweise lernen, natürliche elektromagnetische Felder zu Kommunikations- oder Orientierungszwecken zu nutzen und spezielle Sinnesorgane dafür auszubilden. Mit diesen konnten sie beispielsweise Schwingungen auswerten oder selbst welche absenden. Unter anderem erwähnt Warnke den Bienentanz, mit dem Bienen sich die Orte für gute Nahrungsquellen mitteilen.

Heute müssen sich alle Lebewesen in nur wenigen Jahren an immer massiver werdende technische Strahlung gewöhnen. Welche Folgen das auf Populationen bestimmter Tierarten oder den Menschen hat, ist vollkommen ungeklärt. Bezüglich der Bienen ist ihre Bedeutung für den Menschen unschätzbar. Mehr als 85 Prozent der Pflanzen-Bestäubung erfolgt durch ihre Arbeit. Sterben die Bienen durch unser verantwortungsloses Verhalten bezüglich der technischen Strahlung aus, wird es auch mit der Artenvielfalt im Pflanzensektor vorbei sein. Zahlreiche Forschungen bestätigen mittlerweile, was Warnke im Interview zur Berliner Bienenstudie klarstellen möchte: Viele Tiere – und wohl auch der Mensch – sind von Natur aus elektrosensibel.

Quellenangaben:

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Long Wang
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Meister Long Wang ist seit 2007 Teil des Everyday Feng Shui Redaktionsteams und bereichert seither als Experte für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) mit seiner fernöstlichen Perspektive auf die Welt unsere Plattform. Zu erreichen ist er unter l.wang@everyday-feng-shui.de

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