Großstadt-Imkern: Honig-Ernte vom eigenen Balkon

Wer zum Frühstück gern süßen Honig aufs Brot streicht, weiß die Arbeit der Bienen zu schätzen. Doch die größte Leistung der fleißigen Tierchen besteht nicht in der Honigproduktion, sondern im Bestäuben Tausender Blüten: Ohne Bienen gäbe es für uns kaum Obst und Gemüse zu ernten. Während das Bienenleben auf dem Land angesichts Monokulturen und Pestizideinsatz immer schwieriger wird, finden die Tiere zunehmend freundliche Aufnahme in Städten.

Im Trend: Imkern auf dem Balkon
Im Trend: Imkern auf dem Balkon (Bildquelle: www.stadtbienen.org)

Die Idee der Bienenzucht in der Stadt klingt zunächst abwegig, ist aber bei näherer Betrachtung doch sehr ergiebig. Denn Bienen finden in der Stadt reichlich Nahrung: an Reihen von blühenden Straßenbäumen, in Parks und Grünanlagen, auf Balkonen oder in Kleingartenanlagen. In der Stadt ist das Angebot sogar vielfach reichhaltiger ist als in ländlicher Gegend. Das erleichtert nicht nur den Bienen die Nahrungssuche. Dieser Umstand sorgt obendrein dafür, dass der Stadthonig oft mit einer exotischen Note versehen ist, die dem sortenreinen Honig fehlt. So findet sich vielleicht das Aroma der als typische Balkonpflanze bekannten Begonie im städtischen Honig.

Wer in der Stadt ohne Garten lebt, kann das Bienenvolk vielleicht nach Pariser Vorbild auf dem Hausdach ansiedeln. 1982 verlegte der Requisiteur der Opéra Garnier seine Bienen auf das Dach des Opernhauses. Was als Übergangslösung gedacht war, wurde zu einer wegweisenden Dauereinrichtung. Da sich die Tiere in der französischen Hauptstadt offensichtlich sehr wohl fühlten, blieb ihr Zuhause auf dem Operndach. Seitdem findet das Stadtimkern Nachahmung in vielen Orten. Ob in New York, Berlin, Hamburg oder München: Bienenschwärme entwickeln sich auch zwischen Hausfassaden blendend.

Imkern in der Großstadt – so geht es!

Mit seiner Erfindung der Bienenbox hat der Wahlberliner Johannes Weber eine Lösung für all jene Stadtbewohner gefunden, die sich zwar für das Imkern interessieren, aber weder Garten noch Hausdach für das Hobby zur Verfügung haben. Die Bienenbox ähnelt einem Blumenkasten, der außen an den Balkon gehängt wird. Sie misst etwa einen Meter in der Länge und ist knapp 30 Zentimeter hoch. Äußerlich ist der Holzkasten unauffällig, doch im Inneren verbirgt sich alles, was dem Bienenvolk ein wesensgemäßes Dasein ermöglicht. Wie in einem liegenden, hohlen Baumstamm sollen sich die Bienen darin zu Hause fühlen und an 32 Rähmchen ihre Waben bauen. Da sich das Einflugloch außerhalb des Balkons befindet, bleiben die Tiere vom Menschen ungestört.

Ob dies auch umgekehrt gilt, dass also die Menschen in der Umgebung sich nicht von den Tieren gestört fühlen, sollte vorab mit den Nachbarn besprochen werden, rät der Erfinder der Bienenbox. Bienen gelten nicht nur als fleißig, sondern auch als friedliebend. Als nachbarschaftliche Überzeugungshilfe empfiehlt Johannes Weber ein Glas Honig. Immerhin schätzt er die jährliche Honigproduktion am Balkon auf rund 35 Kilogramm, wovon 15 Kilogramm für den eigenen Verbrauch genutzt werden können. Der jährliche Arbeitsaufwand für die Betreuung eines Bienenstocks liegt laut Bienenbox-Erfinder bei 15 bis 20 Stunden.

Die Vermarktung von Honig, den man als Hobby-Imker gewonnen hat, lohnt sich kaum Die Vermarktung von Honig, den man als Hobby-Imker auf dem Balkon gewonnen hat, lohnt sich kaum (Foto: Tony Hall)

Wer das Imkern als Hobby entdeckt hat, könnte den so gewonnenen Honig auch vermarkten. Doch dieser Aufwand erscheint vielen Hobby-Imkern zu groß, sodass außerhalb des Bekanntenkreises kaum jemand von dem köstlichen „flüssigen Gold“ erfährt. Hier möchte nun das Münchener Start-up-Unternehmen NearBees aktiv werden. Es setzt sich für den in der Region gewonnenen Honig ein und bringt Hobby-Imker mit Honig-Interessenten aus der Umgebung zusammen. Denn häufig dürfte Unkenntnis über das lokale Honigangebot ein Grund dafür sein, ins Regal des Supermarkts zu greifen. Dabei einen Honig aus dem Ausland zu erwischen, ist recht wahrscheinlich. Immerhin werden jedes Jahr rund 80000 Tonnen Honig importiert. Die Plattform NearBees soll im Sommer online gehen.

www.everyday-feng-shui.de

Quellen:

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Astrid Albrecht-Sierleja
Über Astrid Albrecht-Sierleja 158 Artikel
Astrid Albrecht-Sierleja verfügt als langjährige Malerin und Lackiererin über ausgesprochen praxisorientiertes Wissen und kennt als Produkt-Designerin die Vielfalt gestalterischer Möglichkeiten im Wohn- und Arbeitsbereich. Astrid erreicht ihr unter a.albrecht@everyday-feng-shui.de

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