Das falsche Glück

Tu das, was dich glücklich macht! Folge dem Glücksweg! Feng-Shui für mehr Glück! – Doch Moment mal: Nicht jede Wunscherfüllung ist wahres Glück! Vermeintliches Glück ist oft eine Form von Sabotage-Glück.

Foto: Theo Crazzolara / flickr CC BY 2.0
Foto: Theo Crazzolara / flickr CC BY 2.0

Herkömmliche Glücksvorstellungen

Die meisten Menschen verbinden mit Glück Werte wie Gesundheit, einen liebevollen Partner, brave Kinder, ein schönes Haus, ein teures Auto, finanziellen Wohlstand und allgemein gutes Gelingen. Man wünscht sich gegenseitig, dass diese Vorstellungen von Glück in Erfüllung gehen mögen. Und denkt sich vielleicht heimlich: „Aber für die anderen bitte etwas weniger Glück als für mich selbst!“ Denn zu herkömmlichen Glücksvorstellungen gehört auch, dass man deutlich glücklicher ist als die anderen. Vermeintliche Glücksfaktoren wie Erfolg, Einfluss, Macht oder Anerkennung sind nur erreichbar, indem man andere übertrumpft oder aussticht. Fast alle Eltern möchten, dass ihre Kinder hervorragen, besser abschneiden und attraktiver sind als die Kinder von anderen Eltern. Unter Glück versteht man im Allgemeinen mehr als nur Zufriedenheit, sondern einen Zustand, der mit einer besonders freudvollen bis euphorischen Stimmung einhergeht. Lachen, Jubeln, Schwelgen, Genießen, Heiterkeit, Ausgelassenheit, Begeisterung und Triumpf-Gefühle gehören zu trivialen Vorstellungen von Glück.

Das Vereinnahmungsglück

Menschen, die diese Art von Glück suchen, wähnen sich glücklich, wenn sie möglichst viele Mitmenschen vereinnahmen können. Typische Beispiele:

  • Der Elternstolz auf die Kinder und Enkelkinder.
  • Die Identifikation mit einem erfolgreichen und attraktiven Partner.
  • Das Glück beim Tratschen über andere Menschen. Alle privaten Details, die man über diverse Mitmenschen in Erfahrung bringt, werden zu Geschichten verknüpft, die mit der Realität wenig zu tun haben.
  • Glücksgefühle, die an Macht und Einfluss geknüpft sind.
  • Das dehnbare Glück, das durch beliebige Projektionen auf andere Menschen entsteht, ist besonders bei Narzissten beliebt, weil sie sich besser vorkommen möchten.

Vereinnahmungen sind direkt mit Einbildungen, Vorurteilen, Verfälschungen, Desinformationen, Lügen, Selbstbetrug, Täuschungen und Irrtümern verbunden. Das Vereinnnahumgsglück lässt sich sehr leicht aufrechterhalten, weil es ein realitätsfernes Spektakel ist, das sich beliebig anpassen lässt. Es ist ein abgehobenes und grundloses Glück, das zunehmend in die Isolation führt. Denn wer seine Mitmenschen einsteckt, muss damit rechnen, dass er sich unbeliebt macht. Die vermeintlich Glücklichen leben wie in einem Rausch oder einer Blase -fernab von echten Glückserfahrungen.

Das Konsumglück

Dieses „Glück“ kann man kaufen oder sich schenken lassen. Es ist rein sachbezogen und hält meist nicht lange an.

Das bedingte Glück

Bedingtes Glück ist abhängig von Bedingungen. Der Glücksuchende muss seinem Glück hinterherrennen. Der Volksmund besagt: „Fürstengunst, Aprilwetter, Frauenliebe und Rosenblätter, Würfelspiel und Kartenglück wechseln jeden Augenblick.“ Sobald das Wetter umschlägt, die Komplimente ausbleiben oder eine Schachpartie verloren wird, ist es vorbei mit dem Glücksgefühl.

Das Erwartungsglück

Menschen, die ihr Glück mit der Erfüllung von Erwartungen verbinden, bleiben nicht nur vom Verhalten anderer Menschen abhängig, sondern auch von Fügungen des Alltags, die niemand beeinflussen kann. Alles soll so sein, wie man es sich wünscht und vorstellt. Und natürlich erwartet man immer nur das Beste. Man investiert in Projekte und Beziehungen – und erwartet, dass die Energie, die man reingesteckt hat, mit Gewinnen zurückkommt. Der Erwartungsdruck ist hoch, denn jede Nicht-Erfüllung wird als Niederlage – und somit Unglück – empfunden. Die Bezugspersonen wissen bald sehr genau, was sie zu tun haben, um den Erwartungen zu entsprechen. Und wehe, sie haben mal andere Interessen, als für das Glück desjenigen zu sorgen, der es gerade erwartet. Kinder, die ständig unter Erwartungsdruck stehen, werden zu Glück-Sklaven erzogen – und somit nimmt das Unglück erst recht seinen Lauf.

Die Schadenfreude

„Es gibt tatsächlich Menschen, die eigenes Unglück leichter ertragen als fremdes Glück.“ weiß der Volksmund. In diesem Fall wird das Glück als Wettbewerb betrachtet. Es gibt bei diesem Glückskonzept immer mehr Verlierer als Glückliche. Da es nicht möglich ist, immer und überall der Beste zu sein, dient die Schadenfreude als Kompensation der chronischen Selbstwert-Kränkungen.

Zum Weiterlesen:

Sprichwörter über das Glück

Was ist Glück? Wie falsche Glückskonzepte unglücklich machen

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Über Johanna Fritz 70 Artikel
Johanna ist freiberufliche Grafik-Designerin und Künstlerin. Sie berät das Team von Everyday Feng Shui bei der Website-Gestaltung und unterstützt bei redaktionellen Themen rund ums Wohnen und Einrichten. Johanna ist unser "Stil-Guru" und ihr erreicht sie unter j.fritz@everyday-feng-shui.de

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