Die Sache mit dem Selbstwert

Niemand wird gerne bewertet, aber dennoch erfolgen täglich unzählige Bewertungen und Abwertungen. Am schlimmsten sind die Gedanken, mit denen sich Menschen selbst abwerten.

Schmuck, Schminke und die Zurschaustellung von körperlichen Reizen sind besonders bei Frauen beliebte Mittel, um sich aufzuwerten. Foto: abbilder / flickr CC BY 2.0
Schmuck, Schminke und die Zurschaustellung von körperlichen Reizen sind besonders bei Frauen beliebte Mittel, um sich aufzuwerten. Foto: abbilder / flickr CC BY 2.0

Sehr viele zwischenmenschliche Probleme basieren auf einem niedrigem Selbstwertgefühl:

  • Scham, Schuldgefühle und Schulden
  • Depressionen
  • Süchte und Abhängigkeiten
  • Versagenssängste
  • Verlustängste
  • Missgunst und üble Verwünschungen
  • Neid
  • Habsucht und Gier
  • Arroganz und Überheblichkeit
  • Männlichkeitswahn, Sexismus und Chauvinismus
  • Machtkämpfe, Revierkämpfe und Rivalitäten
  • Sabotage und Selbstsabotage
  • Stottern und nervöse Ticks
  • Mutlosigkeit und Ohnmachtgefühle
  • Unsicherheit und Schüchternheit
  • Hierarchien, Kasten und Status-Kategorien
  • Herabwürdigungen und Abschätzungen
  • Narzissmus

Menschen, die sich selber nicht mögen, lehnen nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Mitmenschen ab. Sie können es nicht lassen, über andere herzuziehen und dieses und jenes zu kritisieren. Dabei ist es egal, ob diese Menschen sich bewusst schlecht fühlen oder ob sie ihre Minderwertigkeitskomplexe mit einem übersteigerten Selbstwertgefühl zu kaschieren versuchen. Es spielt im Prinzip keine Rolle, ob jemand schüchtern oder überheblich auftritt. Menschen mit aufgeblähtem Ego und größenwahnsinnigen Vorstellen fühlen sich im Grunde ihres Herzens genau mickrig und unzulänglich wie blasse Mauerblümchen.

Minderwertigkeitsgefühle sind eine globale Seuche

Die meisten Menschen glauben, dass der Wert eines Menschen an einer imaginären Waage gemessen wird und gesteigert werden kann, indem man entweder bessere Leistungen erbringt oder andere Menschen abwertet. Daher entsteht oft ein Kampf. Ein Kampf um mehr Ansehen, um mehr Geld, um bessere Schulnoten – und auch um die Zuneigung von Bezugspersonen. Gegenseitige Abwertungsspielchen sind daher an der Tagesordnung. Man taxiert sich und macht sich gegenseitig runter. Zum Beispiel, indem man einander ignoriert, ausgrenzt, blockiert oder in Verruf bringt. Natürlich braucht jeder Mensch einen gewissen Vergleich, um sich einordnen zu können. Aber was können wir WIRKLICH wahrnehmen, wenn wir unser Herz mit Bewertungen zupflastern?

Sind Bewertungen typisch menschlich?

Was wir an unseren Haustieren so lieben, ist, dass sie uns uns nicht verurteilen. Aber auch Tiere können „Vorurteile“ haben und Revierkämpfe austragen. Auch sie können eifersüchtig reagieren und um die Gunst von Bezugspersonen kämpfen. Wenn Menschen sich trennen, hat das oft damit zu tun, dass sie gewisse Einordnungen und Beschränkungen nicht mehr ertragen können. Wenn jeder einfach sein könnte wie er ist, gäbe es wenig Gründe für Trennungen. Bewertungen sind geistige Vorgänge und daher vor allem bei Kopfmenschen verbreitet. Je einfacher ein Gehirn gestrickt ist, umso mehr neigt es dazu, alles in Schubladen zu stecken, um sich nicht mit komplexeren Zusammenhängen beschäftigen zu müssen. Im Extremfall werden alle Menschen in drei Gruppen sortiert: Gut, schlecht und mittelmäßig. Somit kann man sie schnell abhaken und muss sich nicht weiter mit ihnen beschäftigen.

Gibt es einen Konsens darüber, was einen wertvollen Menschen ausmacht?

Da es in verschiedenen Kulturen völlig unterschiedliche Bewertungssysteme gibt, ist es schwierig, einen gemeinsamen Nenner zu erkennen. Man könnte sagen, dass ein Mensch wertvoll ist, wenn er für andere nützlich ist. Aber das würde bedeuten, dass Einsiedler und andere Menschen, die nur für sich selber sorgen oder keine Leistungen erbringen, wertlos sind. Bewertungen scheinen etwas völlig Subjektives zu sein. Jeder hat andere Maßstäbe. Auf jeden Fall gibt es gewisse Gedankenmuster, die das Selbstwertgefühl verringern. Zum Beispiel:

  • Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben
  • Die tief verankerte Geringschätzung von Frauen, von der fast alle Menschen infiziert sind
  • Die Entwertung von alten, kranken und leistungsschwachen Menschen
  • Die Ablehnung von Eigenschaften an sich selbst und anderen Menschen
  • Gefühle des Scheiterns, wenn Projekte oder Beziehungen nicht wunschgemäß verlaufen
  • Die Abhängigkeit von Beachtung, Zustimmung und Bestätigung
  • Perfektionistische Ansprüche
  • Destruktive Selbstkritik am laufenden Band
Nicht jede Innenausstattung ist zweckmäßig, sondern dient zur Steigerung des Selbstwertgefühls. Foto: VillaEarlySunset / flickr
Nicht jede Innenausstattung ist zweckmäßig, sondern dient zur Steigerung des Selbstwertgefühls. Foto: VillaEarlySunset / flickr

Heilung für Menschen mit geringem Selbstwertgefühl

Dieser Artikel ersetzt selbstverständlich keinen Besuch bei einem Therapeuten. Wer Probleme mit seinem Selbstwert hat oder sich ungerecht kritisiert fühlt, sollte möglichst oft versuchen, kritische Stimmen abzustellen – egal ob sie von außen oder von innen kommen. Niemand muss sich ungefragt bewerten lassen. Auch positive Bewertungen sind eine Form von Anmaßung, die man zurückweisen kann, wenn man sie unangebracht findet. Es ist zum Beispiel nicht hilfreich, wenn man Frauen ständig sagt, dass sie attraktiv, hübsch oder anziehend sind. Auch das ständige Hervorheben von Fleiß, Bravsein und Artigkeit kann Stress erzeugen und zu einem Erwartungsdruck führen. Wer sich nicht bewerten lässt und andere möglichst wenig bewertet, wird frei für essentielle Wahrnehmungen. Es geht also letztlich nicht darum, ein höheres Selbstwertgefühl aufzubauen, sondern das Ziel ist es, von allen Bewertungen wegzukommen. Ein Mensch, der in seiner Mitte ruht, IST einfach und kümmert sich nicht darum, was andere von ihm halten. Es spielt überhaupt keine Rolle, ob er gerade fleißig ist oder Fehler macht oder eine spezielle Erfahrung durchlebt.

Ich bin es mir wert, mir dieses und jenes zu gönnen

Dieser oft gehörte Glaubenssatz ist nicht wirklich hilfreich, weil er auf der Vorstellung basiert, dass mein Selbstwert von irgendwas abhängt. Manche Menschen brauchen das Gefühl von Macht, um sich wichtig zu fühlen. Andere brauchen hochwertige Gegenstände oder Schmuck, um sich besser vorzukommen als andere. Wiederum andere fühlen sich nur wertvoll, wenn sie sich anstrengen. Bewertungen machen niemanden glücklich, auch wenn es uns vorübergehend erfreut, eine Anerkennung, ein Lob oder ein Kompliment zu erhalten. Wenn man positives Feedback geben möchte, sollte man möglichst den ganzen Menschen wertschätzen und nicht bloß ein Detail oder eine spezielle Leistung. Es ist durchaus möglich, sich selbst und das Umfeld wertfei zu beobachten. Es ist sogar viel interessanter und natürlicher, die Dinge einfach auf sich wirken zu lassen, ohne sie einzuordnen. Wir haben die Macht, alle Bewertungsversuche an uns abprallen zu lassen und der Welt mit bedingungslosem Wohlwollen zu begegnen!

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Literatur-Übersicht

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Geomantie.Netzwerk Graz + Umgebung

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