Mit Widerstandskraft gegen die Einsamkeit

Wer sich regelmäßig und ausreichend Zeit für sich selbst nimmt, bleibt körperlich und geistig fit. Zu diesem Ergebnis kommen Psychologen der Technischen Universität Dresden in einer Studie. Doch aufgepasst: Wird das Alleinsein als Einsamkeit empfunden, kann es der Gesundheit schaden.

Einsamkeit: Wenn das Leben an einem vorbeizieht
Einsamkeit: Wenn das Leben an einem vorbeizieht (Foto: Danilo Arenas Ireijo)

 

Wichtige Zeit für sich selbst

Der Begriff der Work-Life-Balance als Gleichgewicht von Arbeit und Freizeit hat längst Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden. Doch die Forschungsergebnisse der Dresdner Psychologen fügen der herkömmlichen Work-Life-Balance einen neuen und vielleicht entscheidenden Aspekt hinzu. Wichtig ist für das Wohlbefinden demnach nicht nur die generell zur Verfügung stehende Freizeit, sondern vor allen Dingen die Zeit für sich selbst. Diese Zeit für Privates hat laut Studie entscheidenden Einfluss auf die eigene Gesundheit und ist nicht durch anderweitige Freizeit zu ersetzen. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass ein Gleichgewicht zwischen Arbeitszeit, Zeit für sich selbst und Zeit für soziale Kontakte die eigene Gesundheit am günstigsten beeinflusst. Ein Zuviel an Selbst-Zeit ist demnach offenbar ebenso wenig gesundheitsförderlich wie ein Mangel an dieser Zeit.

Einsamkeit bei alten und jungen Menschen verbreitet

Ausgesprochen gesundheitsschädlich wird es, wenn ein Zustand der Einsamkeit erreicht und nicht mehr durchbrochen wird. So haben Untersuchungen ergeben, dass dauerhaft einsame Personen ohne stabile soziale Kontakte ein anfälligeres Immunsystem, häufiger Herz-Kreislauf-Probleme und sogar eine geringere Lebenserwartung haben als andere Menschen. Auch im Hirnscanner lässt sich die Wirkung von Einsamkeit messen. Bemerkenswerterweise sind bei gefühlter Einsamkeit die gleichen Regionen aktiv wie beim Empfinden von Schmerz.

Junge und alte Menschen sind gleichermaßen von Einsamkeit betroffen
Junge und alte Menschen sind gleichermaßen von Einsamkeit betroffen (Foto: Ktoine)

Etwa zwei Prozent aller Deutschen fühlen sich laut einer Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach dauerhaft einsam. Allerdings ergeben sowohl Umfragen unter jungen als auch Befragungen von alten Menschen deutlich größere Zahlen. Demnach fühlen sich je nach Erhebung fünf bis 20 Prozent dieser beiden Altersgruppen dauerhaft einsam. Deutlich wird dabei zweierlei: Zum einen ist eine gesundheitlich bedenkliche Einsamkeit durchaus bei jungen Erwachsenen vorhanden, die sich zum Beispiel im Studium regelmäßig unter vielen Menschen bewegen. Zum anderen führt das im Alter recht verbreitete Alleinsein nicht unbedingt zur Einsamkeit.

Frauen mit Stehaufmännchen-Fähigkeiten

Frauen vertragen Einsamkeit häufig besser
Frauen vertragen Einsamkeit häufig besser
(Foto: martin / x1klima)

Ob sich ein Mensch einsam fühlt, hängt offenbar weniger von der Menge der sozialen Kontakte als vielmehr von deren Qualität ab. Auch das Alleinsein im Alter muss keineswegs in die Einsamkeit führen. Befragungen des Helmholtz-Zentrums in München ergaben, dass sich allein lebende ältere Menschen nicht einsam fühlen, wenn das Netz ihrer Sozialkontakte intakt ist.

Ein weiteres Befragungsergebnis besagt, dass Einsamkeit unter Männern und Frauen über 65 Jahren etwa gleich häufig vorkommt. Überraschend ist dies, da es bei älteren Frauen viel mehr Risikofaktoren für Einsamkeit gibt als unter Männern. Denn Seniorinnen sind häufiger verwitwet als Senioren. Zudem sind ältere Frauen stärker von körperlichen Gebrechen und psychischen Krankheiten wie zum Beispiel Depressionen betroffen als ältere Männer. Experten des Helmholtz-Zentrums vermuten, dass die sogenannte Resilienz, also die psychische Widerstandskraft, eine entscheidende Rolle spielen könnte. Demnach sind Frauen resilienter als Männer und dadurch trotz schlechter Rahmenbedingungen weniger anfällig für dauerhafte Gefühle der Einsamkeit.

Widerstandskraft ist erlernbar

Landläufig wird Resilienz mit dem Beispiel des Stehaufmännchens erklärt. Schon seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts wird daran geforscht, was manche Menschen resilienter macht als andere. Langzeitstudien ergaben, dass nicht wenige Kinder, die unter widrigsten Umständen aufwuchsen, später dennoch erfolgreich ein ausgefülltes Leben führten. Ein Ergebnis der Resilienzforschung besagt, dass resiliente Menschen selbst die schlimmsten Schicksalsschläge als Chance nutzen und sogar gestärkt daraus hervorgehen, während wenig Resiliente an Krisen geradezu zerbrechen. Inzwischen scheint geklärt, welche Persönlichkeitsmerkmale sehr wahrscheinlich für eine große Widerstandskraft sorgen – und welche Eigenschaften mit geringer Resilienz verbunden sind. Doch es besteht Hoffnung für alle, die bislang nicht unbedingt als Stehaufmännchen galten: Resilienz, so die Botschaft der Forschung, ist durchaus noch im Erwachsenenalter trainierbar.

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