„Garten des Friedens“: Der erste Feng Shui Friedhof Europas

Die Bestattungsbranche ist im Umbruch. Immer mehr Menschen sind auf der Suche nach alternativen Bestattungsformen. In Fürstenzell bei Passau ist nun der erste Feng Shui Friedhof Europas entstanden, auf dessen Gelände Naturbestattungen durchgeführt werden. Ein Hintergrundbericht.

Landschaftsplan des Feng Shui Friedhofs in Fürstenzell
Landschaftsplan des Feng Shui Friedhofs in Fürstenzell (Bildquelle: gartendesfriedens.de)

Im Österreichischen Ried fand vom 23. bis 25. September die „Devota“ statt, eine der größten Bestatter-Fachmessen Europas. 116 Aussteller aus 13 Nationen zeigten dem interessierten Fachpublikum neue Branchentrends, traditionelle und alternative Bestattungsformen, künstlerische Grabgestaltung, Sarkophage, Bestattungszubehör und vieles mehr. Das Fazit der Messebesucher fiel einhellig aus: Die Branche ist im Umbruch. Doch wie äußert sich dies und was sind die Gründe dafür?

Die Branche verändert sich, weil sich die Gesellschaft verändert. Wir leben in einer globalisierten Welt, in der Familien nicht selten über verschiedene Kontinente verstreut leben. Zudem treibt der schwindende Einfluss der Kirchen den Wandel zusätzlich voran. Immer weniger Menschen entscheiden sich für traditionelle Bestattungsformen wie etwa Urnenbeisetzungen auf kirchlichen Friedhöfen, während anonyme oder besonders individuelle Bestattungen zunehmend im Trend liegen.

Der Interesse an alternativen Bestattungen wächst rasant

Wird immer beliebter, ist aber in Deutschland nicht erlaubt: Die Donaubestattung
Wird immer beliebter, ist aber in Deutschland nicht erlaubt: Die Donaubestattung
(Bildquelle: naturbestattung.at)

Branchenexperten wie Günther Brunner aus Fürstenzell bei Passau, der Europas ersten Feng-Shui-Naturfriedhof betreibt und zugleich das laut eigenen Angaben Schadstoff-ausstoßärmste Krematorium Deutschlands leitet, schätzen den Anteil anonymer Bestattungen inzwischen auf etwa 10 Prozent. Entweder aus Sorge, dass sich die Kinder nicht um das Grab kümmern könnten oder einfach weil sie den Nachkommen nach ihrem Tod nicht zur Last fallen wollen, hat sich in der älteren Generation ein Hang zur anonymen Bestattung entwickelt.

Doch unabhängig von Religion, Weltanschauung oder familiärer Situation ist das Bedürfnis der meisten Menschen nach einer Beisetzung an einem würdevollen Ort der letzten Ruhe nach wie vor groß. Viele Angehörige wollen zudem nicht gänzlich auf Rituale rund um Bestattung und Grab verzichten. Auf diese individuellen Bedürfnisse haben sich eine Reihe von Ausstellern der Devota und so auch Günther Brunner mit seinem „Feng Shui Friedhof“ versucht einzustellen.

Naturbestattungen im „Garten des Friedens“

Der im Jahre 2009 gegründete Feng Shui Naturfriedhof „Garten des Friedens„, gelegen in der Gemeinde Fürstenzell nahe der Dreiflüsse-Stadt Passau, bietet hier als letzte Ruhestätte in der Natur eine echte Alternative zu traditionellen Bestattungsformen. Unter dem Motto „Ort der Ruhe – mitten im Leben“ werden auf dem ca. 14.000 Quadratmeter großen Friedhofsgelände so genannte Naturbestattungen durchgeführt, zu denen beispielsweise die Wiesen-, Baum-, Stein- oder Rosenstock-Bestattung gehören.

Feng Shui Naturfriedhof in Fürstenzell bei Passau aus der Vogelperspektive
Feng Shui Naturfriedhof in Fürstenzell bei Passau aus der Vogelperspektive (Foto: Dieter Seitl)

Der „Garten des Friedens“ wurde dabei als beeindruckender energetischer Ort in Harmonie mit der Natur gestaltet. Die Ausformung der Topographie und das Wechselspiel natürlicher und künstlicher Elemente erzeugen nicht nur außergewöhnliche optische Eindrücke, sondern sorgt auch für eine würdevolle und friedliche Atmosphäre. Planung und Gestaltung der Anlage erfolgten auf Grundlage von Feng Shui:

„Kleine Landschaftsbereiche entsprechen den Fünf Elementen Wasser, Holz, Feuer, Erde und Metall. Jeweils in der entsprechenden Himmelsrichtung, mit passender Vegetation und Blütenfarbe, immer in förderlicher Anordnung zueinander. Für Bestattungen nach den Prinzipien von Feng-Shui ist somit sichergestellt, dass für jeden Verstorbenen der passende Platz gefunden werden kann.“ (Quelle: gartendesfriedens.de)

Auf diese Weise soll der „Garten des Friedens“ mehr sein als ein Naturfriedhof: Er soll den Hinterbliebenen als ein starker, kraftvoller Ort dienen, der die Sinne und die Seele anspricht und sie dabei unterstützt sich (wieder) zu finden. Wer von oben auf den Landschaftsplan schaut, entdeckt zudem eine um ein Ei gewundene Schlange. Vergleichbar mit dem Drachen im Feng Shui gilt sie als universelles Symbol für Erneuerung und Fruchtbarkeit sowie für Weisheit und Vermittlung zwischen Himmel und Erde.

Der Feng Shui Naturfriedhof in Fürstenzell steht somit weniger für Tod, Ende und Abschied, sondern verweist vielmehr auf die Zyklizität aller natürlichen Prozesse: Jedem Ende wohnt ein neuer Anfang inne – ein wie wir finden sehr moderner und hoffnungsvoller Ansatz, der einem Leben in Harmonie mit der Natur viel näher steht, als viele traditionelle Bestattungsrituale in unserem Kulturkreis. Die aktuellen Entwicklungen in der Bestattungsbranche sind somit absolut zu begrüßen. Mehr davon!

Fazit: Der Feng Shui Friedhof in Fürstenzell hat uns neugierig gemacht und ist in unserem Reisekalender 2012 fest eingeplant.

www.everyday-feng-shui.de

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Über Long Wang 315 Artikel
Meister Long Wang ist seit 2007 Teil des Everyday Feng Shui Redaktionsteams und bereichert seither als Experte für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) mit seiner fernöstlichen Perspektive auf die Welt unsere Plattform. Zu erreichen ist er unter l.wang@everyday-feng-shui.de

4 Kommentare

  1. Ein schöner Ort an dem sich Menschen wohl fühlen und im Angesicht der Trauer Kraft schöpfen können ist sicherlich eine gute Vision für jeden Friedhof. Auf dem Bild sieht der Friedhof sehr schön und friedlich aus. Eine schöne Alternative für Bestattungen.

  2. Das hat aber nicht viel mit einem traditionell ausgerichtetes Begräbniszeremonie nach Feng-Shui Regeln zu tun. Ich würde den Garten des Friedens als Europas Alternativbestattungen beschreiben. Es hat defintiv nichts mit Feng Shui zu tun.

  3. Hallo,

    vielen Dank für den interessanten Artikel. Der Feststallung, dass die Bestatterbranche sich wandelt und dass alternative Bestattungsformen zunehmen, kann ich nur bestätigen. Im Lebenswandlung-Blog, der vor kurzem einjähriges gefeiert hat, beschäftigen wir uns mit dem Thema sehr intensiv.
    In dem vorgestellten Fall sollte aber betont werden, dass es sich hier nicht um die klassischen Prinzipen des „Yin Feng Shui“ zur Gestaltung von Grabstätten handelt. Diese sind nämlich für die heutige Zeit und in unserer Kultur so gut wie nicht anwendbar (sie setzen eine typisch asiatische Form des Ahnenkultes voraus).
    Bei Garten des Friedens wurden Prinzipien aus dem traditionellen Landschaft-Feng-Shui angewendet, was für diesen Zweck besser geeignet ist.

    Viele Grüße
    Hedwig Seipel

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