Grenzverletzungen im Alltag

Jeder ist für seine Grenzen selbst verantwortlich. Wenn unser Revier bedroht ist, fühlen wir uns ärgerlich, gestresst, traurig oder wütend. Das Setzen und Verteidigen von Schranken ist nicht immer leicht und will geübt sein.
Foto (C) Mark Zilberman / flickr CC BY 2.0
Foto (C) Mark Zilberman / flickr CC BY 2.0

Verletzte Grenzen sind eine Hauptursache für Streitereien zwischen Nachbarn, Partnern und Kindern. Viele Eltern, die es gut mit ihren Sprösslingen meinen, haben täglich damit zu kämpfen, dass die Kinder ihre Grenzen ausloten und zu überschreiten versuchen. Grenzen sind überall dort notwendig, wo Menschen auf beschränktem Raum miteinander auskommen müssen. Das ist natürlich auch auf vielen Arbeitsplätzen der Fall. Wie Menschen mit Grenzen umgehen, hängt vom Charakter ab und ist entsprechend unterschiedlich. Daher ist es wichtig, dass man selber weiß, wo die eigenen Grenzen sind, und dass man die Grenzen der Mitmenschen richtig einschätzt.

Der rückzügliche Charakter

Menschen, die nicht anecken möchten, halten von vorneherein einen Respekt-Abstand ein und kommen nur näher, wenn sie mindestens dreimal aufgefordert werden. Sie möchten auf keinen Fall unangenehm auffallen oder aufdringlich wirken. Sie fühlen sich äußerst unwohl, wenn sie fremde Grundstücke betreten oder eingeladen werden, Privaträume zu besichtigen. Sie bewegen sich wie auf Samtpfoten, entschuldigen sich mehrmals für ihre „Unverfrorenheit“ und lassen ihre Blicke nur flüchtig schweifen. Wenn sie auf Besuch kommen, bleiben sie brav auf dem zugewiesenen Stuhl sitzen und rühren ohne Einladung nicht mal die Aufwartungen an, die aufgetischt werden. Selbst nach mehrmaligem „Nimm! Iss! Trink was! Greif zu!“ bleiben sie zögerlich und nippen nur ein wenig am Glas oder knabbern stundenlang am selben Keks herum.

Der besitzergreifende Charakter

Egal, ob es sich um völlig fremde Besucher, Handwerker oder Kunden handelt: Dieser Typ hat keine Hemmungen, ein Terrain sofort in Beschlag zu nehmen. Selbstverständlich macht er keine Anstalten, die Schuhe auszuziehen, die Zigarette auszumachen oder den Kaugummi aus dem Mund zu nehmen. Der Inhalt der mitgebrachten Tasche wird gleich mal großzügig im Raum verteilt – damit das Revier markiert ist. Dann geht es gleich ab aufs WC und in die Küche und auf die Terrasse. Die Sitzgelegenheiten werden der Reihe nach ausprobiert, um sich schließlich ganz entspannt am Sofa zu räkeln oder den den mitgebrachten Hund aufs Bett zu setzen. Schubladen werden ungeniert geöffnet und keine verschlossene Tür ist sicher – sofern sie nicht zugesperrt ist. Das alles geht schneller, als der Gastgeber schauen kann. Und ehe er es sich versieht, ist auch die Kühlschranktür offen, um sich mit Proviant zu versorgen oder um die mitgebrachte Trinkflasche kühl zu stellen.

Der gedankenlose Charakter

Nicht jeder, der unverschämt wirkt, ist sich dessen bewusst. Firmenvertreter halten es für ihre Pflicht, potentielle Kunden am Telefon oder an der Haustür zu bedrängen, um ins Geschäft zu kommen. Auch das Personal von der Fernwärme-Messtechnik empfindet keinerlei Hemmungen, Privaträume zu betreten und alles beiseite zu räumen, was im Weg steht. Sie kennen keine Schwellenangst und haben kein Gefühl für die Aura, in die sie eindringen. Sie sind mit ihren Gedanken woanders und merken nicht, dass sie gerade in einen ätherischen Raum trampeln wie der sprichwörtliche Elefant in den Porzellanladen.

 Nicht jede Umarmung beruht auf Gegenseitigkeit. Foto (C) Andreas Eldh / flickr CC BY 2.0
Nicht jede Umarmung beruht auf Gegenseitigkeit. Foto (C) Andreas Eldh / flickr CC BY 2.0

Verbale Überschreitungen

Auch unverschämte Fragen, Bewertungen und Belehrungen sind Grenzverletzungen. Niemand möchte gerne zurechtgewiesen werden und Ratschläge bekommen, die ihn nicht interessieren. Viele Grenzverletzer gehen irrtümlich davon aus, dass sie etwas besser wissen oder dass alle anderen ähnlich ticken wie sie selber. Sie haben kein Bewusstsein für die Unterschiede oder wollen diese nicht respektieren. Jeder Anhänger einer Religion hält seine Konfession für die beste und alle anderen Gläubigen für Sünder. Gar nicht zu reden davon, was sie von Ungläubigen und Konfessionslosen halten. Wenn einer sich hervortut und in einem Zug alle anderen degradiert, kann man einander nicht mehr auf Aughöhe begegnen.

Das persönliche Hoheitsgebiet verteidigen

Es ist nicht immer einfach, freundlich und klar zu bleiben, wenn man sich ärgert und die Emotionen hochkochen. Je nach Temperament kann uns achtloses, respektloses und egoistisches Verhalten schnell auf die Barrikaden bringen. Es ist von Vorteil, wenn man den Humor bewahrt und freundlich, aber souverän und mit kräftiger Stimme erklärt, wo Schluss ist. Am besten, man legt sich ein paar Floskeln zurecht, die für viele Situationen passen. Gelegenheiten zum Üben gibt es genug, wenn man nicht lange wartet, sondern jeden Unmut frühzeitig äußert. Es kommt nur auf den Ton an. Denn wer hat den Schaden, wenn man SICH (selbst) ärgert? Ärger zieht runter und verdirbt die Stimmung. Daher sollte man im eigenen Interesse immer darauf achten, dass die Situation nicht eskaliert. Es macht keinen Sinn, ein unangemessenes Verhalten mit einer noch größeren Frechheit zu quittieren.

Revierkämpfe dürfen kein Dauerzustand sein

Im Allgemeinen lassen sich viele Konflikte vermeiden, indem man kleine Überschreitungen nicht übersieht, aber aufmerksam toleriert, und indem man den Umgang mit distanzlosen Menschen generell meidet. Grenzstreitigkeiten lohnen sich nicht, denn es ist zu mühsam, ständig darauf hinzuweisen, wo die eigenen Grenzen sind. Ein gutes Auskommen ist nur möglich, wenn die Beteiligten ein ähnliches Gefühl für die Grenzen haben und diese unaufgefordert einhalten. Wenn zum Beispiel einer immer den anderen kritisiert oder dem anderen keine Privatsphäre zugesteht, so kann das auf die Dauer nicht gutgehen.

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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