Ist die autarke Selbstversorgung mit Lebensmitteln möglich?

Was für eine komische Frage, über die unsere Ur-Urgroßeltern nur lachen würden! Denn fast alle von ihnen waren Selbstversorger. Und wenn sie nicht überlebt hätten, gäbe es uns nicht.  

Cottagegarten, Foto (C)Tony Hisgett / flickr CC BY 2.0
Cottage-Garten, Foto (C) Tony Hisgett / flickr CC BY 2.0

 

Allerdings waren die Bedingungen damals andere. Vor der Industrialisierung bestand der Großteil der Bevölkerung aus Kleinbauern und Handwerkern. Es gab fast keine Bürokratie und auch kaum Steuern. Viele Gehöfte lagen abgeschieden im Irgendwo, ohne Strom-, Wasser- und Kanalanschluss. Und natürlich auch ohne Handy und Internet. Die heutigen Kleinstädte und Vororte waren nur kleine Dörfer, bestehend aus einem Gemeindeamt, einer Schule, einer Kirche, einem Gasthaus und wenigen Kaufhäusern. Zweifellos konnten die Menschen von dem leben, was sie produzierten. Und sogar vergleichsweise gut. Alle Produkte waren zu hundert Prozent biologisch und entstanden in hochwertiger Handarbeit. Im Winter genoss man mangels Licht eine monatelange Auszeit. Und im Sommer hatte man zumindest eine vollkommen freie Zeiteinteilung. Jeder übernahm die Eigenverantwortung für seine Erfolge und Misserfolge. Gelernt wurde hauptsächlich durch Erfahrung, denn andere Informationsquellen waren nicht so leicht zugänglich wie heute.

 

Teilweise und vollständige Selbstversorgung

Um sich als Selbstversorger zu bezeichnen, muss man nicht alles selbst erwirtschaften. Es ist auch möglich, sich nur zum Teil selbst zu versorgen oder in einer größeren Gruppe zu arbeiten. Hundertprozentige Selbstversorgung trifft eigentlich nur auf Eremiten zu, die wirklich ganz allein für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Je mehr Personen im Spiel sind, umso arbeitsteiliger wird das Ganze. Im Allgemeinen spricht man von Selbstversorgung, wenn der Bedarf an Lebensmitteln so weit gedeckt wird, dass man selbst dann nicht verhungern müsste, wenn man nichts zukaufen würde. Aber auch ein Balkongärtner darf sich Selbstversorger nennen, wenn er genug Küchenkräuter für den Eigenbedarf produziert.

 

Gärten für Rohköstler, Veganer, Vegetarier und Allesesser

Der Platzbedarf für die Aufzucht von Tieren ist wesentlich größer als für Rohköstler, die sich von Gemüse, Früchten und Grünzeug ernähren. Ein paar Obstbäume und ein großer Küchengarten reichen im Prinzip, um das Notwendigste bereitzustellen, um ein Kleinfamilie zu versorgen. Wer Eier essen will, braucht Hühner, und Hühner brauchen einen großen Auslauf. Außerdem macht es einen Unterschied, ob man auf Monokultur, Mischkultur oder Permakultur setzt. Geschickte Gärtner/innen kennen viele Tricks, wie sich der Platz optimal ausnutzen lässt. Zum Beispiel können schnellwüchsige Sorten in Lücken gepflanzt werden. Sie sind erntereif, bevor die langsameren Pflanzen in die Breite gehen. Auch eine zeitlich versetzte Aussaat ist möglich, um mindestens zwei Ernten hintereinander einzufahren pro Saison. Oder man vergrößert die Gartenfläche durch Hügelbeete und vertikale (oder schräge) Rankgerüste. Wer Flachdächer und Terrassen zur Verfügung hat, kann kann weitere Zusatzflächen bereitstellen.

Großer, urbaner Gemüsegarten. Foto (C) Tauralbus / flickr CC BY 2.0
Großer, urbaner Gemüsegarten. Foto (C) Tauralbus / flickr CC BY 2.0

 

Maximaler Ertrag bei minimalem Aufwand 

Wieviel Zeit, Schweiß und Geld man in den Garten stecken muss, hängt von vielen Faktoren ab. Ein entscheidender Punkt ist die Auswahl der richtigen Pflanzen.

  • Samenfeste Sorte vermehren sich quasi von selbst.
  • Wildgemüse, Wildkräuter und wilde Obstgehölze brauchen keine Pflege.
  • Alte und regionale Sorten sind resistenter gegen Schädlinge.
  • Kompostierbare Gewächse zersetzen sich leicht und liefern wertvollen Humus.
  • Stabile Pflanzengemeinschaften benötigen weniger Aufmerksamkeit.
  • Invasive Arten und unangepasste Exoten stören das ökologische Gleichgewicht.
  • Nützliche Vögel, Insekten und Kleintiere benötigen Futter und Unterschlupf. Auch Haustiere können bei der Arbeit mithelfen, wenn man sie intelligent einsetzt.
  • Kleingruppen, Clans, Dorfgescheinschaften und Tauschkreise erleichtern die Selbstversorgung.

Besonders bewährt und ergiebig sind: Karotten, Kartoffel, Zwiebel, Knoblauch, Kürbisse, Zucchini, Kopf- und Pflücksalate, Gurken, Erbsen, Mangold, Rüben, Stangen- und Buschbohnen. Kohlsorten sind eher für Fortgeschrittene geeignet. Chili, Tomaten und Paprika gedeihen besser in einem Gewächshaus. Topinambur kann das ganze Jahr über geerntet werden. Bei den Obstbäumen muss man aufpassen, dass man nicht viel zu viel produziert. Ein einziger Apfelbaum kann mehr als 100 kg Äpfel liefern im Jahr. Spindel- und Buschbäume benötigen mehr Pflege als Hochstamm-Bäume.

 

Städtische Kleingärten und Gemeinschaftsgärten

Unter dem Begriff „Urban Gardening“ sind in den letzten Jahren viele Initiativen und Pilotprojekte entstanden, die beweisen, dass man keinen riesigen Bauernhof benötigt, um sich mit Essbarem zu versorgen. Selbstversorgung hat mit Selbstbestimmung und Freiheit zu tun. Auch wenn es heute nicht immer einfach ist, sich die nötigen Freiheiten zu nehmen, sollte man die Schwierigkeiten nicht überbewerten. Selbstversorgung ist das Natürlichste von der Welt und kann wieder gelernt werden!  Außerdem hat die Gartenarbeit so viele positive Nebeneffekte, dass man sie sogar als Therapie empfehlen kann. Sie schont nicht nur den Geldbeutel, sondern lohnt sich auch energetisch!

 

 

 

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Irmgard Brottrager, Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur,

Ganzheitliche Raum-Gestaltung und Europäisches Fengshui 

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Irmgard Brottrager
Über Irmgard Brottrager 743 Artikel
Irmgard Brottrager ist Dipl.Ing. für Architektur und Innenarchitektur, Fachredakteurin und Fengshuiberaterin in Graz. Sie beschäftigt sich vorzugsweise mit Aufgaben, die mit dem Menschen und seinem Umfeld zu tun haben. Irmgard erreicht ihr unter i.brottrager@everyday-feng-shui.de

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