Peter Zumthor: Bauten und Projekte (1985-2013)

Der 1943 in Basel (Schweiz) geborene Peter Zumthor zählt zu den renommiertesten zeitgenössischen Architekten. Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielt der Sohn eines Schreinermeisters 2009 den Pritzker-Preis für Baukunst. Diese Auszeichnung gilt als der „Nobelpreis“ für Architektur. Zumthor hat nun eine fünfbändige Werkausgabe vorgelegt, in der seine Bauten zwischen 1985 und 2013 dokumentiert werden.

Pritzker-Preisträger Peter Zumthor
Pritzker-Preisträger Peter Zumthor (Bildquelle: 準建築人手札網站 Forgemind ArchiMedia / Flickr)

Bauten aus drei Jahrzehnten

Die in der Werkausgabe beschriebenen Bauten verdeutlichen, warum Peter Zumthor ein ausgezeichneter Architekt mit internationalem Ruf ist. In seiner Architekturkunst vereinen sich formale Geschlossenheit und konsequente Strenge mit der Zumthors eigenen Spiritualität. Dabei steht der Architekt nach eigener Aussage der Institution Kirche eher kritisch gegenüber. „Je älter ich werde und mir die anderen Religionen ansehe, überzeugen mich auch die nicht. Aber ich habe großen Respekt vor der Religiosität einzelner Menschen.“

Anders verhält sich sein persönliches Verhältnis zur Kirche als Raum, den Zumthor „zum Teil außerordentlich stark erlebt“ hat. Zumthor beschreibt dabei zwei unterschiedliche Empfindungen. Zum einen wirkt ein Kirchenraum auf ihn, als würde darin „etwas Heiliges aufbewahrt“, zum anderen kennt der Architekt auch den „belehrenden Kirchenraum“, den er als „anmaßende Demonstration von Macht“ empfindet. Nach Zumthors Verständnis darf Architektur sich nicht als „herrschaftlicher Verkündigungsort manifestieren“. Er ist deshalb froh, dass zum Beispiel die Basilika St. Peter in Rom „auch noch Seitenaltäre“ hat, die das Herrschaftliche abmildern.

Präzision und Kompromisslosigkeit

Zumthors Therme in Vals: Bereits zwei Jahre nach Fertigstellung wurde das Bauwerk zum Denkmal erklärt Zumthors Therme in Vals: Bereits zwei Jahre nach Fertigstellung wurde das Bauwerk zum Denkmal erklärt (Foto: Felipe Camus)

Das Schaffen des bedeutendsten Architekten unserer Zeit ist geprägt durch Präzision und Kompromisslosigkeit. Das verdeutlicht auch die Werkausgabe, die nicht nur Kapellenbauten beinhaltet. Eine ähnliche kompromisslose Herangehensweise offenbart Zumthor auch, wenn er ein Wohnhaus baut. Stets versucht er seine Philosophie einer „slow architecture“ zu realisieren und ist damit für die nachfolgende Architektenzunft zugleich Vorbild und Maßstab geworden. Dabei ist sein bisheriges Oeuvre zwar vergleichsweise schmal, spricht aber die Öffentlichkeit und die Fachkollegen auf der ganzen Welt an.

Peter Zumthor setzt gegen die allgemeine Ästhetik eher oberflächlicher Reize, die auf Größe, Schnelligkeit und Rendite aus sind, sein Credo vom Zusammenwirken von Raum, Materialität und Topografie. Das Konzept wird schlüssig von der Zuordnung von Form und Licht ergänzt. Schönheit und Alltag wachsen so zu einem Gesamtkunstwerk. Daher überrascht es nicht, wenn zum Beispiel Zumthors Therme in Vals bereits zwei Jahre nach der Fertigstellung zum Denkmal erklärt wurde. Dabei vermeidet es der gelernte Möbelschreiner, zum Plagiator seiner Bauten zu werden. Jedes Gebäude ist ein originäres Kunstwerk. Ob es der Serpentine Pavilion in London, die Feldkapelle Bruder Klaus in der Eifel oder das Kolumba Museum des Erzbistums Köln ist, jedes Bauwerk ist mit dem Ort identisch. Aus der Sicht des Architekten leben Städte davon, dass zwischen „privat und öffentlich ein gutes Verhältnis entsteht“, denn Städtebau hat „dem Menschen zu dienen, wie sie zusammenleben wollen“.

Noch nie vorgestellte Projekte

In Peter Zumthors fünfbändiger Werkübersicht sind rund 40 Bauten und Projekte zu finden. Darunter seine weltbekannten Bauten, die umfassend dokumentiert sind. Aber der Leser darf sich auch auf zahlreiche Projekte freuen, die bislang unbekannt waren und nun ausführlich auf den 800 Seiten vorgestellt werden. Mehr als 600 Fotografien sind in den fünf Bänden neben Plänen, Aquarellen, Zeichnungen und Handskizzen versammelt. Zudem hat Peter Zumthor eigens für diese Monografie Texte geschrieben.

Nicht weniger Eindrucksvoll: Die Bruder-Klaus-Kapelle bei Wachendorf Nicht weniger Eindrucksvoll: Die Bruder-Klaus-Kapelle bei Wachendorf (Foto: David Kasparek)

Zumthor beginnt in der Rückschau bewusst mit dem Bau seines Ateliers im bündnerischen Haldenstein. Der Atelierbau aus Jahr 1985 dokumentiert, dass Zumthor nach den vorangegangenen spielerischen Versuchen offenbar seinen Weg als Architekt gefunden hatte. Später wurde das Atelier um ein Wohnhaus erweitert. Beide Bauten sind heute für viele angehende Architekten zu einer Art Mekka geworden.

Auch zum Projekt „Topographie des Terrors“ in Berlin gewährt der Architekt Einblick. Peter Zumthors Entwurf für eine zeitgenössische Dokumentationsstätte erregte großes Aufsehen und wurde nach jahrelangen kontroversen Diskussionen verworfen. Insgesamt wurde das Projekt als zu kompliziert erachtet. Die Treppentürme, die schon fertiggestellt waren, mussten 2004 abgerissen werden. „Wir gingen an die Grenzen des Konstruierens und des Bauens, damit auch an die Grenzen des damals in Berlin Machbaren“, schreibt Peter Zumthor in der Werkausgabe dazu. Vermutlich hätte auch die Dokumentationsstätte als singuläres Kunstwerk das Sakrale und das Spirituelle miteinander versöhnt, wie Zumthor es bei vielen seiner Bauten demonstriert hat. Aber darüber lässt sich nur spekulieren.

Unbestritten bleibt, dass Peter Zumthor Bauten geschaffen hat, frei von Kompromissen und unbeeinflusst von Trends. Mit dem Kunsthaus Bregenz ist ihm gar ein Meilenstein zeitgenössischer Architektur gelungen. Die im Verlag Scheidegger & Spiess erschienene Werkausgabe passt sich äußerlich adäquat dem hervorragenden Inhalt an.

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Über Long Wang 315 Artikel
Meister Long Wang ist seit 2007 Teil des Everyday Feng Shui Redaktionsteams und bereichert seither als Experte für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) mit seiner fernöstlichen Perspektive auf die Welt unsere Plattform. Zu erreichen ist er unter l.wang@everyday-feng-shui.de

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