Schwalben: Zwitschernde Glücksbringer unterm Dach

„Zum Schwalbennest“ lautet der Schriftzug an einer Hauswand, die ich fast täglich passiere. Doch die kleinen Kunstflieger, die der Herberge den Namen gaben, sind dort offenbar nicht willkommen. Silberne Flatterbänder hängen rundum unter dem Dachvorsprung, um die Schwalben am Nisten zu hindern. Dabei sind sie echte Glücksbringer.

Hungrige Jungschwalben recken ihre Schnäbel aus dem Schwalbennest
Hungrige Jungschwalben recken ihre Schnäbel aus dem Schwalbennest
(Foto: Katsura Miyamoto)

Zunächst einmal haben die Schwalben den Sommer schon im Gepäck. Nun deutet zwar ein bekanntes Sprichwort das Gegenteil an. „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“, heißt es. Kommen aber die kleinen Zugvögel zurück aus ihren afrikanischen Winterquartieren und beginnen den Nestbau an unseren Häusern, dann ist jedenfalls der Frühling da.

Schwalben gehörten früher selbstverständlich zum Landschaftsbild. Heute sind sie seltener zu sehen, weil ihnen oft die Lebens- und Nistgrundlage fehlt. Den Kuhstall mit Schwalbennestern unterm Gebälk oder den von Schwalben umringten Traktor auf dem Feld findet man wohl nur noch im Bilderbuch. Landwirtschaft sieht heute anders aus. Riesige, geschlossene Stallanlagen bieten den Rauchschwalben keine Nistmöglichkeit mehr. Und der massive Einsatz von Pestiziden trifft die Hauptnahrungsquelle der Schwalben: die Insekten.

Nester aus Lehmkügelchen

Zudem fehlt es den Schwalben an Baumaterial für ihre Nester. Wo immer mehr natürlicher Boden versiegelt wird, gibt es kaum noch matschige Pfützen. Genau diese feuchte, lehmige Erde brauchen die Schwalben zum Bauen. Die Mehlschwalben (sie haben weiße Füße, Beine und einen weißen Bauch) formen etwa tausend kleine Lehmkügelchen, die sie einzeln aneinanderkleben, bis das fast runde Schwalbennest fertig ist.

Schwalben beim Nestbau
Schwalben beim Nestbau (Foto: Katsura Miyamoto)

Ihre Nester bauen die Schwalben an steilen Felswänden unter schützenden Felsvorsprüngen – oder eben auch an Hauswänden unter der Dachtraufe. Auch ganz oben an Giebelwänden sieht man Schwalbennester. Weit oben unterm Dachvorstand sind sie geschützt vor Wind, Wetter und großen Raubvögeln.

Fröhliches Ein- und Ausfliegen

Schön ist das, wenn es unterm Dach zwitschert und tiriliert. Das dachte sich wahrscheinlich auch einst derjenige, der den Schriftzug „Zum Schwalbennest“ an seine Hauswand anbringen ließ. Vielleicht folgten andere Besitzer, denen das das fröhliche Ein- und Ausfliegen der Untermieter weniger zusagte. Vor allen Dingen dürfte aber der Vogeldreck gestört haben, den die Schwalben an der Hausfassade hinterlassen. Dabei gibt es inzwischen einfach anzubringende Brettchen, die den Dreck von der Hauswand fernhalten. Die Holzbrettchen werden direkt an den Dachsparren befestigt, sodass die Fassade nicht angebohrt werden muss.

Die Schwalben mit flatternden, glitzernden Bändchen daran zu hindern, ihre Nester unterm Dach zu bauen, zeugt vielleicht nicht von Feingefühl. Beinahe brutal wird es aber, wenn fertige Nester von der Fassade abgeschlagen werden. Schwalben kehren nämlich zurück in ihre Nester aus dem Vorjahr – so sie noch vorhanden sind.

Den Schwalben beim Nestbau zuzusehen, ist ein echtes Erlebnis. Zwei Wochen lang sind die zierlichen Vögel damit beschäftigt, Lehm zu sammeln, daraus Kügelchen zu formen und diese aneinanderzukleben. Da wird so emsig gearbeitet und geklebt, dass man das fertige Nest nur bestaunen kann. Wunderbar glatt und rund ist es mit einem klitzekleinen Loch oben zum Ein- und Ausfliegen.

Schutz vor Blitz, Feuer und Mücken

Es ist kaum verwunderlich, dass Schwalben früher Glücksbringer waren. Wo Schwalben nisteten, galten die Häuser als geschützt vor Blitz und Feuer. Die Schwalben im Stall bewahrten das Vieh vor Krankheiten. Ich sehe die Sache ganz praktisch. Schwalben fressen kiloweise Mücken. Das ist für mich schon allein ein Argument, die Schwalben willkommen zu heißen. Weniger Mückenstiche heißt für mich auf jeden Fall: Was für ein Glück!

www.everyday-feng-shui.de

 

Quelle:

www.welt.de – Wehe dem, der Schwalbennester am Haus abschlägt

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Über Astrid Albrecht-Sierleja 157 Artikel
Astrid Albrecht-Sierleja verfügt als langjährige Malerin und Lackiererin über ausgesprochen praxisorientiertes Wissen und kennt als Produkt-Designerin die Vielfalt gestalterischer Möglichkeiten im Wohn- und Arbeitsbereich. Astrid erreicht ihr unter a.albrecht@everyday-feng-shui.de

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